Weihbischof Ansgar Puff steht im Hof des Obdachlosenzentrums Gubbio.
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Weiterer Kölner Bischof wegen Missbrauchsgutachten beurlaubt.

Weihbischof Puff

Erzbistum Köln: Nächste Konsequenz nach Missbrauchsgutachten - Weiterer Bischof freigestellt

  • vonDana Popp
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Nach dem Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln vom Donnerstag gibt es erneut personelle Folgen. Ein weiterer Bischof wird freigestellt.

Köln - Der Kölner Missbrauchs-Skandal zieht immer weitere Kreise. Zuvor wurde am Donnerstag ein Missbrauchsgutachten von Strafrechtler Björn Gercke vorgestellt, das im Auftrag von Kardinal Rainer Maria Woelki angefertigt wurde. In dem Gutachten wurde geprüft, wie Verantwortliche des größten deutschen Bistums von 1975 bis 2018 mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgegangen waren. Nach der Vorstellung des Gutachtens haben bereits der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp Konsequenzen gezogen. Nun wurde laut der Deutschen Presse-Agentur der Kölner Weihbischof Ansgar Puff beurlaubt.

Kölner Missbrauchsgutachten: Weihbischof Ansgar Puff wird beurlaubt

Der 65-jährige Puff bat demnach Kardinal Rainer Maria um seine Beurlaubung. Grund dafür ist nach dpa-Informationen das Kölner Missbrauchsgutachten*, bei dem Puff anfangs nicht genannt wurde. Das Erzbistum wies am Freitag jedoch darauf hin, dass in dem Gutachten ein ehemaliger Personalchef des Erzbistums aufgeführt werde, der ebenfalls eine Pflichtverletzung begangen habe: einen Verstoß gegen die Aufklärungspflicht. Bei diesem damaligen Personalchef handelt es sich offenbar um den heutigen Weihbischof Puff. Die Pflichtverletzung solle nun sachgerecht beurteilt werden, gab das Erzbistum bekannt.

Bereits kürzlich war Puff laut dpa in die Kritik geraten. In einem Video-Beitrag auf dem Kölner Bistumsportal „Domradio“ hatte er die kritische Medienberichterstattung über Bischöfe als Kampagne dargestellt - und Vergleiche zu Donald Trump und Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels gezogen. Später hatte er sich für seine Aussage entschuldigt. Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall, hatte dazu gesagt, die legitime Berichterstattung professioneller Medien in eine Linie mit Goebbels und dem ehemaligen US-Präsidenten zu stellen, sei „ein Angriff auf die professionellen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland“.

Kölner Missbrauchsgutachten: Was wird Weihbischof Angsar Puff vorgeworfen?

Laut Gutachten geht es bei der Pflichtverletzung von Puff der Deutschen Presse-Agentur zufolge um folgenden Fall. Ein Betroffener sei im Zeitraum von 1963 und 1966 von einem Priester missbraucht worden. Die Mutter habe über die Taten des Priesters geschwiegen, da sie als Haushaltshilfe für ihn arbeitete. Erst 2013 erfuhr das Erzbistum den Verdacht des Missbrauchs vom Bruder des Betroffenen. Er habe daraufhin ein Gespräch angeboten, so Puff. Der Betroffene lehnte dieses Angebot jedoch ab.

Außerdem habe er den damaligen Generalvikar und heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße mündlich über den Fall in Kenntnis gesetzt, so Puff. Der beschuldigte Geistliche sei trotz der Vorwürfe nicht befragt worden. Als Grund dafür gab Puff an, es habe sich um Behauptungen Dritter gehandelt und er habe mit dem Betroffenen nicht direkt sprechen können. Das Gutachten wertet dies als Fehler. Puff hätte mit dem Beschuldigten sprechen müssen. Des weiteren hätte Heße eine kirchenrechtliche Voruntersuchung einleiten und die damalige Justiziarin des Erzbistums die Staatsanwaltschaft informieren müssen. Heße und der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp haben bereits am Donnerstag dem Papst ihren Amtsverzicht angeboten*. (dp/dpa)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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