Die Zentrale der Europäischen Zentralbank
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Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (l, EZB) ragt aus dem Häusermeer im Frankfurter Osten heraus

Das EU-Organ im Überblick

Europäische Zentralbank: Die Währungshüter der EU

Seit 1988 sorgt die Europäische Zentralbank für einen stabilen Euro. Dabei arbeitet sie eng mit den Zentralbanken der Mitgliedsländer zusammen. 

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist ein Organ der Europäischen Union (EU), das sich vor allem um die Erhaltung der Stabilität des Euro und des europäischen Bankensystems kümmert. Ins Leben gerufen wurde die Währungsbehörde 1998 als Bestandteil der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Sie ist die Nachfolgerin des Europäischen Währungsinstituts, das 1994 gegründet wurde. Zusammen mit den nationalen Zentralbanken der Mitgliedsstaaten, mit denen die EZB zusammenarbeitet, bildet sie das Europäische System der Zentralbanken (ESZB).

Die EZB hat eine eigene Rechtspersönlichkeit und verfügt über einen eigenen Haushalt. Obwohl sie ein Organ der EU ist, haftet sie selbst für ihr Handeln und ist unabhängig von Vorgaben der Regierungen oder anderer EU-Organe. Der Sitz der supranationalen Institution ist in Frankfurt am Main. Dort sind mehr als 3500 Mitarbeiter aus ganz Europa beschäftigt. Der Präsident der EZB wird vom Europäischen Rat auf eine Amtszeit von ausschließlich acht Jahren gewählt. Seit 2019 wird dieser Posten von der französische Politikerin Christine Lagarde bekleidet. Das Amt hatte sie vom derzeitigen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi übernommen.

Die Aufgaben der Europäischen Zentralbank

Die Europäische Zentralbank wurde im Vertrag von Maastricht 1992 mit einer Reihe von verschiedenen Aufgaben betraut. Sie ist für die Geldpolitik der EU-Währung zuständig und verwaltet die Währungsreserven der Mitgliedsländer. Im Zuge dessen kauft oder verkauft sie Währungen, um einen stabilen Wechselkurs zu sichern. Sie gibt Richtlinien an die Zentralbanken der Mitgliedstaaten weiter und koordiniert die Zusammenarbeit zwischen den Banken des Euroraums. Damit sorgt sie dafür, dass das europäische Bankensystem stabil bleibt.

Außerdem hält sie die Inflation unter Kontrolle, legt Leitzinsen fest und sichert funktionierende Zahlungssysteme. Die EZB gibt Euro-Banknoten in den Mitgliedsstaaten aus und ist für deren Entwicklung zuständig. Dabei investiert sie in moderne Technologien, um Banknoten sicherer und länger haltbar zu machen. Die Währungsbehörde beobachtet zudem die Preisentwicklung sowie das Finanzsystem, um etwaige Risiken frühzeitig zu entdecken und zu beurteilen.

Die Zusammensetzung der Europäischen Zentralbank

Die Europäische Zentralbank besteht aus drei Entscheidungsgremien: dem EZB-Rat, dem Direktorium und dem Erweiterten Rat. Am wichtigsten hierbei ist der EZB-Rat, der sich aus den Direktorium-Mitgliedern sowie den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der EU-Länder zusammensetzt. Der Rat kommt in der Regel zwei Mal monatlich in Frankfurt am Main zusammen. Mit seinen Beschlüssen legt er den Grundstein für die Arbeit der EZB und setzt damit unter anderem die Leitzinssätze und die Geldpolitik fest.

Das Direktorium wiederum besteht aus dem EZB-Präsidenten, dem Vizepräsidenten sowie vier weiteren Mitgliedern, die vom Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit gewählt werden. Zu den Zuständigkeitsbereichen des Direktoriums gehören die Koordination der Tagesgeschäfte der EZB sowie die Ausführung der Beschlüsse des EZB-Rats. Überdies bereitet das Direktorium die Sitzungen des Rats vor.

Die dritte Instanz, der Erweiterte Rat, versammelt den Präsidenten und Vizepräsidenten der EZB sowie die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedsländer. Als Übergangsgremium berät er über die Aufnahme weiterer Länder in die Europäische Währungsunion. Diese Aufgabe wurde ursprünglich vom Europäischen Währungsinstitut übernommen. Darüber hinaus führt er administrative Aufgaben aus wie die Erhebung von statistischen Daten und der Erstellung des EZB-Jahresberichts. Sollten alle EU-Mitgliedsländer den Euro eingeführt haben, wäre die Existenz des Erweiterten Rats nichtig.

So funktioniert die Abstimmung im EZB-Rat

Mit dem Beitritt Litauens in den Euro-Raum 2015 änderte sich das Abstimmungssystem im EZB-Rat. Da erstmals mehr als 18 Präsidenten der nationalen Zentralbanken im EZB-Rat vertreten waren, wurde das Rotationsverfahren eingeführt, um eine Entscheidungsfindung zu erleichtern. Demnach gibt es entsprechend der Wirtschaftskraft der Länder sowie der Größe ihres Finanzsektors zwei Gruppen. Die fünf größten Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande erhalten vier Stimmrechte im EZB-Rat. Im Wechsel müssen die Präsidenten der nationalen Zentralbanken dabei einen Monat lang auf ihre Stimmen verzichten. Die restlichen 14 Zentralbankpräsidenten teilen sich nach dem gleichen Prinzip elf Stimmrechte. Der deutsche Repräsentant im EZB-Rat ist Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank.

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