Ein kurzer Händedruck: Seehofer und Ude im Studio. dpa

Wenig Anklang bei Unentschlossenen

Experten: Ude war im Duell zu defensiv

München - Angeblich haben die Vorstellungen von Horst Seehofer und Christian Ude beim TV-Duell wenig Anklang bei unentschlossenen Wählern gefunden. Dafür gab's Lob von Stoiber und Steinbrück für ihre Parteifreunde.

Es ist mitten in der Nacht nach dem TV-Duell, da wird aus dem erbitterten Wahlkämpfer wieder ein Mensch. Horst Seehofer packt der Hunger, er landet an einem mobilen Wurststand in Bahnhofsnähe. Ein nächtlicher Schnappschuss zeigt den Ministerpräsidenten mit einer fettglänzenden Wurstsemmel in der rechten und einem Flaschenbier in der linken Hand. Er grinst breit wie ein Erstklässler mit Schultüte.

So sieht Erleichterung aus. Der Druck auf die Kombattanten scheint enorm gewesen zu sein, auch wenn sie das nicht zugaben. Als Sieger sehen sich nun beide Seiten. Für Seehofer bilanziert Vorgänger Edmund Stoiber spitz: „Das war das Duell zwischen einem Ministerpräsidenten und einem Oberbürgermeister.“ Für Christian Ude lobt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: „Du bist eine Bank – solide, klar, verlässlich.“

Umfragen sehen Seehofer vorne, wenngleich die deutlichste – ein 62:26 bei Emnid – von der CSU beauftragt war. Ein Umstand, über den die SPD spöttelt. Auch beklagte sich Udes SPD-Landesgeschäftsführer, der gastgebende Bayerische Rundfunk habe nach dem Duell einen parteiischen Experten befragt. Der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz sei CDU-nah. Ude selbst hatte zudem kurz erwogen, die Redezeit zum Thema nachträglicher Klagen zu machen: Er hatte am Ende 29 Minuten gesprochen, drei weniger als Seehofer. In vielen Online-Abstimmungen von Medienhäusern liegt indes Ude vorn. Seine Mitarbeiter hatten auf Facebook Unterstützer gebeten, für ihn abzustimmen.

Der große Streit um die Deutung bricht dennoch nicht aus. Den Beteiligten ist klar: Selbst ein Unentschieden kann dem in Umfragen weit hinten liegenden Ude nicht genügen. „Ein Auftritt mit dem enteilten Amtsinhaber auf Augenhöhe bringt Ude immer was“, sagt der Politik-Professor Heinrich Oberreuter, Seehofer habe aber den souveräneren Eindruck gemacht. Der Amtsinhaber habe sich damit stabilisiert. Es sei Ude schwergefallen, „aus der defensiven Rolle rauszukommen“, sagt auch Ursula Münch, die die Akademie für Politische Bildung in Tutzing leitet. Im Bundesduell habe Steinbrück deutlich besser abgeschnitten als Ude nun auf Landesebene. Münch glaubt nicht, dass damit in nennenswerter Zahl unentschlossene Wähler zur SPD gezogen wurden.

Aus den anderen Parteien, die erst gestern Abend in den Ring durften, sind die Bilanzen erwartbar. „Der Punkt ging eindeutig an Seehofer“, sagt Koalitionspartner Thomas Hacker (FDP), „er hat den souveränen Landesvater gegeben, der Herr Ude hat sich halt bemüht“. Die Grünen sagen, es gebe keinen klaren Gewinner. Ude habe aber Seehofer „aus der Komfortzone rausgedrängt“ und bei Gerechtigkeitsfragen gepunktet, sagt der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann. Der Freie Wähler Hubert Aiwanger zieht sich mit der Ausrede aus der Affäre, er habe leider nicht das ganze Duell gesehen.

Christian Deutschländer

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