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EU legt Brexit-Leitlinien fest: Ein Minenfeld

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Am Freitag zurrt die EU ihre roten Linien für die Brexit-Verhandlungen fest. Das wird ein schwieriges Unterfangen, denn es gibt widerstreitende Interessen, kommentiert Alexander Weber.

Vor dem morgigen Sondergipfel, der die roten Linien der EU für die Brexit-Verhandlungen mit London festzurren soll, zeichnet sich ab, dass den Verhandlern in den nächsten zwei Jahren nicht weniger als die Quadratur des Kreises gelingen muss.

Vor ihnen erstreckt sich ein weites Minenfeld widerstreitender Interessen: Brüsseler Rachegefühle wegen enttäuschter Liebe; die Abschreckungsdrohung der deutschen Kanzlerin (kein Drittstaat darf Rechte wie ein EU-Mitglied haben); Existenzängste der EU-Bürger im Vereinigten Königreich und umgekehrt der Briten auf dem Kontinent; die eindringlichen Mahnungen der Wirtschaft (und der bayerischen Staatsregierung), kein unnötiges Porzellan zu zerschlagen. Man kann nur hoffen, dass am Ende die Vernunft siegt, nach dem Motto: Es muss was geschehen (der Austritt) – aber passieren darf nix! (keine Zukunftsoptionen zerstören)

Auch die politische Gemengelage auf der Insel ist vielschichtiger, als manche in London weismachen wollen. Erstmals seit dem Ausstiegs-Referendum gibt es eine Umfrage-Mehrheit der Brexit-Gegner. Premierministerin May könnte der Unterhauswahl im Juni wesentlich weniger gelassen entgegen sehen, wenn sich Labour-Chef Corbyn mit aller Kraft an die Spitze der Pro-Europa-Initiativen stellen würde. Stattdessen erschöpft sich die Phantasie des Herrn Oppositionsführers im Versprechen von vier zusätzlichen Feiertagen. Ein Offenbarungseid.

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