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Genossen unter sich: (v.l.) Gabriel, Pronold, Ude.

SPD-Wahlkampf

Nach Gabriels Attacke auf Schulz: Das sagt Münchens Alt-OB Christian Ude

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    Marcus Mäckler
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Sigmar Gabriel, der Schulz sein Amt und die Kandidatur überlassen hatte, sorgt mit Wahlprognosen für Wirbel. Das sagt der langjährige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude dazu.

München – Maximal 24 Prozent. In Umfragen stehen die Chancen für einen Sieg der SPD bei der Bundestagswahl schlecht. In einem „Spiegel“-Interview ließ Außenminister Sigmar Gabriel den Eindruck entstehen, selbst er glaube nicht mehr an einen Wahlerfolg. Gestern sprach er dann von einer Fehlinterpretation. Wir haben mit Münchens Ex-OB Christian Ude über den Tumult gesprochen.

Herr Ude, erst implizierte Gabriel, in einer Großen Koalition könne die SPD nicht den Kanzler stellen, dann sagte er, das Rennen sei „völlig offen“. Ein verordneter Rückzieher?

Ich will nicht spekulieren. Ich erinnere mich aber, wie die Partei aufbegehrt hat, als Willy Brandt dem Kanzler-Kandidaten Johannes Rau schlechte Siegchancen attestierte. Wenn ein Prominenter in der Partei so was sagt, hat das natürlich große moralische Wirkung.

Gabriels Äußerung klang nach Kapitulation.

Es wäre bedauerlich, wenn nach den Medien auch immer mehr Politiker nicht über die Inhalte des Wahlkampfs, sondern über die Wahlchancen reden, die wir ja nur aus Meinungsumfragen kennen können. Man sollte – wie ich das in meinem Buch gefordert habe – Unterschiede herausstellen und dem Wähler Wahlmöglichkeiten aufzeigen, statt sich abwechselnd der Überheblichkeit oder der Depression hinzugeben. Damit wird der Wahlkampf inhaltlich entleert. Nach der Wahl gibt es Parteien in einer glücklichen Situation, die vermutlich Alternativen haben werden, und andere, unglückliche, der keine Alternativen zur Verfügung stehen.

Schadet der populäre Außenminister dem Kandidaten Schulz?

Sigmar Gabriel tritt sehr entspannt auf und agiert sehr erfolgreich. Er war immer einer der stärksten Repräsentanten der Sozialdemokratie. Martin Schulz, der das ebenfalls in seiner Rolle als EU-Parlamentspräsident war, leidet jetzt stark an der Identifizierung mit der SPD. Daraus könnte man lernen, dass ein Kanzlerkandidat es immer sehr schwer hat und dass er unterstützt werden sollte.

Auch Altkanzler Schröder ist keine große Hilfe, Stichwort Rosneft.

Natürlich hat jeder das Recht, sich als Privatperson zu verstehen, nur noch persönliche Interessen zu verfolgen und nicht mehr das Gemeinwohl. Wenn man aber eine wichtige Funktion in einem Staat annimmt, der von der Europäischen Union mit Sanktionen belegt wird, dann kann man nicht gleichzeitig die bestens ausgestattete Rolle eines Altkanzlers in Anspruch nehmen.

Macht die Union einen besseren Wahlkampf?

Das würde ich entschieden bestreiten. Die Kanzlerin hat jede profilierte Aussage vermieden und noch kein einziges Zukunftsprojekt genannt. Auch in den entscheidenden Fragen Gesundheitsreform, Steuergesetzgebung, Renten bleibt sie die überzeugende Lösungen schuldig. Die Union profitiert aber davon, der Seniorpartner einer Großen Koalition zu sein, sodass sie den Amtsbonus voll nutzen kann. Außerdem hat sie noch die Alternative einer Dreierkoalition.

Die Chefs der Unionsparteien waren lange entzweit. Nun vermitteln CDU und CSU einen geschlossenen Eindruck, während die Stimmen der SPD auseinanderfallen. Ist das ein Disziplinproblem?

Die Unionsparteien haben tatsächlich jahrelang gestritten wie die Kesselflicker und machen jetzt auf Friede, Freude, Eierkuchen. Die SPD hat jahrelang hart gearbeitet und ist im Endspurt aus dem Tritt geraten. Das ist wahrscheinlich allzu uneigennützig.

Wie sind die Chancen, dass der Kanzlerkandidat Schulz das Ruder beim TV-Duell am Sonntag noch herumreißt?

Beim Fernseh-Duell kann sich die Kanzlerin nicht jeder Kontroverse entziehen, und Martin Schulz hat die Chance, sachliche Auseinandersetzungen zu erzwingen. Dabei kann er Punkte gutmachen. Man sollte nicht dauernd von der Wahrscheinlichkeit der Wahlergebnisse reden, sondern lieber von der Gewissheit ausgehen, dass es noch nicht feststeht. Dass man also noch Punkte machen kann.

Interview: B. Wimmer, M. Mäckler

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