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Die Ermittler interessieren sich vor allem für einige Treffen Kushners mit dem russischen Botschafter und einem Moskauer Bankier.

Russland-Affäre

FBI nimmt Trump-Schwiegersohn Kushner ins Visier

War Trump-Schwiegersohn Kushner in mögliche Absprachen mit Russland zur Beeinflussung der US-Wahl 2016 verstrickt? FBI-Ermittler interessieren sich für den Präsidenten-Berater.

Washington - Die Russland-Untersuchungen des FBI haben das engste Umfeld von Präsident Donald Trump erreicht. Wie die "Washington Post" und der Sender NBC unter Berufung auf ungenannte Quellen in der US-Regierung berichteten, interessiert sich das FBI für Jared Kushner, Schwiegersohn und einer der engsten Trump-Berater.

Die US-Bundespolizei untersucht, ob es vor der US-Wahl 2016 Absprachen zwischen Russland und Trumps Wahlkampfteam gegeben hat. Das FBI gehe davon aus, dass Kushner (36) "relevante Informationen" habe, hieß es. Die Untersuchungen bedeuteten aber nicht, dass die Ermittler Kushner eines Verbrechens beschuldigten oder beabsichtigten, ihn zu belangen.

Verdächtige Russen-Treffen?

Die "Washington Post" hatte vergangene Woche berichtet, dass eine Trump nahe stehende Person das Interesse der Behörde geweckt habe. Nun schreibt das Blatt, die Ermittler interessierten sich vor allem für einige Treffen Kushners mit dem russischen Botschafter und dem Vorstandschef der Wnescheconombank, Sergej Gorkow. Das russische Kreditinstitut befindet sich im Staatsbesitz und steht seit 2014 auf einer Sanktionsliste der USA.

Den Berichten zufolge haben "Art und Ausmaß" der Russlandkontakte Kushners das Interesse des FBI geweckt. Das Justizministerium und das FBI lehnten Stellungnahmen ab.

Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet. Im Weißen Haus ist er ein mächtiger Mann im Hintergrund. Er ist unter anderem mit dem Friedensprozess in Nahost betraut, den Beziehungen zu China und Kanada, einer Strafrechtsreform und einer Erneuerung der Regierung. Wegen seiner Geschäftsbeziehungen ist der Immobilienexperte Vorwürfen von Interessenkonflikten ausgesetzt.

Kushner zeigt sich kooperativ

Kushners Anwältin Jamie Gorelick sagte US-Medien, ihr Mandant habe bereits dem US-Kongress angeboten, in Bezug zu den Treffen Rede und Antwort zu stehen. "Er wird dasselbe tun, wenn er im Zusammenhang mit einer anderen Untersuchung dazu aufgefordert wird."

Die Demokraten forderten die Aussetzung von Kushners Status als Geheimnisträger, bis das FBI seine Untersuchungen abgeschlossen habe. "Die Russland-Ermittlungen des FBI erreichten Trumps Hinterhof, jetzt sind sie in seinem Haus", hieß es in einer Erklärung.

Die neue Entwicklung dürfte Trump auch zeitlich sehr ungelegen kommen. Der US-Präsident befindet sich auf einer längeren Auslandsreise.

Russland-Affäre verfolgt Trump

Mögliche Verstrickungen zwischen Trumps Team und Russland belasten Trumps Präsidentschaft von Beginn an. Trump kritisierte die Vorwürfe kürzlich als "Hexenjagd". 

Nach geheimdienstlichen Erkenntnissen versuchte Moskau aktiv, die Präsidentenwahl zu Trumps Gunsten zu beeinflussen. In den FBI-Untersuchungen und Ermittlungen von Kongressausschüssen geht es hauptsächlich um die Frage, ob es Absprachen zwischen Mitgliedern aus Trumps Wahlkampfteam und Moskau gab. Vergangene Woche setzte das US-Justizministerium den früheren FBI-Chef Robert Mueller als Sonderermittler ein, um die Affäre aufzuklären.

Zuvor hatte Trump FBI-Chef James Comey entlassen. Dieser hatte ebenfalls wegen möglicher illegaler Russland-Kontakte des Trump-Teams ermittelt. Die Affäre wird auch von mehreren Kongressausschüssen untersucht. Der frühere Senator Joe Lieberman verzichtete inzwischen auf die Nachfolge Comeys an der Spitze der US-Bundespolizei. In einem am Donnerstag bekannt gewordenen Brief an Trump schrieb Lieberman, er wolle damit einen möglichen Interessenkonflikt vermeiden. Der parteilose Politiker verwies darauf, dass er früher in einer Kanzlei mit dem Anwalt Marc Kasowitz zusammengearbeitet habe, den Trump in der Affäre nun als Rechtsbeistand gewählt habe. Lieberman galt als Trumps Favorit für den Chefposten bei der Bundespolizei.

dpa/afp

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