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Bergdahl war im Mai 2014 durch einen umstrittenen Gefangenenaustausch freigekommen. Foto: US Army/Archiv

Gefängnis droht

Ex-Taliban-Geisel: US-Soldat wegen Fahnenflucht angeklagt

Washington - Fünf Jahre war er eine Geisel der Taliban - isoliert, gefoltert, an sein Bett gekettet. Nun muss sich US-Soldat Bergdahl zu Hause gegen die Anklage wegen Fahnenflucht und Feigheit vor dem Feind wehren.

Knapp zehn Monate nach seiner Freilassung aus fünfjähriger Taliban-Gefangenschaft ist der US-Soldat Bowe Bergdahl (28) wegen Fahnenflucht und Feigheit vor dem Feind angeklagt worden.

Die mögliche Höchststrafe für letzteren Vorwurf sei lebenslange Haft, sagte Armeesprecher Oberst Daniel King in Fort Bragg (North Carolina). Desertieren könne mit bis zu fünf Jahren geahndet werden. Gemäß dem Militärrecht werde nun in einer Anhörung geprüft, ob es genügend Beweise gebe, um einen Prozess zu eröffnen.

Bergdahl war im Mai vergangenen Jahres durch einen umstrittenen Gefangenenaustausch freigekommen, bei dem die USA fünf afghanische Häftlinge aus dem US-Lager Guantánamo Bay auf Kuba entließen. "Dies ist das störendere Problem", sagte der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, John Boehner, in einem CNN-Interview. Einerseits habe die US-Regierung den Kongress nicht über die bevorstehende Aktion informiert, andererseits sei einer der freigelassenen Taliban wieder in das Kampfgebiet zurückgekehrt.

Bergdahl sei für ihn "unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen wird", betonte Boehner. Der Unteroffizier hatte sich im Juni 2009 nach Ansicht der Ankläger unerlaubt von seinem Stützpunkt in Afghanistan entfernt und war dabei von den Taliban gefangen genommen worden. Seine Gründe dafür sind öffentlich nicht bekannt.

Während seiner Zeit in Gefangenschaft hatte Bergdahl aber nach Angaben des Online-Magazins "The Daily Beast" einen Brief an seine Eltern verfasst, in dem er sein Verhalten erklärt habe. Demnach sei er mit seiner Stationierung unzufrieden gewesen. "Die Führung war mangelhaft, oder überhaupt nicht vorhanden. Die Bedingungen waren schlecht und schienen sich für die Männer weiter zu verschlechtern, die ihr Leben tatsächlich bei Angriffen aufs Spiel setzten", zitierte das Magazin aus dem Brief vom März 2013.

"Es hat mich damals geärgert, heute ärgert mich das Ganze noch viel mehr", wurde Bergdahls ehemaliger Kamerad Matt Vierkant, Unteroffizier im selben Zug, von CNN zitiert. "Bowe Bergdahl ist zu Kriegszeiten desertiert, amerikanische Landsleute verloren bei der Suche nach ihm ihr Leben."

dpa

Bericht in der Washington Post

Brief bei Daily Beast

Boehner bei CNN

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