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Alexander Gauland und Beatrix von Storch gehören zu den führenden Köpfen der AfD in Deutschland. 

“Deutschland erscheint als Hassgesellschaft“

Fall Özil als Beispiel: Migrations-Expertin warnt vor neuem deutschen Faschismus

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Die Berliner Professorin Naika Fouroutan sieht Deutschland in einer „präfaschistischen Phase“. Die Strategie der Rechtspopulisten würde voll aufgehen, der Fall Özil sei nur ein Beispiel dafür.

Berlin/München - Die Migrationsforscherin und Politik-Professorin Naika Foroutan sieht Deutschland auf dem Weg in einen neuen Faschismus. In einem Interview mit dem Tagesspiegel sagt die Professorin an der Berliner Humboldt-Universität: „Die gesellschaftlichen Entwicklungen weisen in eine präfaschistische Phase.“ 

Foroutan glaubt, eine Dynamik zu beobachten, die zum Ende der Demokratie in Europa führen könne. Europa befinde sich in einer Phase „der Zerstörung jener Errungenschaften, die die 68er mit herbeigeführt haben und die unser Verständnis von Gleichberechtigung, sexueller Selbstbestimmung, Toleranz und Meinungsfreiheit maßgeblich verändert und beeinflusst haben“.

Naika Foroutan, Vize-Direktorin des Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung, beobachtet eine beängstigende Entwicklung in Europa.

Begonnen habe der Abbau demokratischer Werte in Ungarn unter Viktor Orban, weiter ging es mit der nationalkonservativen Regierung in Polen, dann in der Slowakei. „Jetzt wird Italien, eines der Gründerländer der EU, rechts dominiert, es werden Roma gezählt und Flüchtlinge als Invasoren entmenschlicht, die man im Mittelmeer sterben lassen sollte. In Wien hat die FPÖ Schlüsselministerien wie das Innenressort inne und fantasiert von Judenregistrierungen.“ Bei all dem handele es sich um eine „strategische Entmoralisierung der Gesellschaften durch die rechten Extremen“, glaubt die Forscherin.

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„Man gewinnt den Eindruck, Deutschland sei eine Hassgesellschaft“

Auch in Deutschland handelten die Rechtspopulisten mit Kalkül, glaubt Naika Foroutan: „Wenige von ihnen schaffen es im Internet, als die Vielen zu erscheinen, es gibt Wortergreifungsstrategien, deren Begriffe wie ‚Asyltourismus‘ dann irgendwann im Mainstream auftauchen.“ Wer die sozialen Medien verfolge, könne meinen, ganz Deutschland sei „eine Hassgesellschaft“. Dabei sehe die Realität anders aus: Die AfD sei bei den letzten Bundestagswahlen zwar von sechs Millionen Menschen gewählt worden, doch acht Millionen Deutsche engagierten sich in der Flüchtingshilfe. 

Die aktuelle Debatte um Mesut Özil sei ein Beispiel für das Aufgehen der Strategie der Rechten, glaubt die Wissenschaftlerin: „Ein Bild mit einem Autokraten, während die WM bei einem Autokraten stattfindet, zu nutzen, um Özil das Deutschsein zu entziehen - das sehen schon viele als Warnung: Dass einem die Zugehörigkeit jederzeit entzogen werden kann, egal welche Verdienste man hat und welche Leistungen man erbracht hat.“ 

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Forscherin fordert Bekenntnis: „Ja, ich bin ein Gutmensch“

Deutschsein sei nun wieder viel stärker mit Herkunft verbunden als noch vor einigen Jahren, so ihre These. Gefordert werde „nationales Bekenntnis, Weißsein“. Foroutan erinnert an eine Aussage des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, dass keiner den (schwarzen) Fußballspieler Jerome Boateng als Nachbarn haben wolle. Dass Joachim Löw beim Spiel von Deutschland gegen Schweden erstmals seit 2010 Mesut Özil auf die Bank setzte, kommentierte die AfD-Führungsfrau Beatrix von Storch mit dem zynischen Twitter-Kommentar „AfD wirkt“. „Deutschland wird brutaler“, so Foroutans Fazit.

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Um aus dieser Spirale zu kommen, plädiert die Migrationsforscherin für eine neue Friedensbewegung: „Wir müssen uns auch emotional trauen, die Worte zurückzubekommen oder neue zu setzen. Ja, ich bin ein Gutmensch, ich will, dass meine Kinder gute Menschen werden, ich akzeptiere das nicht als Schimpfwort.“  Es sei an der Zeit, „dass die, denen in den letzten Jahren Zug um Zug das Land genommen wurde, sichtbarer werden“. Auch die Politik müsse für diese Menschen wieder ein Angebot machen - für Menschen, „die Angst vor Hass, Spaltung, Rechtsextremismus haben“.

Naika Foroutan stammt aus einer deutsch-iranischen Familie, ist  Professorin an der Berliner Humboldt-Universität und stellvertretende Direktorin des Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung.

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