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Kerstin Westphal (l.) zusammen mit Martin Schulz.

Abgeordnete aus Bayern 

EU-Parlament: Die SPD-Kandidaten aus dem Freistaat

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München - Die SPD bekommt drei bayerische Abgeordnete im Eu-Parlament. Die Kandidaten sind weitgehend unbekannt. Also soll Martin Schulz den Unterschied machen.

Der wichtigste Kandidat der bayerischen SPD kommt aus Würselen bei Aachen. Ja gut, Pedanten könnten nun einwenden, das liege doch etwas jenseits von Unterfranken. Aber Martin Schulz, der Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokratie, dominiert den Wahlkampf der Genossen dermaßen, dass die Protagonisten aus dem Freistaat in den Hintergrund rücken. „Wir haben Schulz sehr stark in den Mittelpunkt gestellt – und das greift“, bestätigt die bayerische Generalsekretärin Natascha Kohnen. Ein Deutscher kann Kommissionspräsident werden – da vergisst sogar die SPD kurz die Internationale. Die übrigen Kandidaten müssen sich darauf verlassen, in seinem Windschatten nach Brüssel und Straßburg zu segeln.

Europawahl 2014: Der Tag nach der Wahl im Ticker

Immerhin: Die bayerische SPD darf sich diesmal als Gewinnerin präsentieren. Das Ergebnis von 2009 war mit 12,9 Prozent dermaßen schlecht, dass 2014 sicher ein dickes Plus herausspringen wird. In Umfragen stehen die Genossen bei etwa 20 Prozent im Freistaat, also im Bereich der Landtagswahl vom vergangenen Herbst.

Rosenheimerin Maria Noichl auf Listenplatz 18

Am Ende werden drei Bayern die SPD in Straßburg repräsentieren. Florian Pronold hatte bei der Listenaufstellung schwer darum gekämpft, für die Rosenheimerin Maria Noichl einen sicheren Platz zu ergattern. Anders als bei der CSU, die nur in Bayern antritt, müssen bei anderen Parteien die bayerischen Kandidaten auf einer bundesweiten Liste antreten. Noichl dürfte mit Platz 18 den Sprung nach Europa schaffen. Kerstin Westphal (Platz 4) und Ismail Ertug galten als gesetzt. Noichl ist Newcomerin auf europäischem Gebiet, hat aber parlamentarische Erfahrung: Fünf Jahre lang saß die 47-Jährige, die bereits Großmutter ist, im Landtag. Jetzt folgt die Berufsschullehrerin auf Wolfgang Kreissl-Dörfler, der Oberbayern 20 Jahre im EU-Parlament vertrat. Sie tritt ein schweres Los an: Westphal und Ertug sind vor allem im Norden Bayerns unterwegs – für Noichl bliebe der ganze Süden.

Die 51-jährige Westphal kommt aus Schweinfurt. Rote Haare, rote Brille. Sie ist eine klassische SPD-Frau, die stets von „Genossinnen und Genossen“ spricht. Mit dem Freihandelsabkommen beispielsweise geht sie kritisch ins Gericht – minutenlang kann sie Mängel aufzählen. Ablehnen aber will sie es nicht. „Wir sehen die Chance, europäische Sozialstandards in andere Teile der Welt zu transportieren.“ Da wittert eine Sozialdemokratin die Gelegenheit, die US-Unternehmenskultur zu revolutionieren.

Wie Westphal hat auch Ismail Ertug eine Legislaturperiode hinter sich. Das Kind türkischer Gastarbeiter steht schon mit seiner Vita für die internationale Ausrichtung. In Brüssel hat den Oberpfälzer überrascht, wie offen und undogmatisch die Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg abläuft. Klar: Wo nicht dauernd die Presse mit Argusaugen jede Abweichung von alten Positionen beobachtet, lassen sich leichter Kompromisse finden. Dieser Vorteil hat einen entscheidenden Haken: Westphal und Ertug sind weitgehend unbekannt.

Also muss es Martin Schulz richten.

Mike Schier

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