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„Sie war keine dumme Hausfrau“, sagt Tino Brandt über Beate Zschäpe.

Aussagen sorgen für Kopfschütteln

Ex-V-Mann: So bekam der NSU Geld vom Staat

München - Sein Name steht für die Verstrickung von Staat und Rechtsextremismus: Tino Brandt. Der Ex-V-Mann aus Thüringen hat am Dienstag im NSU-Prozess ausgesagt. Zwar gibt er vor, sich an vieles nicht zu erinnern – doch was er sagt, sorgt im Saal für Kopfschütteln.

Wenn Ende der 90er-Jahre in der rechten Szene Thüringens Geld gebraucht wurde, war Tino Brandt zur Stelle. Die Fahrt zur nächsten Neonazi-Demo? Zahlte er. Aufkleber für den rechtsextremen „Thüringer Heimatschutz“? Zahlte er. Hotelzimmer, Telefonrechnungen, Autos – zahlte er. Woher er das Geld hatte, fragte ihn niemand. Doch an diesem Dienstag vor dem Oberlandesgericht spielt es eine große Rolle. Denn Tino Brandt bekam das Geld vom Staat. Als V-Mann für den Verfassungsschutz soll er im Laufe der Jahre rund 200 000 D-Mark kassiert haben. Nun lautet die Frage: Hat er das Steuergeld genutzt, um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zu unterstützen – jenes Terror-Trio, das später zehn Morde und etliche Überfälle verübte?

Tino Brandt, 39 Jahre alt, schwarzes T-Shirt, großer Bauch, war früher der Kopf des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“ (THS), Verfassungsschützer bezeichneten ihn im NSU-Prozess als ihre wichtigste Quelle in Thüringen. Nun hat er selbst das Wort, und spielt seine Rolle herunter. „Das ist mir nicht mehr erinnerlich“, antwortet er auf viele Fragen des Vorsitzenden Richters. Er habe vom Verfassungsschutz keine konkreten Aufträge bekommen und auch keine Infos über Straftaten innerhalb der Szene übermittelt. Vielmehr sei es den Beamten des Landesamts um „Hintergründe“ gegangen – „darum, was politisch so gelaufen ist“. Wieviele Leute fahren zur nächsten Demo, wer trifft sich mit wem, was hat das zu bedeuten – solche Fragen will Tino Brandt unter den Decknamen „Otto“ und „Oskar“ beantwortet haben. Kurz vor seiner Enttarnung im Jahr 2001 erstattete er wöchentlich Bericht. „Das Geld hat man dafür bekommen, dass das am Ende auch stimmte.“ Der Staat zahlte bar und mit Quittung.

Drei Tage hat das Gericht für die Vernehmung des Ex-V-Manns angesetzt, und die wird es auch brauchen. Tino Brandt wird aus dem Gefängnis ins Gericht gebracht, er sitzt derzeit wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch in Haft. Bei seiner Aussage sind es eher die Nebensätze, die im Saal für Kopfschütteln sorgen. Etwa, als Brandt erwähnt, er habe mit dem V-Mann-Lohn auch einige Strafbefehle seines Kameraden André K. bezahlt. Oder als er erzählt, wie die Verfassungsschützer auch „drei, vier“ Exemplare des Spiels „Pogromly“ kauften – jener judenverachtenden Version von „Monopoly“, mit denen das untergetauchte Terror-Trio Geld sammelte. „Das war gar nicht billig, 100 Mark pro Stück“, stellt Brandt fest. Einmal gab er gezielt Geld des Staats an das Trio weiter, rund 3000 Euro flossen wohl an die drei Untergetauchten.

Verfassungsschützer hatten im Prozess geschildert, wie sie versuchten, dem Trio mithilfe des V-Manns auf die Spur zu kommen, doch das ist Brandt „nicht mehr erinnerlich“. Aber wie er das Trio kennenlernte, weiß er noch: Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe kamen zum „Mittwochs-Stammtisch“, aus dem sich der „Thüringer Heimatschutz“ entwickelte, als Vertreter der „Kameradschaft Jena“. Böhnhardt sei „zurückhaltend“ gewesen, Mundlos dagegen „ein wirklich lustiger Typ“, der sich schnell integriert und „für die Ideale der NSDAP eingesetzt“ habe, ein „nationaler Sozialist“. Was Brandt damit meint, wird klar, wenn er seine eigenen Ansichten andeutet – so stört ihn etwa, dass man den Holocaust nicht leugnen darf. Böhnhardt sei „eher zurückhaltend“ gewesen.

Wenige Meter entfernt sitzt Beate Zschäpe, hört zu, wie der Mann, der sie bespitzelte, über ihre toten Freunde spricht. Für die Hauptangeklagte findet Brandt lobende Worte: „Beate war keine dumme Hausfrau.“ Sie wisse viel „über das Germanentum“. Er sei mit allen Dreien „befreundet“ gewesen. Zschäpe dürfte das anders sehen. Seit Tino Brandt enttarnt wurde, gilt er in der Szene als Verräter. In seinen eigenen Worten klingt das so: „Die Arbeit für das Landesamt hat mich alles gekostet.“

akg

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