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Vater Abdullah Kurdi (M.) trägt den keinen Aylan zu Grabe.

Hunderte kamen zur Trauerfeier

Toter Flüchtlingsjunge Aylan in Kobane beerdigt

Kobane - Der an der türkischen Küste tot geborgenen Flüchtlingsjunge Aylan Kurdi ist im syrischen Kobane beerdigt worden. Sein Vater wünscht sich ein Ende der Bürgerkriegs-Tragödie.

Am Freitag, 18. September, kam es an der Küste der Türkei erneut zu einer tragischen Entdeckung: Das Meer hat in der Nähe des Ortes Cesme die Leiche eines vierjährigen Mädchens angespült.

Der Dreijährige wurde neben seinem ebenfalls bei dem Unglück gestorbenen fünfjährigen Bruder Galip und seiner Mutter Rihana bestattet, wie türkische Medien meldeten. Der Vater Abdullah Kurdi, der das Bootsunglück überlebt hatte, nahm an der Beerdigung teil und will in Kobane bleiben. Unterdessen versuchten an der türkischen Ägäis-Küste weitere Flüchtlinge, per Boot nach Griechenland zu gelangen.

Hunderte kamen zu dem Begräbnis nach Kobane.

Hunderte Menschen seien zu der Trauerfeier gekommen, sagte Augenzeuge Mustefa Ebdi. "Alle waren traurig und weinten", sagte er. Vater Abdullah Kurdi hatte die Särge mit seinen Söhnen und seiner Frau von der Ägäis-Küste aus über Istanbul nach Kobane begleitet. Der privaten türkischen Nachrichtenagentur DHA sagte er, er wünsche sich nur, dass die Tragödie des Krieges in Syrien bald ein Ende habe.

Aylan, Galip und ihre Mutter waren im Mittelmeer ertrunken, als die syrische Familie aus der Türkei in das EU-Land Griechenland flüchten wollte. Ein Foto von Aylans Leiche, die am Mittwoch mit dem Gesicht im Sand an einem Strand nahe dem türkischen Ferienort Bodrum gefunden wurde, löste weltweit Bestürzung aus.

Auch nach dem Tod des kleinen Jungen brachen von derselben Bucht aus neue Flüchtlingsboote in Richtung Griechenland auf. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, versteckten sich mehrere Gruppen von Flüchtlingen in der Nacht im Unterholz nahe der Bucht von Akyarlar vor den verstärkten Polizeikontrollen in der Gegend. Ein Boot mit 20 syrischen Flüchtlingen, das in Akyarlar ablegte, sei von der türkischen Küstenwache abgefangen worden.

Erdogan erneuert Kritik am Westen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte mit Blick auf das Schicksal des syrischen Jungen seine Kritik am Westen. Die Türkei habe mehr als zwei Millionen Menschen aufgenommen, sagte er dem US-Sender CNN. Wie sein Land könnten auch europäische Staaten die ankommenden Flüchtlinge aufnehmen, wollten dies aber verhindern, "koste es, was es wolle". Europäische Politiker sollten gemeinsam handeln und den Flüchtlingen "eine Chance geben, sich zu retten".

Erdogan wies den Vorschlag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zum Aufbau von EU-Flüchtlingslagern in der Türkei zurück. Es gehe nicht an, dass sich Deutschland unter syrischen Flüchtlingen in der Türkei einige zur Aufnahme aussuchen könne. De Maizière hatte vor einigen Tagen vorgeschlagen, die EU solle ein großes Flüchtlingslager in der Türkei bauen und finanzieren, um auf türkischem Boden entscheiden zu können, welche Flüchtlinge nach Europa kommen dürften.

Auch Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kritisierte den Westen. In einer Rede in Ankara erneuerte Davutoglu die Forderung seines Landes nach Einrichtung einer Schutzzone in Syrien, die Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat erlauben würde. Seit Jahren schlage die Türkei dies vor, sagte er. "Aber es hört uns niemand zu." In den vergangenen Wochen hatte die Türkei erklärt, sie habe sich mit den USA auf die Einrichtung einer solche Zone im Norden Syriens geeinigt.

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