Christian Lindner spricht beim FDP-Parteitag, daneben Kommentator Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur
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Ein Kommentar von Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur

Merkur-Kommentar

Der „unvollendete Lindner“: Zwei Wahlhelfer könnten die FDP tatsächlich in die Regierung bringen

  • Georg Anastasiadis
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Binnen Jahresfrist hat die FDP Umfragen zufolge ihre Wählerschaft verdreifacht. Das liegt paradoxerweise auch am grünen Zeitgeist. Ein Kommentar.

München - Kaum ein Land fremdelt so sehr mit dem Liberalismus wie das staatsgläubige Deutschland, und keine Partei wurde hier öfter totgesagt als die FDP. Gemessen daran erleben die Liberalen gerade eine spektakuläre Blüte: Binnen eines Jahres hat sich laut Umfragen die Zahl ihrer Anhänger verdreifacht. FDP-Chef Christian Lindner und die Seinen dürfen auf ihrem digitalen Wahlparteitag vier Monate vor der Bundestagswahl sogar davon träumen, zur drittstärksten Kraft in Deutschland aufzusteigen.

FDP träumt vom Treppchen: Liberalen besannen sich auf ihre Freiheits-DNA

Das ist erstaunlich, denn die Vorzeichen waren schlecht: Lange nahmen die Bürger der FDP deren Absage an die Jamaika-Koalition unter Merkel übel, dann katapultierte die Corona-Pandemie die Umfragewerte der regierenden Union zunächst in die Höhe, und gleichzeitig wehte der Zeitgeist den Grünen viel Wind in die Segel. Doch Lindner schaffte das Kunststück, sowohl das Virus als auch das Klima zu seinen Wahlhelfern zu machen und seine Partei zum zentralen Akteur auf beiden das Wahljahr dominierenden Politikfeldern zu formen:

Während die Grünen die Lockdown-Politik Merkels und Söders an Strenge noch überboten und in den Parlamenten mit der Regierung stimmten, besann sich die FDP ihrer Freiheits-DNA, kämpfte für die Bürgerrechte, ohne wie die AfD die Gefährlichkeit des Virus zu leugnen. Und jetzt, da Corona fast besiegt scheint, ist es die wachsende Furcht vor dem klimapolitischen Rigorismus der Grünen inklusive Steuererhöhungen und Klima-Lockdown, vor der Wähler Zuflucht bei der FDP suchen. Nicht mit Verboten versprechen die Liberalen das Klima zu retten, sondern indem sie durch Anreize die Marktkräfte für grüne Investitionen entfesseln.

Schafft Parteichef Lindner den Aufstieg in die Liga der FDP-Ikonen?

Mit 93 Prozent fuhr der Vorsitzende Christian Lindner bei seiner gestrigen Wiederwahl dafür das verdient gute Ergebnis ein. Für den bisher unvollendeten Parteichef böte ein Wahlerfolg im Herbst die Chance, in die Liga der FDP-Ikonen Genscher und Scheel aufzusteigen – wenn er es zugleich schafft, die Liberalen zurück in die Regierung zu führen. Ob das zusammen mit Grünen und Union in einem Jamaika-Bündnis gelingt oder mit Grünen und SPD in einer Ampel, dürfte der FDP am Ende egal sein. Noch einmal würde sich Lindner gewiss nicht bitten lassen.

Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

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