+
Caio Giulio Cesare Mussolini ist Urenkel des faschistischen Diktators und nimmt nun an der Europawahl 2019 teil.

Offen für faschistische Positionen

Mussolini-Urenkel kandidiert bei Europawahl für rechte Partei

Caio Giulio Cesare Mussolini tritt bei der Europawahl 2019 an. Er ist ein Urenkel von Benito Mussolini und vertritt auch faschistische Positionen.

Rom - Wenige Wochen vor der Europawahl 2019 tritt bekannter Name auf die politische Bühne. Die italienische Partei „Fratelli d‘Italia“, die weit rechtsaußen steht, stellt den Urenkel von Diktator Benito Mussolini als Kandidaten auf. Ein Schachzug, der ihr sofortige Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Italien hinaus garantiert - zumal er nicht der erste Nachfahre des Diktators ist, der in Italien für eine rechtsnationale Partei antritt.

Caio Giulio Cesare Mussolini ist derzeit als Unternehmer in Ausland tätig, will aber im Europaparlament klar nationalistisch agieren. Bisher war er politisch noch nicht in Erscheinung getreten, deutet aber sofort an, dass er den Ansichten des italienischen Faschistenführers wohl etwas abgewinnen kann.

Urenkel von Mussolini tritt bei der Europawahl 2019 in Italien an

Im Verhältnis zwischen Caio Giulio Cesare Mussolini und der rechtsextremen „Fratelli d‘Italia“ scheint von vorn herein klar zu sein, wer hier wen braucht. Der 51-Jährige tritt mit selbstbewussten Statements auf: „So Viele wollen ‚Mussolini‘ auf ihre Wahlzettel schreiben. Deshalb habe ich entschieden, dass das Motto meiner Kampagne #ScriviMussolini (schreib Mussolini) ist.“ 

Lesen Sie auch: „Absurd“: Weber fordert Europawahl ohne Großbritannien – und droht Trump

Auf seinen Namen will er sich nicht reduzieren lassen, auch wenn er den Namen als eine „starke Marke“ sieht. Er sei wegen seiner Leistungen ausgewählt worden. „Offizier bei der Marine, Manager von großen Unternehmen, zwei Uniabschlüsse, viel internationale Erfahrung“, fasst er im Wahlkampf seine Qualifikationen zusammen. Seinen Slogan erklärt er mit dem italienischen Wahlrecht, das es erfordert, den Namen eines Kandidaten auf den Stimmzettel zu schreiben.

Caio Giulio Cesare Mussolini will ins Europaparlament.

Caio Giulio Cesare Mussolini: Faschistische Positionen und Lob für Merkel

Für welche Themen der neue Mussolini bei seiner Kandidatur für die Europawahl 2019 steht, bleibt zunächst offen. Dass er sich im politischen Spektrum weit am rechten Rand bewegt, macht er aber sehr deutlich. So bezeichnet er sich selbst als einen „Post-Faschisten“. Faschistische Positionen vertrete er in einer „nicht-ideologischen Weise“, erklärt Mussolini dazu.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur bezeichnet sich Mussolini ganz allgemein als Patriot. Ihm sei aber nicht daran gelegen, den Euro als Währung abzuschaffen. Diese Forderung der letzten Europawahl hat „Fratelli d‘Italia“ für die anstehende Wahl tatsächlich aus dem Programm gestrichen. Er bewundere Politiker, die wissen, wie sie für ihr Land einstehen. Das gelte zum Beispiel für Ungarns Premierminister Viktor Orbán - aber auch für Angela Merkel.

Wo sich seine faschistischen Positionen verstecken, legt er nur ansatzweise offen. So zeigt Caio Giulio Cesare Mussolini Verständnis für Aggressionen gegen Roma. Die dahinter stehenden Ängste, die in Italien inzwischen sogar in tätliche Angriffe münden, müsse man verstehen.

Benito Mussolini und Adolf Hitler fahren durch Florenz.

Was machte Mussolini vor der Europawahl 2019?

Mussolini ist gebürtiger Argentinier, trägt seine italienische Herkunft aber doppelt im Namen. Caio Giulio Cesare ist die italienische Form von Gaius Julius Cäsar, dem berühmten römischen Feldherrn und Staatsmann. Mussolini diente als Offizier bei der Marine und ging schließlich in die Wirtschaft. Er leitete zuletzt ein Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wo steht die Partei „Fratelli d'Italia“ im Europaparlament?

Die Partei „Fratelli d‘Italia“ ist im Europaparlament Teil der Fraktion „Europäische Konservative und Reformer“. In diesem Bündnis sind konservative bis nationalistische Parteien vertreten. Bisher ist beispielsweise noch die britische „Conservative Party“ von Theresa May ein Teil der Fraktion, genau wie die Rechtspopulisten von „Die Finnen“ (früher „Wahre Finnen“) und „Dänische Volkspartei“. Aus Deutschland sind zum Beispiel Abgeordnete vertreten, die aus der AfD ausgetreten sind.

Auch wenn der Name Mussolini Vorteile bringen mag, braucht der Kandidat trotzdem eine starke Partei im Rücken. Neben seinen Stimmen als Kandidat ist die zweite Bedingung für den Wahlerfolg ein Ergebnis von mindestens vier Prozent für „Fratelli d‘Italia“. Das hat die Partei vor fünf Jahren nicht geschafft. Sie ist nur durch den Übertritt zweier Abgeordneter von „Forza Italia“ im Europaparlament vertreten.

Zwei Mussolinis könnten bei der Europawahl 2019 Erfolg haben

Schon lange bevor sich der Urenkel des Diktators in die Politik begeben hat, trat Alessandra Mussolini auf die politische Bühne Italiens. Die Enkelin von Benito Mussolini zog bereits zweimal in das Europaparlament ein. Ihre erste Legislaturperiode hatte sie von 2004 bis 2008. Bei der Europawahl 2014 konnte sie zum zweiten Mal ein Mandat erringen.

Nun will sie offenbar erneut für „Forza Italia“ antreten, nachdem sie sich zwischenzeitlich mit der Partei überworfen hatte. Kurzzeitige Aufmerksamkeit erhielt sie im Vorfeld der Wahl, da sie sich wegen einer Mussolini-Karikatur mit Jim Carrey anlegte. Auch Alessandra Mussolini bewegte sich in ihrer politischen Karriere bisher im rechtsextremen bis neo-faschistischen Milieu.

Alessandra Mussolini im Europaparlament.

Benito Mussolini: Italiens faschistischer Diktator

Benito Mussolini übernahm ab 1922 die Macht in Italien und führte als „Duce“ (Führer) eine faschistische Regierung, die auch eine Vorbildfunktion für die deutschen Nationalsozialisten hatte.

Während des Zweiten Weltkrieges und auch schon in den Jahren zuvor agierte er als enger Verbündeter von Adolf Hitler und führte in Italien die Rassengesetze nach deutschem Vorbild ein.

Nach seinem Sturz im Jahr 1943 regierte er noch bis 1945 die „Republik von Salò“, die ein norditalienischer Marionettenstaat unter deutscher Kontrolle war. In den letzten Kriegstagen wurde Benito Mussolini von Partisanen aufgegriffen, die ihn trotz Verkleidung erkannten. Am 28. April 1945 wurde der Diktator erschossen.

rm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Europawahl beginnt in Großbritannien und den Niederlanden
Rechtsruck, Lähmung und Koalitionsgeruckel in Berlin: Die Wahl zum Europäischen Parlament wird vieles neu justieren. Den Anfang machen am Donnerstag ausgerechnet die …
Europawahl beginnt in Großbritannien und den Niederlanden
Union wirft SPD bei Grundrente Wahlkampfspielchen vor
Im Endspurt des Europawahlkampfs legen die SPD-Minister Heil und Scholz ein Konzept zur Finanzierung der Grundrente vor. Das stößt dem Koalitionspartner auf. Doch sie …
Union wirft SPD bei Grundrente Wahlkampfspielchen vor
Britische Ministerin für Parlamentsfragen tritt zurück
Der Druck auf Premierministerin Theresa May, ihr Amt abzugeben, wächst und wächst. Bislang hat die Regierungschefin alle Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen …
Britische Ministerin für Parlamentsfragen tritt zurück
Geheimnisvolles „Special“ am Mittwochabend: Dieses Video zeigte Jan Böhmermann
Als möglicher Strippenzieher hinter dem Ibiza-Video, das Heinz-Christian Strache zu Fall brachte, wurde auch Jan Böhmermann gehandelt. Der Satiriker hat nun einen …
Geheimnisvolles „Special“ am Mittwochabend: Dieses Video zeigte Jan Böhmermann

Kommentare