Über 150 Tote

Erneutes Massaker in Syrien: USA will handeln

Damaskus - Kämpfe, Massaker und kein Ende in Sicht. Die US-Regierung denkt deshalb erneut über Waffenlieferungen an die Rebellen nach. Doch Obama ist von dieser Strategie immer noch nicht überzeugt.

Angesichts der Kriegsverbrechen in Syrien denken die USA jetzt laut über Waffenlieferungen an die Rebellen nach. „Das ist eine Option“, sagte Verteidigungsminister Chuck Hagel. In Abstimmung mit internationalen Partnern prüfe man aber auch andere Möglichkeiten. Die syrische Opposition berichtete am Freitag, regierungstreue Milizen und reguläre Truppen hätten am Vortag in dem Dorf Al-Baidha südlich der Stadt Banias ein Massaker an Zivilisten verübt. Dabei seien „Hunderte“ von Menschen getötet worden, von denen 150 bereits identifiziert worden seien.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, am Freitag habe es in der Ortschaft erneut Razzien gegeben. Es seien auch Schüsse gefallen. Nach Informationen einer regimenahen Website hatten sich vor Beginn der Gewaltorgie in dem Dorf Rebellen aufgehalten, die 40 Soldaten in ihre Gewalt gebracht haben sollen. Die Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Die Bewohner von Banias sind überwiegend Alawiten, das heißt, sie gehören derselben islamisch-schiitischen Glaubensrichtung an wie Assad. Im Süden von Banias gibt es mehrere Dörfer, die von sunnitischen Muslimen bewohnt sind. Der Aufstand gegen das Assad-Regime wird größtenteils von Sunniten getragen. Die oppositionelle Nationale Syrische Koalition warf der internationalen Gemeinschaft vor, sie sehe untätig zu, wie das Regime von Präsident Baschar al-Assad Kriegsverbrechen verübe.

Heimliche Waffenlieferungen an die Rebellen?

US-Präsident Barack Obama äußerte sich zur Frage von Waffenlieferungen demonstrativ zurückhaltend. Zwar sagte auch er, man prüfe derzeit „alle Optionen“. Doch bei einem Besuch in Mexiko-Stadt am Donnerstag fügte er hinzu: „Wir sollten sichergehen, dass wir hinschauen, bevor wir springen, und sichergehen, dass das, was wir tun, auch tatsächlich hilfreich ist.“

In der Vergangenheit hatte Washington Waffenlieferungen an die Opposition in Syrien kategorisch abgelehnt. Dies würde den Bürgerkrieg nur weiter anheizen, hieß es zur Begründung. Zudem könnten Waffen in die Hände von Islamisten fallen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb, die US-Regierung liefere ohnehin schon seit Monaten heimlich Waffen an die Rebellen. Die Äußerungen Hagels zeigten, dass sie nun vorhabe, sich künftig auch öffentlich dazu zu bekennen.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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