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Putins Pläne für Ukraine-Krieg gefunden: US-Experten enthüllen Russlands Fehler

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Von: Felix Durach

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Der russische Präsident Wladimir Putin rechnete offenbar damit, innerhalb von zwei Tagen Kiew einzunehmen. US-Experten sehen auch andauernde Probleme.

Moskau – Der Beginn des Ukraine-Kriegs vor knapp einem Jahr und viele Entscheidungen des Kremls seitdem waren offenbar von Fehleinschätzungen bestimmt gewesen. Das berichten die Militär-Experten des US-amerikanischen Thinktanks „Institute for the Study of War“ (ISW) in ihrem täglichen Ukraine-Lagebericht am Montag. Wie die ISW-Experten würden auch erbeutete russische Dokumente zeigen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die ukrainischen Verteidiger unter- und seine eigenen Truppen überschätzt hatte, als er den Angriff auf die ukrainische Hauptstadt angeordnet hatte.

Ukraine-Krieg: Führten Putins Fehleinschätzungen zum Beginn der Invasion?

Zur Erinnerung: vor knapp einem Jahr, am 24. Februar 2022, marschierten russische Streitkräfte von Osten und Norden in die Ukraine ein. Neben den Gebieten in der Ostukraine, die bereits seit längerer Zeit von prorussischen Separatisten besetzt wurden, stießen die Truppen auch von Russland und Belarus im Norden im Ukraine-Krieg in Richtung Kiew vor. Innerhalb der ersten Tage machen die Angreifer dabei auch nennenswerte Fortschritte. Der Widerstand rund um die Hauptstadt war jedoch so groß, dass die Befehlshaber einen Rückzug anordnen mussten. Die russischen Streitkräfte zogen sich komplett aus dem Norden zurück und gruppierten sich in der Ostukraine neu. Anschließend folgte eine Offensive mit Fokus auf die Regionen Donezk und Luhansk.

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen des russischen Sicherheitsrates.
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen des russischen Sicherheitsrates. © PAVEL BYRKIN/AFP

Bereits wenige Tage nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine machten Berichte die Runde, dass der Kreml mit einer Einnahme der ukrainischen Hauptstadt in wenigen Tagen gerechnet hatte. Russische Erfolge in der Region Kiew bleiben jedoch auch knapp ein Jahr nach dem ersten Vormarsch weiter aus. Hat der russische Präsident sich eine katastrophale Fehleinschätzung geleistet?

Militärbericht zum Ukraine-Krieg enthüllt: Russische Truppen wollten Kiew in zwei Tagen einnehmem

Ja, sagen zumindest ISW-Experten. „Putin ging wahrscheinlich von der falschen Annahme aus, dass die russischen Streitkräfte Kiew ohne nennenswerte militärische Opfer zur Kapitulation zwingen könnten, und betrachtete die russische Invasion als begrenztes und akzeptables Risiko“, heißt es in dem täglichen Bericht des ISW zur Lage im Ukraine-Krieg am Montag. Dabei beruft sich das Institut mittlerweile auch auf eroberte russische Militärpläne.

Diese würden offenbaren, dass Putin wahrscheinlich von der falschen Annahme ausging, „dass die russischen Streitkräfte Kiew innerhalb von Tagen erobern würden“, schreibt das ISW. „Russische Geheimdienste erwarteten Berichten zufolge, dass das ukrainische Militär zusammenbrechen würde, und Kreml-Propagandisten veröffentlichten präventiv einen vorgefertigten Artikel, in dem Russlands ‚Sieg‘ am 26. Februar 2022 gepriesen wurde.“ Der Sieg hätte demnach nur zwei Tage nach dem Beginn der russischen Invasion verkündet werden sollen.

Eine weitere folgenschwere Fehleinschätzung leistete sich Putin offenbar auch bei der Reaktion des Westens. Wie die Financial Times bereits im Dezember berichtet hatte, schenkte der russische Präsident den Warnungen der russischen Zentralbank vor westlichen Sanktionen im Falle einer Invasion keine Beachtung. Der Kreml-Chef hatte wohl nicht mit einer solchen Reaktion durch EU und Nato gerechnet.

Militär-Experten: Notwendige Beschlüsse für den Ukraine-Krieg bleiben aus – hat Putin Angst vor der Bevölkerung?

Nach Ansicht des ISWs hatte Putin auch im weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs Fehleinschätzungen unterlegen, die zu zurückhaltendem Handeln geführt hatten. „Das Versagen der russischen Streitkräfte in der Schlacht um Kiew – und damit der Kriegsplan des Kremls – zwang Putin, komplexe Entscheidungen zu treffen, während der Kreml einen zunehmend kostspieligen und langwierigen konventionellen Krieg führte“, schreiben die US-Experten.

Der russische Präsident habe es dabei jedoch versäumt, konsequente Entscheidungen durchzusetzen. So hat sich Putin trotz ausbleibender Erfolge in der Ukraine gegen eine Generalmobilmachung in Russland entschieden. Stattdessen rekrutierte er 300.000 Soldaten im Rahmen einer sogenannten Teilmobilmachung. Darüber hinaus bezeichnet der russische Präsident den Krieg in der Ukraine weiterhin lediglich als „militärische Spezialoperation“. Durch eine Ausrufung des Kriegsrechts würden sich für den Kreml jedoch weiterführende Möglichkeiten zur Kriegsführung bieten. „Putin befürchtete wahrscheinlich, die russische Gesellschaft zu verärgern“, urteilen die ISW-Experten. (fd)

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