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Jean-Claude Juncker hindert im EU-Parlament einen Journalisten daran, Nigel Farage zu fotografieren.

Schnelle Brexit-Verhandlungen

Juncker zu UKIP-Chef Farage: "Sie werden nicht wiederkommen"

Brüssel - Nach dem Brexit-Votum fordert das Parlament schnelle Verhandlungen über einen Austritt Großbritanniens aus der EU. Bei der Debatte stichelt Kommissionspräsident Juncker gegen Farage.

"Wir erwarten zügige Verhandlungen", sagte der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, vor der Abstimmung im Plenum. "Für beide Seiten ist eine lange Phase der Unsicherheit Gift." Die vier großen Fraktionen im Parlament - EVP, Sozialdemokraten, Liberale und Grüne - hatten den Antrag gemeinsam gestellt. Bei der Debatte warb auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker für schnelle Klarheit.

Der Präsident war insgesamt übellaunig. Zwar hatte Juncker vor der Debatte den Rechtspopulisten Nigel Farage mit einem Lächeln und einer Umarmung begrüßt, doch dann wurde der Ton rauer. Juncker bezichtigte Farage, im Wahlkampf gelogen zu haben. Am Ende sprach er nur noch französisch mit dem Briten - Juncker klang dabei versöhnlich, aber nicht ohne die ihm eigene Ironie: „Ich habe es, Herr Farage, gemocht, mit Ihnen zu debattieren. Wir haben denselben Sinn für Humor.“ Er bedauere es sehr, dass dies nun das letzte Mal gewesen sei. „Denn Sie werden nicht wiederkommen.“

Farage: "Jetzt lachen Sie nicht mehr, oder?"

Damit spielte Juncker auf eine Aussage von Brexit-Wortführer Farage an, der den Plenarsaal des EU-Parlaments nie wieder betreten wollte. Anfang Juni hatte er angekündigt: „Ich hoffe, dass ich hier das letzte Mal in der Eigenschaft als Vertreter eines Mitgliedsstaates spreche.“ Nun stand er doch wieder da - und genoss die Aufmerksamkeit, die ihm nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt Großbritanniens zuteil wurde. Vor 17 Jahren habe man ihn noch für seine Brexit-Kampagne ausgelacht, sagte er. „Jetzt lachen Sie nicht mehr, oder?“

Auf Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU will er aber auch nach einem Austritt aus der Union nicht verzichten und warb deshalb für ein Freihandelsabkommen. „Wir werden mit Euch Handel treiben, wir werden mit Euch kooperieren“, sagte der EU-Abgeordnete. „Wir werden Euer bester Freund auf der Welt sein.“

dpa

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