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Nordkorea droht USA.

Wortgefecht mit Donald Trump

Experte analysiert: Was kann Kim – ist Nordkorea wirklich so gefährlich? 

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Der verbale Faustkampf zwischen Kim Jong Un und Donald Trump ging am Freitag in die nächste Runde. Experten raten dennoch, einen kühlen Kopf zu bewahren. Von Nordkorea gehe weniger Gefahr aus als vielfach befürchtet.

München – Der Freitag war noch jung in Washington, als der US-Präsident schon wieder mit Krieg drohte. „Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig, gesichert und geladen, sollte Nordkorea unklug handeln“, schrieb Donald Trump auf Twitter. Und appellierte: „Hoffentlich findet Kim Jong Un einen anderen Weg.“

Im Raum steht mittlerweile nicht weniger als die gegenseitige Auslöschung. Seit Tagen schaukelt sich die Rhetorik zwischen den beiden Staaten hoch. Trump stellte zunächst Kim Jong Un im Falle weiterer Provokationen „Feuer und Wut“ in Aussicht. Nordkorea drohte im Gegenzug mit einem Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik und versicherte: Auf einen möglichen „Präventivkrieg“ der US-Streitkräfte werde man mit einem „grenzenlosen Krieg“ reagieren, der „sämtliche Stützpunkte des Gegners ausrotten wird, auch auf dem US-Festland“.

Was können Kims Raketen?

Doch was können Kim Jong Uns Raketen überhaupt? Sind sie in der Lage, die USA zu treffen? Sind sie in der Lage, Guam zu treffen?

Zunächst einmal müsse man unterscheiden, sagt der international anerkannte Münchner Raketenexperte Robert Schmucker unserer Zeitung. „Die alten Raketen, die Kim aus Russland bekommen hat, haben eine Reichweite zwischen 300 und 1200 Kilometern und sind weitgehend einsetzbar.“ Um die USA anzugreifen, reicht das aber nicht aus. Es reicht nicht mal für das 3400 Kilometer von Nordkorea entfernte Guam.

Allerdings habe Kim Jong Un auch neuere Raketen mit weitaus größerer Reichweite, sagt Schmucker. „Die hat er aber nur ein- oder zweimal erfolgreich geschossen – und noch nicht ernsthaft über ganze Distanzen.“ Selbst ob Kims neue Raketen Guam überhaupt treffen könnten, ist laut Schmucker nicht klar. „Wir wissen ja nicht, wie präzise die Rakete ist.“ Zudem stellt Schmucker die Frage, warum Nordkorea überhaupt lediglich damit droht, Raketen bei Guam ins Wasser zu feuern. Warum schieße Kim Jong Un als Warnung nicht Interkontinentalraketen in internationale Gewässer vor die Küste Amerikas? Schmuckers Antwort: „Weil er es nicht kann!“

Angriff würde das Ende Nordkoreas bedeuten

Doch auch falls Nordkorea in der Lage ist, die USA zu treffen, seien noch Fragen offen, sagt Schmucker. Denn eine Bombe, die mithilfe einer Interkontinentalrakete die USA erreichen soll, müsste vorher die Rückkehr aus dem Weltraum in die Atmosphäre überstehen. Hitze und enorme Kräfte wirken dabei auf den sogenannten Wiedereintrittskörper. Das alles müsse Nordkorea noch ausprobieren, sagt Schmucker. Dennoch: Theoretisch sei es möglich, dass Kim Jong Un die USA erreicht – mit kleinen Nutzlasten. „Aber da kriegt er ja nichts unter“, erklärt der Wissenschaftler, als ginge es um den Kofferraum eines VW Polo. „Und hat er überhaupt so eine kleine Bombe?“

Politisch stellt sich zudem die Frage, ob Kim das wagen würde. Selbst ein Angriff auf Guam wäre schließlich ein Angriff auf die USA. Und „das würde das Ende für Nordkorea bedeuten und die Vernichtung der nordkoreanischen Bevölkerung“, sagt die Politikwissenschaftlerin Jiyoung Song von der australischen University of Melbourne.

Lesen Sie auch zum Thema: Nordkorea-Krise: Das sagen Merkel und Schulz dazu

Doch auch Nordkorea zur Aufgabe seiner Atomwaffen zu bringen, hält Song für reines „Wunschdenken“. Denn: „Ohne Atomwaffen wären sie machtlos.“ Einen möglichen Lösungsansatz sieht sie am Verhandlungstisch. Zunächst müssten die Parteien den Waffenstillstand durch einen Friedensvertrag ersetzen. Dann könne man sich friedlich einigen, sagt Song. „Das Problem kann nicht militärisch gelöst werden.“

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