Menschenhandel und Prostitution

Europarat sagt Sex-Sklaverei den Kampf an

Straßburg - Menschenhandel und Prostitution: Opfer sind jedes Jahr bis zu 140 000 Menschen in Europa - mehr als 80 Prozent von ihnen Frauen, die zur Sex-Arbeit gezwungen werden. Der Europarat  fordert Abhilfe.

Der Europarat ermahnt die Regierungen in Europa zu mehr Engagement gegen Sex-Sklaverei und Prostitution. Als Vorbild nannten die Abgeordneten Schweden, wo der Kauf von Sexleistungen verboten ist. Der Kunde wird bestraft, die Prostituierte aber bleibt straffrei. Der Menschenhandel mit Frauen sei in Schweden seither stark zurückgegangen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Versammlung in Straßburg.

Generelles Verbot der Prostitution wird abgelehnt 

Ein generelles Verbot der Prostitution lehnte die Versammlung indes ab. Dies verschlimmere häufig die Situation der Opfer von Sex-Sklaverei, hieß es in der Debatte. „Es ist ein Mythos, dass Frauen sich freiwillig zur Prostitution entschließen“, sagte der zuständige Berichterstatter, der portugiesische Christdemokrat José Mendes Bota.

Zuhälterei soll strikt verboten werden

 Die Parlamentarier verlangten, die Zuhälterei strikt zu verbieten. Nötig seien breit angelegte Aufklärungskampagnen und Anlaufstellen für die Opfer von Prostitution. Außerdem sollte das Mindestalter für Prostituierte auf 21 Jahre festgelegt werden. Staaten wie Russland, Tschechien und Griechenland müssten die europäische Konvention gegen Menschenhandel ratifizieren, forderte die Versammlung.

In Deutschland hat das liberalisierte Prostitutionsgesetz die Lage verschlechtert, wie der Bericht bilanziert. Sex-Arbeiterinnen würden wie Waren betrachtet, und in Bordellen maximal ausgebeutet. Der CDU-Abgeordnete Axel Fischer sagte, das schwedische Modell könne interessant sein, doch „es nützt nichts, das Problem lediglich aus einem Land zu verdrängen“.

Nach den Plänen von Union und SPD in Deutschland sollen künftig Freier bestraft werden, wenn sie die Dienste von Zwangsprostituierten in Anspruch nehmen. Weitergehende Forderungen wie ein Verbot des Gewerbes scheinen jedoch keine Chance zu haben. In Frankreich stellt ein neues Gesetz gekauften Sex künftig grundsätzlich unter Strafe.

Die liberale Schweizer Abgeordnete Doris Fiala sage, man sollte über das schwedische Konzept nachdenken. „Wo die Nachfrage geschwächt wird, wird die Ausbeutung von Frauen und Mädchen geringer“.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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