Der Autor Martin Prem

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Autonomes Fahren: Die letzte Frage bleibt offen

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Eine Ethikkommission hat 20 Leitlinien veröffentlicht, die das autonome Fahren regeln sollen. Doch eine Antwort auf eine wichtige Frage vermisst unser Autor Martin Prem in dem Bericht.

Nehmen wir einmal an, eine Ethik-Kommission hätte rechtzeitig über die gewaltigen Veränderungen durch die Digitalisierung beraten. Und nehmen wir auch an, eine breite gesellschaftliche Diskussion hätte den Lauf der Dinge beeinflussen können, bevor sie über uns hereingebrochen sind. Vielleicht sähe manches ein bisschen anders aus in unserer neuen, digitalen Welt. Vielleicht würden wir nach der Benutzung einer Suchmaschine nicht sofort mit Werbung zum gleichen Thema bombardiert. Vielleicht hätten wir mehr Souveränität über Daten, über die nun andere nach Belieben verfügen.

Vielleicht ist nicht sicher. Und so ist es auch nicht sicher, ob der Bericht der Ethik-Kommission zum automatisierten und vernetzten Fahren fundamentalen Einfluss auf diese Techniken haben wird. Aber ein paar Wegweiser sind es schon, an denen Politik und Industrie nicht so leicht vorbeikommen werden: Der Mensch hat Vorrang. Sein Leben, das vor allem anderen geschützt werden muss. Und seine Freiheit. Er darf nicht zum Objekt zentraler Verkehrsrechner werden, die ihm auf dem Weg zum Ziel entmündigen. Bei der Frage nach der Haftung muss die Politik nachbessern. Die Kommission will klar geregelte und dokumentierte Verantwortlichkeiten. Gut so.

Nur bei der am tiefsten greifenden Frage hilft uns der Bericht nicht weiter: Wenn in einer ausweglosen Situation vor einem Unfall nicht alle Leben gerettet werden können, einer oder mehrere Verkehrsteilnehmer also geopfert werden müssen, um andere zu retten, würde man einem spontan entscheidenden Fahrer jede Entscheidung nachsehen. Doch auf wessen Rettung soll eine Maschine vorher programmiert werden? Oder entscheidet gar ein Zufallsgenerator? Eine akzeptable Antwort darauf ist nicht gefunden. Es wird sie vielleicht nie geben.

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