Bundestagsabgeordnete empört über Brüsseler Pläne

Europa spricht nicht Deutsch

Brüssel/München - Die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU sind empört über einen Sparplan der EU-Kommission, wonach bei Deutsch-Übersetzern 22 der derzeit noch 110 Stellen eingespart werden sollen.

Zugleich soll die Zahl der Englisch-Übersetzer um 14 aufgestockt werden.

Der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Johannes Singhammer bestätigte den Plan und erklärte gegenüber dem MÜNCHNER MERKUR (Mittwoch-Ausgabe), er sehe in dem Brüsseler Vorhaben eine weitere „Diskriminierung der deutschen Sprache“: „Das ist ein unerhörter Vorgang, der die europäische Idee gefährdet“, so Singhammer.

Die Bundestagsabgeordneten beklagen sich seit längerem, dass ihnen Beschlussvorlagen aus Brüssel nur in englischer Sprache oder in nichtamtlicher deutscher Übersetzung zur Abstimmung vorliegen. Die CSU fühlt sich zusätzlich düpiert, weil sie erst kürzlich einen Parteitagsbeschluss gefasst hat, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, „Initiativen für den angemessenen Gebrauch der deutschen Sprache“ in der Europäischen Union zu ergreifen.

Schwer ungehalten reagierte auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der seit langem gegen den Abstieg der europäischen Amtssprache Deutsch kämpft. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem MÜNCHNER MERKUR zufolge in der Fraktion auf, die Brüsseler Kürzungspläne nicht hinzunehmen. Die Kanzlerin, berichten Teilnehmer, habe mit einem kurzen Nicken geantwortet.

Rubriklistenbild: © dpa

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