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Weil sie nicht klischeehaft seien

"Enttäuscht" von Flüchtlingen: Schräger Facebook-Post wird Hit

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München - Ein Nutzer hat sich jetzt verwundert über die nicht eintretenden "Sorgen" der Pegida-Anhänger geäußert. Er sei geradezu "enttäuscht" von der friedlichen Nachbarschaft. 

Die Gewalt gegen Flüchtlinge steigt stetig. Nach Angaben der Zeitung "Die Welt" ist der Rassismus in Deutschland so hoch wie zuletzt vor 20 Jahren. Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Gewalttaten gegen Flüchtlinge und Volksverhetzungen. Die Zahl der Straftaten nimmt kein Ende. Viele der Pegida-Anhänger unterstellen den Flüchtlingen jedes noch so typische Klischee. Sie würden Autos und Fahrräder stehlen, Frauen vergewaltigen und spielende Kinder auf der Straße schänden. Und so könnte die Liste der "Sorgen" munter weiter gehen. Aber nicht überall in Deutschland übernehmen diese "Sorgen" der Pegida-Anhänger den Alltag.

"Ich bin enttäuscht von den Asylanten!"

Auf Facebook erklärt ein User, er wohne seit Monaten in direkter Nachbarschaft mit einer Unterkunft für Asylbewerber in Dresden. Zunächst mag der Facebook-Post verwirren, denn die Überschrift lautet in Großbuchstaben "Ich bin enttäuscht von den Asylanten!!!", doch das Gegenteil ist der Fall. Seit Wochen hat der Nutzer keinen Grund zur Annahme bekommen, die "Sorgen" der Pegida-Anhänger würden sich bewahrheiten. Auto und Fahrrad stünden noch vor der Tür. Seine Freundin komme jeden Tag unversehrt von der Arbeit nach Hause, und den spielenden Kinder draußen auf dem Spielplatz gehe es immer noch genauso gut wie zuvor. Und sogar die Einkäufe im Supermarkt würden von den Flüchtlingen tatsächlich bezahlt werden. Sarkastisch äußert sich der Nutzer: " Wie kann das sein? Was läuft Hier falsch? Ich finde die Ausländer sollen sich gefälligst so benehmen wie es PEGIDA mir versprochen hat. Nicht mal provozieren lassen sich diese Ausländer. Morgen werde ich mal zu Lutz Bachmann gehen und fragen, warum die Asylanten so dreist sind und nicht das machen, was die "besorgten Bürger" ihnen zuschreiben. Ich kann vor lauter friedlicher Nachbarschaft schon nicht mehr schlafen."

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"Link zur aktuellen Invasion unseres Landes"

Die Sorgen der Pegida-Anhänger, die geradezu identisch mit typischen Klischees sind, scheinen sich also nicht sonderlich zu bewahrheiten. Und das in der Pegida-Hochburg Dresden. Deutschland arbeitet momentan hart daran, die Situation zu meistern. Dass es schwierig ist, daran besteht kein Zweifel. Ohne ehrenamtliche Helfer wäre das auch schon lange nicht mehr möglich. Ein Bankinstitut will diese Helfer deshalb finanziell unterstützen. Dazu wird auch eine Liste von ehrenamtlichen Organisationen aufgelistet, die sich um die vielen Flüchtlinge kümmern. Auf Facebook veröffentlichte das Institut jetzt eine Kundenmail und die Antwort des Unternehmens dazu. 

Die Kundenmail im Wortlaut: "Guten Tag, Sie bieten auf Ihrer Webseite Links auf Organisationen, die Flüchtlinge unterstützen. Könnten Sie bitte auch Links zu Organisationen einstellen, die das Ziel haben, der aktuellen Invasion unseres Landes durch Flüchtlinge Einhalt zu gebieten? Vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen"

Wir haben heute Post zu unserer Seite www.gls.de/fluechtlingshilfe/ erhalten.#1000malWillkommen #refugeeswelcome

Posted by GLS Bank on Mittwoch, 4. November 2015

Unternehmen schlägt "Invasion" im Lexikon nach

Das Unternehmen reagierte darauf mit schlagkräftigen Argumenten, warum man eben solche Links nicht einbinden würde. Es sei ihnen ein Herzensanliegen, "die Arbeit der zahlreichen Ehrenamtlichen finanziell wie ideell zu unterstützen, die derzeit an ihre körperlichen und seelischen Grenzen gehen, um Menschen, die in höchster Not aus ihrer Heimat geflüchtet sind, zu helfen. Deshalb haben wir die oben genannte Seite erstellt. Es wäre geradezu absurd, wenn wir auf derselben Seite für Organisationen werben würden, deren Ziel es ist, die flüchtenden Menschen ihrem Schicksal und Elend zu überlassen." Und damit nicht genug. Die Mitarbeiter haben offensichtlich extra im Lexikon das Wort "Invasion" nachgeschlagen und kommen zu dem Schluss: "Der Begriff (...) meint das Eindringen militärischer Truppen in fremde Gebiete. Wir sind nicht gewillt, diesen Begriff ernsthaft in Zusammenhang mit Menschen zu bringen, die in friedlicher Absicht und der Hoffnung auf ein sicheres und besseres Leben zu uns kommen."

Der Post wurde inzwischen mehr als 4200 Mal geliked und mehr als 1500 Mal geteilt. Es gibt auf Facebook also nicht nur Hetze und schlechte Stimmungsmache gegen Flüchtlinge. Ein weiteres Beispiel dafür ist ein Berliner Pärchen, das seit Juli bereits 24 Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen hat. Sie räumen in einem Facebook-Post ebenfalls mit den Klischees auf und beschreiben wie sich ihr Leben seitdem verändert hat. 

Gerade in schlechten Zeiten sollte man die eigene Bilanz prüfen. Meine schaut so aus: Seit Juli rund 24 Leute aus...

Posted by Dirk Voltz on Montag, 2. November 2015

Alle Informationen zur Flüchtlingskrise finden Sie im News-Ticker.

mt

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