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Der Franzose Nicolas Henin war zehn Monate lang Gefangener von IS-Terroristen in Syrien.

Ex-Geisel Nicolas Henin

"IS-Terroristen schauen Teletubbies"

London - Nicolas Henin war IS-Gefangener in Syrien. Andere Geiseln wurden hingerichtet, der Franzose überlebte. Der BBC hat er nun berichtet, dass die Entführer Serien wie „Game of Thrones“ schauen.

Er hat zehn schreckliche Monate überlebt. 300 Tage, von denen jeder der letzte hätte sein können. Der französische Journalist Nicolas Henin war von Sommer 2013 bis April 2014 in Syrien Gefangener des britischen IS-Terroristen Mohammed Emwazi. Während seiner Gefangenschaft hat Henin miterlebt, wie manch andere Geisel von „Jihadi John“ ermordet wurde. Mit der BBC hat der Franzose (Jahrgang 1975) über diese albtraumhafte Zeit gesprochen und dabei Erstaunliches berichtet.

Sie sprechen die gleiche Sprache, schauen die gleichen Filme

„Sie sind Produkte unserer Kultur, unserer Welt“, sagt Henin. Die Terroristen des Islamischen Staats schauten zum Beispiel TV-Sendungen wie „Game of Thrones“ oder die „Teletubbies“. „Sie sprechen unsere Sprache, sie haben die gleichen kulturellen Bezüge wie wir. Sie schauen die gleichen Filme wie wir, spielen die Videospiele, die auch unsere Kinder spielen.“ Die Dschihadisten hätten wenig mit lokalen arabischen oder muslimischen Kulturen zu tun. „Als Geisel bist Du nur eine Marionette“, berichtet Henin weiter. Daher habe er stets versucht, mit den Geiselnehmern in Kontakt zu stehen - vor allem, um mit Nahrung und Medizin versorgt zu werden.

Henin nimmt an, dass ein Großteil der IS-Anhänger ursprünglich nach Syrien gekommen sei, um in dem seit vier Jahren laufenden Bürgerkrieg zu helfen. „Sie sind zerbrechliche Menschen. Sobald sie angekommen sind, werden sie von ihren Rekrutierern dazu angestiftet, Verbrechen zu begehen, und dann gibt es keinen Weg mehr zurück.“ Die menschliche Seite meinte Henin in diversen Gesprächen mit Geiselnehmern zu sehen: „Sie bedauerten vielleicht sogar, was sie taten.“

„Um Gnade zu bitten, ist das Schlimmste, was man machen kann“

Diese Menschlichkeit bewahrt jedoch nicht vor der Brutalität, die Henin miterleben musste. Er überlebte, weil Frankreich den Geiselnehmern offenbar ein Lösegeld in Millionenhöhe gezahlt hat - eine Vorgehensweise, die Amerikaner und Briten zum Beispiel ablehnen. Henin wurde so Zeuge des Schicksals des US-amerikanischen Journalisten James Foley, der von „Jihadi John“ schließlich hingerichtet wurde. Der Franzose hatte mit Foley sieben Monate in Gefangenschaft verbracht. An die Menschlichkeit der Entführer zu appellieren, ist Henin zufolge ein großer Fehler: „Um Gnade zu bitten, ist das Schlimmste, was man machen kann. Das ist dumm, versuch das nie.“

Ein weiteres Todesopfer während Henins Gefangenschaft war der Russe Sergej Gorbunow. Für ihn hielten die Geiseln eine Zeremonie ab. Alle Gefangenen hätten ihre Achtung vor ihm bezeugt. Nach der Rede eines Gefangenen sei noch eine Schweigeminute eingelegt worden.

In Gefangenschaft hat Henin ein Buch für seine Tochter geschrieben

Während der Geiselhaft hat Henin für seine fünfjährige Tochter zusammen mit dem ebenfalls vom IS entführten französischen Journalisten Pierre Torres ein Kinderbuch geschrieben, das diese Woche veröffentlicht wird. Es heißt „Wird Papa Igel jemals heimkehren?“. Henin sagt, er habe sich in Gefangenschaft oft gewünscht, ein Igel zu sein: „Ich mochte die Idee, einen guten Schutz zu haben - auch wenn der Schutz eines Igels vollkommen nutzlos ist.“

mas

Den vollständigen Artikel der BBC finden Sie hier.

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