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Roland S. ist ein verurteilter Mörder - und in die Modellbauaffäre um die Haderthauers verstrickt.

Fall Haderthauer

„Der is net bös’“: Freund des Dreifachmörders sagt aus

München – Die Affäre Haderthauer beschäftigt weiterhin den Untersuchungsausschuss im Landtag. Am Donnerstag sagte ein Freund des Dreifachmörders Roland S. aus.

Der Mann, der mit dem Dreifachmörder ganze Wochenenden verbrachte, gibt sich als drolliges, fränkisches Original. Kräftig, kurzes graues Haar, ein Schmunzeln im Gesicht. Ob ihm die ganze Geschichte nicht ungewöhnlich vorkomme? „Der ganze Fall war von Anfang an ungewöhnlich“, sagt Werner Siedenburg, 70, Polizeihaupkommissar a.D..

Ungewöhnlich – das gilt für den gesamten Fall Haderthauer. Und kaum jemand steht so für die Absurditäten der Affäre wie Werner Siedenburg. Am Donnerstag sagte er als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags aus. Siedenburg überführte Roland S. Ende der 80er-Jahre, drei Menschen getötet und zerteilt zu haben. S. ist jener geniale Bastler, der später für Christine Haderthauer und ihren Mann Hubert in der forensischen Psychiatrie Modellautos baute, die für mehrere Tausend Euro pro Stück verkauft wurden.

Als der Schwerverbrecher in die Forensik kam, fühlte sich der Polizist für ihn verantwortlich. Die Haderthauers stiegen mit S. ins Modellbaugeschäft ein, Siedenburg wurde zum ständigen Begleiter. Allerdings nur als Privatmann, betont er. Der Polizist brachte den psychisch kranken Schwerverbrecher auf eine Messe in Dortmund. Und er fuhr ihn zu den Haderthauers nach Ingolstadt. Man traf sich im Privathaus, dann ging es laut Siedenburg zu viert in eine Gaststädte in der Nachbargemeinde. Christine Haderthauer hatte dagegen beteuert, „niemals“ mit S. essen gewesen zu sein.

Irgendwann Mitte der 90er-Jahre lud ein Geschäftspartner der Haderthauers S. und Siedenburg ins Elsass ein. Die beiden verbrachten das Wochenende in dessen Jagdhütte, in der Gewehre lagerten. Möglich sei die Reise nur gewesen, weil kurz zuvor die Grenzkontrollen wegen des Schengen-Abkommens weggefallen waren, erzählt Siedenburg. „Der hatte ja keine Papiere.“ Ob er nicht Angst gehabt habe? „Niemals“, beteuert er. „Der is net bös’.“ S. habe eben eine sehr schwierige Kindheit gehabt.

Staatsanwaltschaft und Ärzte trugen die Ausflüge mit. Allerdings durfte kein Alkohol im Spiel sein. Das habe er nicht gewusst, behauptet Siedenburg. „Natürlich“ sei bei den Ausflügen auch Alkohol getrunken worden. Ein Dreifachmörder auf ganz gewöhnlicher Geschäftsreise eben.

Juristisch spielt das höchstens eine Nebenrolle. Im Ermittlungsverfahren gegen die Haderthauers bei der Staatsanwaltschaft München II geht es um Betrug und Steuerhinterziehung. Bis Ende Oktober sollen die Ermittlungen abgeschlossen sein, teilte der scheidende Generalstaatsanwalt Peter Frank gestern den Abgeordneten mit. Dann entscheidet die Behörde, ob sie Anklage erheben wird. 

Til Huber

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