Richard Bruton ist Wirtschaftsminister der Republik Irland.

Euro-Rettung: „Es liegt noch ein weiter Weg vor uns“

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München - Er hat Verständnis für Zypern: Der irische Wirtschaftsminister Richard Bruton erklärt, was ein harter Reformkurs den Bürgern abverlangt.

Zypern diskutiert heftig über den richtigen Kurs der Konsolidierung. Irland hat ganz wesentliche Schritte bereits hinter sich. Der irische Wirtschaftsminister Richard Bruton reiste in den vergangenen Tagen mit einer Unternehmerdelegation durch Deutschland, um die Geschäftsbeziehungen auszubauen. Natürlich feierte er auch beim St. Patricks Day in München mit. Ein Gespräch über die Euro-Krise – und wie man herauskommt.

Herr Minister, Europa steht unter dem Eindruck der Proteste in Zypern. Haben Sie Verständnis dafür?

Die irischen Steuerzahler mussten selbst bereits eine erhebliche Last tragen. Sie mussten Belastungen hinnehmen, die 40 Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes entsprechen – wir wissen also, was das bedeutet. Auf der anderen Seite brauchen wir jetzt eine Lösung des Problems in Zypern.

Mit dem feinen Unterschied: In Irland standen Regierung und Parlament hinter dem harten Sparkurs.

Trotzdem gab es damals massive Kontroversen, weil wir für die Banken und ihre Gläubiger garantiert haben. Seitdem versuchen wir, diesen Deal zu modifizieren und die Belastungen gerechter zu verteilen. Deshalb verstehe ich gut, wie schwierig es für die zyprische Regierung ist. Jetzt brauchen wir einen anderen Ansatz – wie auch immer er aussieht.

Die Situation ist neu: Europa will helfen. Aber das Land, das die Hilfe braucht, weigert sich, seinen Teil beizutragen. Fürchten Sie eine strukturelle Gefahr für die Euro-Zone?

Wir haben eine schwierige Situation. Es wird noch eine Weile dauern, eine Lösung zu finden. Aber wir brauchen eine Lösung! Die Folgen eines Scheiterns wären nicht vorstellbar – für Zypern, aber auch für die Europäische Union.

Haben Sie Sorge, dass der Wahlkampf in Deutschland die Verhandlungen beeinflussen könnte?

Jede Regierung muss Rücksicht auf ihre Wähler nehmen. Gefühlt hatten wir aber in den letzten beiden Jahren alle sechs Monate irgendwelche Wahlen in Deutschland (lacht). Deshalb glaube ich nicht, dass das zu einem massiven Problem wird.

Lassen Sie uns über Irland reden: Vergangene Woche wurden erstmals zehnjährige Anleihen an den Märkten platziert. Wie wichtig ist dieser Schritt?

Dass wir uns an den Kapitalmärkten nun langfristig mit Geld versorgen können, ist ganz erheblich. Die Märkte erkennen unsere Entwicklung an: Wir verzeichnen seit drei Jahren ein Wirtschaftswachstum, der Privatsektor schafft Arbeitsplätze, der Wirtschaftsmotor läuft dank der Exporte wieder an. Deutschland ist für uns da teilweise ein Vorbild.

Inwiefern?

Mit dem Konzept von mittelständischen Firmen in deutschem Besitz, die weltweit exportieren. Dieses Konzept noch besser zu verstehen, war einer der Schwerpunkte unserer Reise. Gleichzeitig wollten wir zeigen, was die irische Wirtschaft zu bieten hat.

Irland wird oft als Modelland für die anderen Krisenstaaten genannt...

Jedes Land ist anders. Wir haben es zwar geschafft, schnell wieder Wirtschaftswachstum zu generieren. Andere Länder tun sich aber schwerer, weil sie nicht unsere Exporte haben. Doch der breitere Ansatz – haushaltspolitische Konsolidierung, Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, mehr Flexibilität – gilt für alle Länder. Trotzdem braucht jedes Land seine eigene Strategie.

Hat Irland das Schlimmste überstanden?

Unsere Bürger würden das sicher verneinen. Sie sehen den anhaltenden Druck, die Steuereinnahmen zu erhöhen und die Ausgaben zu senken. Das wird bis 2015 so weitergehen, wenn wir die Neuverschuldung unter drei Prozent drücken wollen. Auch die große Zahl der Auswanderer treibt die Leute um. Es ist noch ein weiter Weg, aber ich glaube, wir haben die Basis gelegt, den richtigen Weg eingeschlagen.

Sie haben die Auswanderer angesprochen. Wie viele verlassen das Land?

In Zahlen sind das 40 000 pro Jahr – es kommen aber auch 15 000 zurück. Auch dadurch ist die Arbeitslosigkeit auf 14,2 Prozent gesunken. Man darf aber nicht vergessen: Emigration war schon immer ein Teil der irischen Geschichte.

Interview: Mike Schier

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