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Kulisse für den großen Auftritt: Zum Dreikönigstreffen kommt die FDP im Stuttgarter Staatstheater zusammen.

Dreikönigstreffen

FDP startet mit Attacken ins Schicksalsjahr

Stuttgart - Es war der Auftakt für die Wahlkämpfe des Jahres – und Parteichef Christian Lindner nutzte das Dreikönigstreffen für eine Kursbestimmung. Doch die neue FDP unterscheidet sich gar nicht so stark von der alten.

Drinnen wird es langsam ruhiger, draußen steht Christian Lindner und lächelt die Anspannung weg. Der FDP-Chef hat ein Headset auf dem Kopf, reibt sich die Hände. Neben ihm stehen die drei Spitzenkandidaten für die anstehenden Landtagswahlen schon in den Startlöchern. „Gibt’s einen Gong oder sowas“, fragt Lindner in die Ruhe hinein. „Was sagt die Regie?“ Kein Gong. Geht gleich los. Ein Handzeichen, unter Applaus schreiten Lindner und die anderen in den Saal.

Dreikönigstreffen, der Auftritt des Jahres, dieses Jahr sogar noch ein Stück mehr. 2016 ist für die FDP das Jahr der Wahrheit. In drei Bundesländern wird gewählt. In Sachsen-Anhalt und in den liberalen Stammländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Liberale Stammländer. Gibt es sowas überhaupt noch? Das ist eben die Frage, nachdem die Partei aus dem Bundestag und etlichen Landesparlamenten geflogen ist.

Zuletzt gab es Achtungserfolge in Hamburg und Bremen. In den kommenden Wochen soll nun der große Angriff kommen. Als Vorlage für die Bundestagswahl im Herbst 2017. Aber wer ist diese Partei eigentlich inzwischen? Eine One-Man-Show namens Christian Lindner? Oder gibt es tatsächlich eine „neue FDP“, wie die Führung behauptet? Warum sollte man sie wählen? Darauf soll der Parteichef eine Antwort geben. Hier im prachtvollen Stuttgarter Staatstheater vor 1400 Gästen und Parteimitgliedern – und den Kameras aller großen Fernsehsender.

Die Show beginnt mit einem aufwändig inszenierten Einspieler. Ein Jogger rennt durch die Landschaft. Aus dem Off berichtet eine Stimme von den vielen schwierigen Situationen, die die FDP in ihrer Geschichte habe meistern müssen. Jedes Mal fand man Lösungen. Für die Partei. Vor allem aber für Deutschland. So zumindest die Erzählung.

Manches spricht dafür, dass es tatsächlich eine Sehnsucht nach den Zuständen der alten Bundesrepublik gibt, für die die FDP steht wie kaum eine andere Partei. Vielleicht auch eine Sehnsucht nach den alten Problemen. Bierdeckeltauglichkeit einer Steuererklärung, Eindämmung der kalten Progression – solche Dinge. Stolz berichtet man in Stuttgart, wer sich nun alles zur FDP bekennt. BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht ist in die Partei eingetreten. Der Ex-Chef des Maschinenbauers Trumpf, Berthold Leibinger, eigentlich CDU-Mitglied, wirbt offen. Zudem sind zwei ehemalige Bundesvorsitzende der Piratenpartei zur FDP übergelaufen. In vielen Umfragen schafft es die Partei wieder über die fünf Prozent im Bund. Auch die Werte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind gut. Sogar der Sprung in die Landesregierungen ist nach derzeitigem Stand nicht unwahrscheinlich.

Als erstes darf sich der Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Hans-Ulrich Rülke, präsentieren. Lindner und die anderen Redner sitzen in Ledersesseln auf der Bühne. Ein Pult gibt es nicht. Freie Rede ist gefragt. Rülke spricht fast im Stile eines Standup-Comedians: der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann, ein Bienen- und Pilzzüchter. Auch über den „kleinen Nils“ (Finanzminister Nils Schmid) und den „Flauten-Franz“ (Umweltminister Untersteller) lästert der FDP-Kandidat. Ganz neu ist das nicht. Aber unterhaltsam vorgetragen.

Aufmerksamkeit erregen, wahrgenommen werden – das ist schon viel wert. Kurz vor Dreikönig hatte Rülke das Bild eines jungen Mannes in knapper Badehose auf Facebook gepostet. Es zeigt ihn selbst als 19-Jährigen. Die Hose ist in Gelb und Magenta gehalten – den neuen Parteifarben. „Der Ursprung der neuen FDP“, witzelt Rülke.

Lindner: "Stehen nicht im Wettbewerb mit der AfD"

Dann der Höhepunkt im Staatstheater. Lindner tritt auf die Bühne. Als erstes erneuert er seine Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit ihrer Grenzöffnung habe sie „unseren Kontinent ins Chaos gestürzt“, ruft er. Statt des unkontrollierten Flüchtlingsstroms sei ein europäisch abgestimmtes Einwanderungsgesetz nötig. Von der AfD grenzt er sich scharf ab. „Wir stehen nicht im Wettbewerb mit der AfD“, behauptet er. „Am 13. März müssen Freiheit und Weltoffenheit stärker sein als Hass und Abschottung.“

Bei aller Krisenmanagement habe die Bundesregierung die Zukunftsfragen aus dem Blick verloren. Digitalisierung, Bildung – in der deutschen Politik sei ein „Update“ nötig. Die geplante Erbschaftssteuer? Mache den Mittelstand kaputt. Der Solidaritätszuschlag? Dringend abschaffen. Auch den eher linksliberalen Bürgerrechtlern gibt er Zucker. In der kommenden Woche werde er Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung einreichen. „Wir sind die Partei der Bürgerrechte und der sozialen Marktwirtschaft“, ruft Lindner. „Weil für uns Freiheit unteilbar ist.“ Nach der Rede wird er lange gefeiert.

Eine neue FDP? Am frühen Nachmittag ist im Foyer Aufbruchsstimmung. In der Menge treibt es auch Ex-FDP-Chef und Vorsitzenden der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung, Wolfgang Gerhardt, nach draußen. Er habe in der Rede die Klassiker der FDP-Politik wiedergefunden, freut sich der 72-Jährige. „Das hat er sehr gut gemacht.“

Til

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