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Seit mehr als einer Woche sitzt der „Welt“-Korrespondent Yücel in der Türkei in Polizeigewahrsam.

Türkei

Auswärtiges Amt mahnt Eile im Fall Yücel an - Autokorso geplant

Berlin - Seit mehr als einer Woche sitzt der „Welt“-Korrespondent Yücel in der Türkei in Polizeigewahrsam. Der Fall wird nicht einfacher dadurch, dass man ihn in die Länge zieht, meint das Auswärtige Amt. Unterstützer planen in Yücels hessischem Geburtsort einen Autokorso.

Die Dauer des Ermittlungsverfahrens gegen den in der Türkei festgehaltenen Journalisten Deniz Yücel stößt im Auswärtigen Amt auf Unverständnis. „Wir haben nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, dass Herr Yücel seine Tätigkeit als Journalist in irgendeiner Weise missbraucht hätte, sondern er ist engagiert seiner Arbeit nachgegangen“, sagte Ministeriumssprecher Martin Schäfer am Freitag in Berlin. „Und wir hoffen und erwarten, dass eine Entscheidung durch die zuständigen türkischen Justizbehörden gefällt wird, die dem Rechnung trägt, und zwar so schnell wie irgend möglich.“

Schäfer sagte weiter: „Aus unserer Sicht gibt es gar keinen Grund, weshalb die vor einer Entscheidung des Staatsanwalts offenbar stehende Vernehmung immer noch nicht stattgefunden hat. Und der Fall wird nicht einfacher und auch nicht leichter dadurch, dass man ihn weiter in die Länge zieht.“

Yücel, der die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit Dienstag vergangener Woche im Istanbuler Polizeipräsidium in Gewahrsam. Nach Angaben der Polizei wird gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauch ermittelt.

Im Ausnahmezustand können Verdächtige bis zu 14 Tage festgehalten bleiben

Während des geltenden Ausnahmezustands können Verdächtige in der Türkei auf Beschluss des Staatsanwaltes bis zu 14 Tage in Polizeigewahrsam gehalten werden. Diese Frist läuft bei Yücel am kommenden Dienstagnachmittag ab. Spätestens dann muss der 43-Jährige entweder freigelassen oder einem Haftrichter vorgeführt werden. Dieser Richter müsste dann über Untersuchungshaft entscheiden.

Angehörige, Freunde und Kollegen Yücels wollen am Samstag im hessischen Flörsheim für dessen Freilassung demonstrieren. Unter dem Hashtag #Korso4Deniz wollen die Organisatoren möglichst viele Menschen mobilisieren. Yücel ist in Flörsheim geboren.

Petition mit über 100.000 Unterstützern

Schriftsteller, Buchhändler und Journalisten riefen derweil Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem entschlossenen Einsatz für die Meinungsfreiheit in der Türkei auf. „Die Freiheit des Wortes ist in der Türkei akut bedroht“, heißt es in einer Petition, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Autorenverband PEN-Zentrum Deutschland sowie Reporter ohne Grenzen (ROG) im Kanzleramt an Regierungssprecher Steffen Seibert übergaben.

ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske sagte, die Bundesregierung müsse sich „nochmal deutlicher äußern, sie muss beispielsweise den „Welt“-Korrespondenten freibekommen, Deniz Yücel, der unter fadenscheinigen Bedingungen in Haft sitzt“. Der regierungskritische türkische Journalist Can Dündar sagte bei der Übergabe der Petition: „Die Türkei ist das größte Journalisten-Gefängnis der Welt geworden. Wir versuchen, unsere Freunde aus dem Gefängnis zu bekommen.“

Die Online-Petition mit Namen „#FreeWordsTurkey“ auf der Plattform change.org wurde mit rund 111 000 Namen von Unterzeichnern überreicht. Sie war auch an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gerichtet. Seit dem Putschversuch im Juli 2016 geht der türkische Staat rigoros gegen Oppositionelle und Medien vor.

dpa

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