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In Bayern gab es dieses Jahr fast doppelt so viele Asylbewerber wie 2013.

Zahl der Flüchtlinge nimmt zu

Fast doppelt so viele Asylbewerber wie 2013

München - 2014 haben so viele Flüchtlinge Bayern erreicht wie seit Jahren nicht. Von Rekord kann aber keine Rede sein: Zu Beginn der neunziger Jahre waren es noch weit mehr.

Bayern hat im zu Ende gehenden Jahr mehr als 32.000 Asylbewerber aufgenommen - fast doppelt so viele wie 2013. Sozialministerin Emilia Müller erwartet in nächster Zukunft auch keinen Rückgang: „Auch im kommenden Jahr rechnen wir mit mindestens genauso vielen Asylbewerbern wie in diesem Jahr“, sagte die CSU-Politikerin. „Trotz der steigenden Zahlen ist es weiterhin unser oberstes Ziel, die bei uns schutzsuchenden Menschen human unterzubringen und zu versorgen.“

Keineswegs alle kommen aber aus den Kriegsgebieten in Syrien, Eritrea und anderen Krisenregionen des Mittleren Ostens und Afrikas: Fast ein Drittel reiste aus Ex-Jugoslawien und Albanien ein. Bis Ende November lag deren Anteil bei 30 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. Derzeit liegen die Zahlen offensichtlich sogar noch höher: Von den rund 1400 Asylbewerbern, die in der Weihnachtswoche von 22. bis 28. Dezember in der Münchner Erstaufnahme eintrafen, kamen nach einer groben Schätzung über 70 Prozent vom Westbalkan. Das sagte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern.

Herrmann will kein Asyl für Flüchtlinge aus den Westbalkanstaaten

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will die Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten möglichst schnell wieder in ihre Heimatländer abschieben, da dort weder Bürgerkrieg noch politische Wirren herrschen. „Es ist jedem zumutbar, in Belgrad zu leben, und es gibt keinen Grund für Menschen aus Belgrad, in Deutschland Asyl zu beantragen“, hatte der CSU-Politiker dazu kürzlich gesagt. In den ersten elf Monaten beantragten in Bayern allein 15.000 Serben Asyl.

Auffällig ist vor allem, dass viele Asylbewerber aus Ex-Jugoslawien und Albanien nach der Ablehnung des ersten Antrags ihr Glück zum zweiten Mal versuchen: 60 Prozent aller sogenannten „Folgeanträge“ kamen von Bürgern dieser südosteuropäischen Länder.

In der CSU wird befürchtet, dass die hohen Ankunftszahlen mutmaßlich nicht politisch verfolgter Asylbewerber dazu führen könnten, dass die Stimmung in der Bevölkerung auch gegen die vielen Kriegsflüchtlinge kippen könnte.

Nach wie vor erreichen allerdings weit weniger Asylbewerber Bayern als zu Beginn der neunziger Jahre. 1992 hatte Bayern zu Zeiten der Balkankriege 60 000 Flüchtlinge aufgenommen.

Damals war die Stimmung auch wesentlich aufgeheizter als heute. So sprach Anfang 1992 der ein Jahr später gestürzte Ministerpräsident Max Streibl (CSU) von „Wirtschaftsschmarotzern“ und beschimpfte eine liberale Flüchtlingspolitik als „Humanitätsduselei“. Innenminister Herrmann schlägt heute weit differenziertere Töne an: Herrmann will einerseits den Missbrauch des Asylrechts bekämpfen, nennt aber andererseits die Zuwanderung auch eine Bereicherung.

Kardinal Marx warnt vor Rückfall in den Nationalismus

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Münchner Kardinal Reinhard Marx hat währenddessen die Europäische Union zu Solidarität mit den Armen und Flüchtlingen aufgefordert. Besonders müsse sich die EU um die arbeitslosen Jugendlichen in vielen Ländern Europas kümmern, so der Erzbischof in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. Er warnte laut am Dienstag vorab verbreitetem Redemanuskript vor einem Rückfall „in Engstirnigkeit, Nationalismus und Eigeninteressen“.

Vielmehr solle die europäische Gemeinschaft „ein Bezugspunkt sein für eine bessere, eine humanere Welt“. Christen müssten sich „noch stärker für dieses Projekt Europa engagieren und einsetzen und es nicht denen überlassen, die Schritt für Schritt dieses gemeinsame Haus zur Ruine verkommen lassen“. Marx hält die Predigt bei der Jahresschlussandacht am Mittwochabend.

dpa

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