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EU-Agrarreform: Nur mit Öko gibt’s volle Förderung

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Hecken als „ökologische Vorrangfläche“: Davon soll nicht nur die Umwelt, sondern auch der Landwirt profitieren. © dpa

München/Brüssel - Was bringt die Reform der EU-Agrarpolitik für die Jahre bis 2020? Kern der Pläne aus Brüssel ist die Koppelung von Fördergeldern an Öko-Auflagen. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen.

Der Herr im Anzug streichelt ein Kälbchen, schlendert mit einem Bauern über grüne Wiesen. Der Kurzfilm über EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, den die Vertretung der Kommission in München am Mittwoch vor der Live-Schaltung nach Brüssel zeigt, hat eine Botschaft: Die Reform der Agrarpolitik in Europa soll partnerschaftlich und harmonisch ablaufen.

Dann tritt Ciolos ans Rednerpult – und präsentiert die seit Monaten diskutierten Eckpunkte der EU-Agrarreform.

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Neu ist, dass die Bauern ein Drittel der Direktzahlungen verlieren, wenn sie bestimmte ökologische Auflagen nicht beachten. So sollen sie drei verschiedene Pflanzenkulturen anbauen – maximal 70 Prozent von einer Sorte, mindestens aber fünf Prozent. Zudem müssen Landwirte sieben Prozent ihrer Fläche zur „ökologischen Vorrangfläche“ erklären und praktisch stilllegen – das können auch Hecken oder Ackerrand sein. Kritiker befürchten, dass die Flächenkonkurrenz, die bereits zwischen Nahrungs- und Energieproduktion besteht, zunimmt. Für Biobauern gelten die Auflagen nicht.

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Die Direktzahlungen sollen auf 300 000 Euro pro Jahr und Betrieb gedeckelt werden. Neu ist, dass Bauern die Löhne ihrer Mitarbeiter verrechnen dürfen. „Diese Regelung betrifft aber kaum Betriebe in Bayern“, meint Martin Scheele von der Generaldirektion Landwirtschaft, der die Reform gestern in München erläuterte.

Der „aktive Landwirt“ wird neu definiert. Damit soll Förderungsmissbrauch zum Beispiel durch Pseudo-Landnutzer wie Golfplatzbesitzer oder Flughafenbetreiber vermieden werden. Betriebe müssen nachweisen, dass sie mindestens fünf Prozent ihres Umsatzes mit der Landwirtschaft erzielen. Wer unter einer Fördersumme von 5000 Euro jährlich bleibt, muss keinen Nachweis erbringen.

Die benachteiligten und speziell förderfähigen Gebiete werden nach acht Kriterien eingeteilt. Beispiele: Temperatur, Feuchtigkeit, Staunässe, Steinigkeit, Versäuerung. In Bayern spielt vor allem die Geländeneigung (mehr als 15 Prozent) eine Rolle. Scheele betont, dass die Förderung für Berggebiete unberührt bleibt.

Zwei Drittel der Bauern in der EU sind älter als 55 Jahre, nur sieben Prozent jünger als 40. Deshalb sollen Jung-Landwirte unter 40 Jahren mehr EU-Gelder bekommen. Fünf Jahre nach Hofübernahme zahlt Brüssel 25 Prozent über der durchschnittlichen Förderung eines Betriebs in dem Mitgliedsland.

Mit einem neuen Krisenfonds von rund 3,5 Milliarden Euro will die Kommission Bauern in Krisen wie EHEC schneller helfen.

Von Carina Lechner

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