Im Interview

Experte erklärt: So erkennt man wahre und falsche Verschwörungstheorien

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Treffen der internationalen Elite umgeben immer auch Mythen und Verschwörungstheorien. Wir haben mit einem Experten gesprochen, der das Phänomen wissenschaftlich erforscht.

München – Auf dem Weltwirtschaftsgipfel treffen sich Politiker und Wirtschaftsexperten, um über globale Fragen zu diskutieren. Um das Treffen ranken sich viele Mythen. Darüber haben wir mit Nikil Mukerji, 36, gesprochen. Der Geschäftsführer des Studiengangs Philosophie Politik Wirtschaft forscht an der LMU zu Verschwörungstheorien.

Die Weltregierung trifft sich in einem Skiort, um die Zukunft des Planeten auszutüfteln. Klingt nach einer prima Verschwörungstheorie, oder?

Nikil Mukerji forscht an der LMU zu  Verschwörungstheorien

Mukerji: Das stimmt. Eine Verschwörungstheorie besteht in der Regel aus drei Teilen: Es gibt eine Gruppe, die einen Plan verfolgt. Der ist schädlich für die Allgemeinheit. Das Ganze ist geheim. Das Treffen in Davos kann man darin gut unterbringen. Man muss nur noch die Details einer Verschwörung einsetzen.

Fällt Ihnen da was ein?

Mukerji: Klar! Die Teilnehmer am Weltwirtschaftsforum sind natürlich reptiloide, formwandelnde Satanisten, die daran arbeiten, die menschliche Rasse zu versklaven.

Ist Ihnen das spontan eingefallen?

Mukerji: Ich wünschte, ich wäre so originell. So etwas in der Art sagt der britische Verschwörungstheoretiker David Icke.

Warum spielen oft wirtschaftliche Akteure eine Rolle?

Mukerji: Verschwörungstheorien handeln von Gruppen, die viel Macht besitzen. Solche Gruppen findet man in der Wirtschaft zuhauf. Denn hier konzentriert sich viel Macht. Alles, was wir konsumieren, kommt hierher. Und als Arbeitnehmer sind wir vom Wirtschaftssystem abhängig. Einflussreiche Menschen treffen Entscheidungen, die Konsequenzen für unser Leben haben – zum Beispiel, ob wir unseren Job behalten oder nicht.

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Warum glauben so viele Menschen daran?

Mukerji: Durch die sozialen Medien können sich solche Theorien heute viel leichter verbreiten. Psychologisch betrachtet haben die Menschen schon immer das Bedürfnis, einen Schuldigen zu suchen, wenn etwas Schlimmes passiert ist – sei es eine Naturkatastrophe oder eine wirtschaftliche Krise. Das erklärt die Allgegenwärtigkeit von Verschwörungstheorien. Wenn sich jemand dann auf eine festgelegt hat, ist er tendenziell blind für alles, was der Theorie widerspricht. Er sucht sich nur Informationen, die seine Theorie stützen und ignoriert die, die ihr widersprechen.

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Dahinter steckt immerhin der Versuch, die Welt zu erklären. Wo liegt der Unterschied zur Wissenschaft?

Mukerji: Es gibt mehrere Unterschiede. Eine große Rolle spielen die verschiedenen Strukturen, in denen Wissenschaftler und Verschwörungstheoretiker agieren. Letztere bewegen sich in Gruppen ähnlich denkender Leute, wo Kritik nicht zugelassen ist. In vielen Fällen gibt es eine herrschende Doktrin, die man nicht angreifen darf. In der Wissenschaft dagegen wird die herrschende Lehre fortlaufend überprüft und infrage gestellt. Argumentationen müssen vor allem diejenigen überzeugen, die anderer Auffassung sind. Das ist einer der entscheidenden Unterschiede.

Wie unterschiedet man echte von falschen Verschwörungen?

Mukerji: Nicht jede Verschwörungstheorie ist falsch. Ich denke da zum Beispiel an die Watergate-Affäre oder den Diesel-Skandal. Es wäre also falsch, eine Theorie nur abzulehnen, weil sie behauptet, dass eine Verschwörung existiert. Man muss immer auf die Details achten und prüfen, ob die Begründung der Theorie gegen Grundsätze der Vernunft verstößt. In meinem Buch beschreibe ich diese Grundsätze im Detail. Man sollte beispielsweise darauf achten, wie Vertreter der Theorie mit Kritik umgehen. Reagieren sie auf Kritiker, indem sie sie persönlich angreifen, sollte man vorsichtig sein.

Interview: Magdalena Höcherl

Rubriklistenbild: © dpa

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