+
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (L) und Martin Schulz Mitte Februar in Berlin.

"Nicht mit Familie Lafontaine"

Ex-Kanzler Schröder glaubt nicht an Rot-Rot-Grün

Berlin - Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hält auf Bundesebene eine Koalition der Sozialdemokraten mit der Linkspartei derzeit nicht für realistisch - "solange die Familie Lafontaine in der Linkspartei tonangebend ist". 

In der Debatte um mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl hält Altkanzler Gerhard Schröder ein Bündnis der SPD mit der Linkspartei für unrealistisch. "Ich glaube nicht, dass man das hinbekommt, solange die Familie Lafontaine in der Linkspartei tonangebend ist", sagte Schröder dem "Spiegel" vom Samstag. Während die Grünen sich alle Optionen offen halten wollen, schloss FDP-Chef Christian Lindner eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen nicht aus.

Altkanzler Schröder sagte dem "Spiegel", Rot-Rot-Grün sei erst machbar, wenn bei der Linken Politiker wie Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow das Sagen hätten. Ein Linksbündnis könne aber nur zu den Bedingungen der SPD umgesetzt werden. "Wir erklären, wer Koch und wer Kellner ist."

Zugleich warnte Schröder den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz vor einer inhaltlichen Annäherung an die Linkspartei. Mit Parolen, die nach Lafontaine klängen, werde es der SPD nicht anders ergehen als der Union auf der Rechten. "Dann wählen die Leute das Original und nicht das Plagiat", betonte er.

Offiziell will sich die SPD im Wahlkampf nicht auf einen Partner festlegen, sondern ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf ziehen. Diese Linie hatten führende Sozialdemokraten nach der Wahl im Saarland bekräftigt. Die Linken fordern dagegen von der SPD, mit einem klaren Bekenntnis zu einem Linksbündnis Wahlkampf zu machen.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (SPD) rief die SPD auf, sich klar zu positionieren. "Für CDU und CSU ist klar: Wir machen weder mit Linksradikalen noch mit Rechtsradikalen gemeinsame Sache", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Auch die SPD müsse die Frage beantworten, "ob sie wirklich eine Koalition mit der Linkspartei im Bund eingehen will".

Schäuble verwies auf die Landtagswahl im Saarland. Die Wähler dort hätten sich klar dagegen ausgesprochen, dass die Linkspartei mitregiere. "Ich glaube, dass auch die Deutschen insgesamt mehrheitlich dagegen sind."

Die Union selbst behält auf Bundesebene weiterhin eine Koalition mit den Liberalen im Blick. "Natürlich arbeiten wir gerne mit den Liberalen zusammen", sagte Schäuble. "Das wird auch nach den nächsten Wahlen gelten."

FDP-Chef Christian Lindner sah ebenfalls "die größten inhaltlichen Überschneidungen mit der CDU". Er schloss aber auch eine Ampel mit SPD und Grünen nicht aus. "Ich schließe nichts aus, wenn sich die SPD statt rückwärtsgewandt zu reden auf Vorwärts besinnt - aber im Moment bewegt sie sich ja von uns weg", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Lindner betonte aber auch, dass die FDP ohne Koalitionsaussage in die Wahl gehen werde.

Auch die Grünen halten sich noch alle Optionen offen. Seine Partei wolle das Land "ökologisch, weltoffen und gerecht" voranbringen, sagte Bundesgeschäftsführer Michael Kellner den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Sonntag. "Darum geht es und nicht um die Frage, wer mit wem. Das entscheiden letztlich die Wählerinnen und Wähler".

Laut dem "Spiegel" ziehen sowohl Schulz als auch Ex-Parteichef Sigmar Gabriel inoffiziell die Ampelkoalition vor.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ist die Dresdner Frauenkirche im Fadenkreuz von Terroristen? Das sagt die Polizei
Trotz der Erwähnung der Dresdner Frauenkirche in einem Propagandamagazin der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sieht die Polizei keine veränderte Bedrohungslage für die …
Ist die Dresdner Frauenkirche im Fadenkreuz von Terroristen? Das sagt die Polizei
Kabinett berät über Subventionen und Computerautos
Berlin (dpa) - Das Bundeskabinett befasst sich heute unter anderem mit ethischen Prinzipien für teilweise selbstfahrende Autos. Verkehrsminister Dobrindt (CSU) hatte …
Kabinett berät über Subventionen und Computerautos
Mesale Tolu weiter in Untersuchungshaft in der Türkei
Tolu arbeitete für die regierungskritische Nachrichtenagentur ETHA. Sie war am 30. April von Polizisten einer Anti-Terror-Einheit festgenommen worden. Wegen …
Mesale Tolu weiter in Untersuchungshaft in der Türkei
Erbschaften und Schenkungen erreichen wieder Höchststand
In Deutschland haben Erbschaften und Schenkungen wieder einen Höchststand erreicht. Von den Finanzämtern wurden 2016 Vermögensübertragungen in Höhe von 108,8 Milliarden …
Erbschaften und Schenkungen erreichen wieder Höchststand

Kommentare