+
Wiens Bürgermeister und Ministerpräsident Michael Häupl (SPÖ) feiert den Wahlsieg.

Landtagswahl in Österreich

Experte zur Wien-Wahl: Sozialdemokraten siegen dank Anti-FPÖ-Kurs

Wien - Die Landtagswahl in Wien hat diverse Botschaften. Die rechte FPÖ ist auf Rekordkurs. Die anderen Parteien können bestehen. Wenn sie sich mutig und klar in der Flüchtlingsfrage positionieren, so ein Experte.

Nach der Landtagswahl in Wien beraten die Parteigremien am Montag über die Konsequenzen aus dem Votum. Die sozialdemokratische SPÖ war trotz erheblicher Stimmenverluste mit 39,4 Prozent erneut stärkste Fraktion geworden. Bürgermeister und Ministerpräsident Michael Häupl (SPÖ) hat bereits Sondierungsgespräche zur Bildung einer Koalition angekündigt. Zuletzt wurde die österreichische Metropole von einer rot-grünen Koalition regiert.

Die Grünen, die mit 11,1 Prozent leichte Verluste verbuchten, wollen die Zusammenarbeit fortsetzen. Rein rechnerisch hätte auch eine rot-schwarze Koalition mit der konservativen ÖVP eine hauchdünne Mehrheit im Parlament. Die rechte FPÖ, die mit 32,3 Prozent ein Rekordergebnis erzielte, kommt für Häupl als Koalitionspartner nicht infrage. Die Landtagswahl galt auch als Stimmungstest in der Flüchtlingsfrage.

Experten sehen in dem Ausgang der Wahl eine Bestätigung darin, dass ein klarer Gegenkurs zu Rechtspopulisten den etablierten Parteien helfen kann. „Häupl hat keinen Millimeter versucht, die FPÖ in Stil und Inhalten zu imitieren“, sagte der Politikberater Thomas Hofer der Deutschen Presse-Agentur. Das Rezept könne sein, „viel stärker, klarer und mutiger in der Flüchtlingsfrage Stellung zu beziehen“. Bei drei vorangegangenen Landtagswahlen in Österreich hätten die Amtsinhaber von SPÖ und ÖVP sich viel weniger eindeutig positioniert. In diesen drei Fällen hatte die FPÖ mit ihrer ausländerkritischen Kampagne ihre Stimmanteile teils verdoppelt.

Die Ambitionen der FPÖ auf Bundesebene seien aber keineswegs geschmälert, meinte Hofer. „Kanzler Faymann und Vizekanzler Mitterlehner sind leichtere Gegner als Häupl.“ In landesweiten Umfragen liegen die Rechtspopulisten aktuell bei 33 Prozent. Die nächsten Nationalratswahlen sind für 2018 terminiert.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Heiterkeit in Afrika: Trump erfindet ein Land namens „Nambia“
Da bringt auch ein Blick in den Atlas keine Erhellung: Donald Trump lobte am Mittwoch das Gesundheitssystem des afrikanischen Landes „Nambia“. Der Spott ließ nicht lange …
Heiterkeit in Afrika: Trump erfindet ein Land namens „Nambia“
Frauke Petry: Schmeißt sie noch am Wahlabend hin?
Um Frauke Petry ist es in den vergangenen Wochen ruhiger geworden. Parteivorsitzende der AfD ist sie aber immer noch, geht nun allerdings auf Distanz zu ihren …
Frauke Petry: Schmeißt sie noch am Wahlabend hin?
Alice Weidel: Das will die Spitzenkandidatin der AfD
Das Spitzenduo der AfD steht fest: Alice Weidel und Alexander Gauland führen die Partei gemeinsam in den Bundestagswahlkampf. Was trennt und was verbindet die beiden …
Alice Weidel: Das will die Spitzenkandidatin der AfD
Christian Lindner, der Spitzenkandidat der FDP: Was ist seine Strategie?
Er führte seine Partei aus der Krise - doch der alles entscheidende Etappensieg steht noch aus. Gelingt dem FDP-Spitzenkandidaten Christian Lindner die Rückkehr in den …
Christian Lindner, der Spitzenkandidat der FDP: Was ist seine Strategie?

Kommentare