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Seit 2002 gibt es den Euro als Bar-Zahlungsmittel in Deutschland.

Juncker-Vorschlag

Euro für alle: Was das für Europa bedeutet

Er soll Europa einen – doch nicht alle Länder machen mit. Nun kommt aus Brüssel ein neuer Vorstoß, den Euro zur Währung der gesamten EU zu machen. Nicht alle finden die Idee gut.

Frankfurt/Straßburg – Zum 1. Januar 1999 gaben sich die Europäer eine gemeinsame Währung. Zunächst nur elektronisch, von 2002 dann auch in Schein und Münze. Heute ist der Euro für 340 Millionen Menschen in 19 Staaten der Europäischen Union (EU) offizielles Zahlungsmittel. Geht es nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, könnte der Euro-Club bald noch größer werden.

„Der Euro ist dazu bestimmt, die einheitliche Währung der Europäischen Union als Ganzes zu sein“, erklärte der Kommissionschef im Europaparlament. Doch die EU-Mitgliedstaaten, die sich der Gemeinschaftswährung anschließen wollen, müssten dies auch können, sagte Juncker. „Deshalb schlage ich die Schaffung eines Euro-Beitrittsinstrumentes vor, das ihnen technische, manchmal auch finanzielle Heranführungshilfen bietet.“

Kein Land darf gegen seinen Willen in den Euro gedrängt werden

Die Mitgliedsländer haben sich verpflichtet, den Euro einzuführen, sobald sie die Voraussetzungen erfüllen. Im Vertrag von Maastricht haben lediglich Dänemark und das Vereinigte Königreich eine Ausnahmeregelung erstritten. Großbritannien will aber ohnehin aus der EU austreten. Tatsächlich dürfte jedoch kein Land gegen seinen Willen in den Euro gedrängt werden. So haben beispielsweise die Schweden im Jahr 2003 in einer Volksabstimmung die Euro-Einführung abgelehnt. Trotz seiner guten wirtschaftlichen Lage blieb das Land dem Euro bis heute fern.

Es gibt vier sogenannte Konvergenzkriterien, die Beitrittskandidaten erfüllen müssen. So darf ihre Inflationsrate nicht mehr als 1,5 Prozent über der Teuerungsrate derjenigen drei EU-Länder liegen, die das beste Ergebnis erzielt haben. Zudem müssen die öffentlichen Finanzen stabil und tragbar sein. So darf das Haushaltsdefizit nicht mehr als 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, und die Verschuldung darf bei maximal 60 Prozent des BIP liegen.

EU-Kommission und EZB überprüfen die Euro-Anwärter stetig

Allerdings wurden beim Schuldenstand für Länder wie Italien schon bei der Euro-Einführung große Abweichungen zugelassen. Die beiden anderen Kriterien beziehen sich auf die Wechselkursentwicklung und die Zinssätze. EU-Kommission und EZB überprüfen alle zwei Jahre in einem Bericht die Fortschritte der Euro-Anwärter.

Die Handlungsfähigkeit einer noch größeren Eurogruppe würde nicht einfacher werden. Schon seit 2015 sind etwa im EZB-Rat nicht alle Mitglieder jedes Mal stimmberechtigt. Grund ist, dass damals Litauen das 19. Land im Euro-Club wurde. Die Staaten hatten sich verständig, in einer wachsenden Eurogruppe die Stimmzahl zu begrenzen, damit der EZB-Rat effizient entscheiden kann.

Deutschland, „ein großer Gewinner des Euros“

Nach Ansicht von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sollten die Europäer nichts übers Knie brechen. „Ich halte es aber wirtschaftlich für richtig und sinnvoll, dass über die nächsten zehn bis 15 Jahre alle EU-Länder den Euro einführen.“ Die Gemeinschaftswährung habe vor allem den Handel und die Direktinvestitionen in Europa deutlich erhöht. Deutschland sei „ein großer Gewinner des Euro“, sagt Fratzscher. Indes warnt Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung: „Die Schuldenkrise hat seit 2010 deutlich gezeigt, dass die Einführung des Euro in einigen Staaten Südeuropas verfrüht war. Es wäre unklug, diesen historischen Fehler nun für Osteuropa zu wiederholen.“

Von Jürgen Sabel und Jörn Bender

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