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„One-Love“-Debatte: Schweizer Moderator kritisiert Habeck scharf – „Doppelmoral vom Feinsten“

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Von: Felix Durach

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Wirtschaftsminister Robert Habeck trifft Scheich Mohammed bin Hamad bin Kasim al-Abdullah Al Thani, Minister für Handel und Industrie in Katar.
Wirtschaftsminister Robert Habeck trifft Scheich Mohammed bin Hamad bin Kasim al-Abdullah Al Thani, Minister für Handel und Industrie in Katar. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Debatte um die „One-Love“-Binde bei der WM in Katar dauert an. Kritik an dem Verhalten der deutschen Politiker kommt nun aus der Schweiz.

Berlin — Die WM 2022 in Katar ist noch nicht einmal eine Woche alt und hatte bereits mehrere Aufreger. Allen voran steht die Debatte um das Verbot der „One-Love“-Binde durch den Weltverband FIFA. Eine Reihe von Nationen — darunter auch Deutschland — hatte geplant, diese bei den Spielen zu tragen, um ein Zeichen für Gleichberechtigung und Toleranz zu setzen. Nach dem Verbot hatten sich auch diverse Stimmen aus der deutschen Politik-Landschaft gemeldet und die Entscheidung der FIFA kritisiert. Dabei wurden auch Handlungsempfehlungen an die Nationalspieler ausgesprochen.

„One-Love“-Binde: Moderator stichelt gegen Habeck – im Frühjahr noch „um Gas gebettelt“

Kritik an dem Umgang mit der Debatte kommt nun aus einem deutschen Nachbarland. Der Schweizer Moderator Andreas Böni von Blick TV konnte vor allem die Kritik der Deutschen am DFB nicht nachvollziehen. „Wenn du der FIFA drohst, hast du keine Chance als Verband. Wir bei Blick zum Beispiel haben dafür die FIFA kritisiert, aber niemals den Schweizer Verband. Gerade vor einem Turnier auf die eigene Mannschaft zu schießen, das macht wenig Sinn“, sagte der Schweizer.

„One Love“-Binde
DFB-Kapitän Manuel Neuer trägt in einem Vorbereitungsspiel auf die WM die „One-Love“-Kapitänsbinde. © Christian Charisius/dpa

Besonders störte Böni sich jedoch auch an der Reaktion der deutschen Politiker und nahm dabei vor allem Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ins Visier. „Der im Frühjahr fröhlich nach Katar reist und um Gas bettelt und im Herbst sagt er dann: Manuel Neuer, es wäre gut, wenn er die Kapitänsbinde trägt“, führte der Moderator seine Begründung aus. „Das ist für mich Doppelmoral vom Feinsten“, so Bönis Fazit.

Doppelmoral-Vorwurf an Habeck: Wirtschaftsminister riet Neuer zum Tragen der „One-Love“-Binde

Habeck hatte am Dienstagabend bei „Markus Lanz“ im ZDF mit Blick auf Manuel Neuer und die „One-Love“-Binde gesagt: „Ich würde es darauf ankommen lassen, es wäre ein moderater Protest“.

Im März dieses Jahres war Habeck unabhängig von der WM nach Katar gereist, um in Angesicht des Ukraine-Kriegs über Gas-Lieferungen für Deutschland zu verhandeln. Ein Bild vom Handschlag mit dem katarischen Minister für Handel und Industrie, bei dem Habeck zu einer Art Verbeugung ansetzt, ging durch die Medienlandschaft. Ende Oktober gab es jedoch noch keinerlei Gaslieferungen aus Katar.

„One-Love“-Debatte: Innenministerin Faeser setzt Zeichen im Stadion

Auch Habecks Kabinettskollegin Nancy Faeser hatte sich aktiv in die „One-Love“-Debatte eingeschalten. Die Innenministerin hatte beim Gruppenspiel zwischen Deutschland und Japan auf der Tribüne eine „One-Love“-Binde getragen.

Bei dem Spiel fand Moderator Böni schließlich noch ein Lob für Deutschland. Jedoch nicht für die SPD-Politikerin, sondern für die Geste der deutschen Mannschaft vor dem Spiel. Beim Mannschaftsfoto hatten sich alle deutschen Spieler demonstrativ den Mund zu gehalten, um gegen die Verbote der FIFA zu protestieren: „Das war für mich die beste PR-Aktion der WM“, sagte der Schweizer. (fd)

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