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EU-Kommissionschef Juncker wirbt für eine gemeinsame europäische Armee.

Schutz vor außereuropäischen Aggressionen

Juncker und von der Leyen wollen EU-Armee

Berlin - Vor dem Hintergrund des Konflikts mit Russland hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker für die Gründung einer gemeinsamen Armee in Europa ausgesprochen.

Damit könne Europa glaubwürdig auf eine Bedrohung des Friedens in einem Mitgliedsland oder in einem Nachbarland der EU reagieren, sagte Juncker der "Welt am Sonntag". Die Linke warnte vor einem Beitrag zur Eskalation.

Die Idee einer europäischen Armee wird in der EU immer wieder diskutiert. Bislang gilt ein solcher Schritt nicht als denkbar, weil es in manchen Ländern wie in Großbritannien entschiedenen Widerspruch gibt. Juncker stellt seine Forderung nun in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Eine gemeinsame Armee der Europäer würde auch "Russland den Eindruck vermitteln, dass wir es ernst meinen mit der Verteidigung der Werte der Europäischen Union", sagte der Luxemburger.

Die europäische Armee solle keine Konkurrenz zur Nato sein, sondern Europa stärken, sagte Juncker weiter. Eine intensive Zusammenarbeit der europäischen Staaten bei der Entwicklung und beim Kauf von militärischem Gerät werde zudem "erhebliche Einsparungen bringen".

Vertreter der Regierungskoalition unterstützten den Vorstoß. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verwies auf die bereits zunehmende militärische Zusammenarbeit der europäischen Staaten. "Wir waren vor 70 Jahren Todfeinde - und heute unterstellen wir uns mit den Niederlanden gegenseitig unsere Streitkräfte", erklärte von der Leyen. "Unsere Zukunft als Europäer wird irgendwann eine europäische Armee sein."

"Eine gemeinsame europäische Armee ist eine europäische Vision, deren Zeit gekommen ist", sagte auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU). Die Europäer gäben zusammen im Vergleich zu Russland ein Vielfaches für das Militär aus, doch die Fähigkeiten der "nationalen Kleinarmeen" blieben sicherheitspolitisch unzureichend, sagte Röttgen der "WamS".

"Die aktuelle Bedrohungslage Europas macht deutlich, dass der Kontinent in absehbarer Zeit weitere Schritte für eine stärkere Zusammenarbeit der nationalen Streitkräfte benötigt", sagte der Vorsitzende der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Vor allem kleinere Staaten könnten keine "Armeen mit voller Leistungsbreite" unterhalten.

"Die vergangenen zehn Jahre haben für Europas Verteidigung wenig gebracht. Es braucht einen neuen Schub", sagte der SPD-Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels der Zeitung. "Wir sind zu 100 Prozent bei Juncker", fügte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, im "Tagesspiegel" (Montagausgabe) hinzu. Die Schaffung einer europäische Armee sei auch aus finanziellen Gründen dringend geboten: "Wir werden uns in Europa vernünftig ausgestattete Nationalarmeen nicht mehr leisten können."

Kritik kam hingegen von der Linken. "Junckers Vorschlag ist eindeutig gegen Russland gerichtet", sagte die verteidigungspolitische Fraktionssprecherin Christine Buchholz. "Statt einer europäischen Einsatzarmee und einer europäischen Rüstungspolitik brauchen wir in Europa eine friedliche Außenpolitik und Abrüstung."

Interview

Positionspapier SPD

Panzergrenadierbrigade 41

AFP/dpa

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