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Wolfgang Heubisch ist jetzt FDP-Stadtratin München.

Im Merkur-Interview

Ex-Minister Heubisch spottet: “G9-Frieden hält nicht lange“

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Wolfgang Heubisch war fünf Jahre lang Wissenschaftsminister, 2013 flog seine FPD aus dem Landtag. Was er über die Bildungsreformen der nun allein regierenden CSU denkt, verrät er im Merkur-Interview. 

Wolfgang Heubisch muss von außen zusehen, wie die nun allein regierende CSU die Bildungslandschaft reformiert und Koalitions-Projekte zurückdreht. Der Münchner, 70 Jahre alt, schließt nicht aus, 2018 wieder zu kandidieren. Unsere Redaktion hat mit ihm gesprochen.

Mal wieder eine Gymnasialreform. Stehen dem Ex-Wissenschaftsminister die Haare zu Berge bei der G9-Entscheidung?

Die Haare standen mir eher bei der völlig überstürzten Einführung des G8 2004 zu Berge. Ich warne aber zumindest vor Euphorie. Mit einem schönen G9-Etikett allein ist es nicht getan, an der Reform muss härter gearbeitet werden. Die Inhalte dürfen nicht zu kurz kommen: Wer Informatik als Schulfach einführt, braucht auch die Lehrer dazu. Der Arbeitsmarkt für Informatiker ist aber fast leer. Ich rechne außerdem mit sehr hohem Neubaubedarf. Allein München wird für das G9 bis zu vier neue Gymnasien brauchen – etwa 50 Millionen Euro pro Neubau, rechnen Sie das mal auf ganz Bayern hoch. Hinzu kommen viele neue Planstellen. Ich habe keine Bauchschmerzen dabei, in Bildung zu investieren – aber das wird schon eine gewaltige Herausforderung.

Kultusminister Spaenle, CSU, verspricht jetzt 25 Jahre Frieden in der Schulpolitik. Glauben Sie’s?

Nein. Das ist Populismus pur. Jeder weiß, dass diese Reform nicht mal zwölfeinhalb Jahre unverändert bleiben wird. Wir werden immer wieder nachsteuern müssen.

Wie sehr fuchst es Sie, tatenlos der CSU zusehen zu müssen? Ihr Ex-Koalitionspartner dreht zum Teil auch gemeinsame Projekte wie das Kommunalwahlrecht wieder zurück...

Zurückdrehen, das machen die ja gern. Die geplante Korrektur am Kommunalwahlrecht zulasten kleiner Parteien ist besonders ärgerlich. Wir erleben hier die CSU von früher, Arroganz der Macht. Die Vielfalt, die wir in unseren Gemeinde- und Stadträten haben, ist doch ein Gewinn und kein Problem. Die CSU möchte daran schrauben, um bequemer regieren zu können. Sie muss leider noch etwas lernen: Koalitionen sind kein Betriebsunfall, sondern ein normaler demokratischer Zustand.

Sie waren im Kabinett Seehofer der älteste Minister. So als Rat in der Generation Ü67: Soll, darf, muss er noch mal antreten?

Selbstverständlich darf jeder Politiker weitermachen, ich lehne Altersgrenzen ab. Aus Sicht der Liberalen wäre mir zwar als Spitzenkandidat Markus Söder deutlich lieber, weil er mehr polarisieren und uns viel mehr Angriffsflächen bieten würde. Aber ich verstehe Horst Seehofer natürlich: Er hat 2008 mit einer schwarz-gelben Koalition angefangen und will bestimmt zum Abschluss noch mal eine schwarz-gelbe Koalition bekommen.

Mit Ihnen als Minister? Wann entscheiden Sie selbst über eine Landtagskandidatur 2018?

Das werden wir sehen. Wir reden intern in der FDP. Jetzt unterstützen wir aber erst mal unsere Kandidaten für den Bundestag mit Daniel Föst an der Spitze. Danach stellen wir die Landtagslisten auf und ich werde mich entscheiden.

Hier lesen Sie einen Kommentar zur Schulreform

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