Provokant: Katja Suding im Hamburger Wahlkampf.

Wiederauferstehung

FDP: Auf dieser Frau ruhen alle Hoffnungen

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München - Das Dreikönigstreffen in Stuttgart war immer das Hochamt der FDP. 2015 nimmt die Partei erneut Anlauf, ihre Wiederauferstehung einzuleiten. Die Hoffnungen ruhen in diesem Jahr auf einer Frau aus Hamburg.

Neulich hat die FDP alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Endlich mal wieder. Katja Suding will im Februar in Hamburg die schier unendliche Reihe der FDP-Walniederlagen beenden. Früher hat die 40-Jährige in der PR-Branche gearbeitet – heute versteht sie es, Werbung in eigener Sache zu machen. Auf einem ersten Wahlplakat posierte sie unlängst neben dem Slogan „Unser Mann für Hamburg“. Dieses Hamburg war daraufhin zwar etwas verwirrt. Aber immerhin: Man sprach wieder über die FDP.

Das ist in diesen Tagen alles andere als selbstverständlich. Eineinhalb Jahre sind die Liberalen inzwischen von der großen politischen Bühne verschwunden: aus dem Bundestag, aus dem bayerischen Landtag. In der Folge stürzte die starke Sachsen-FDP – und selbst für eine Katja Suding könnte es eng werden. In den Umfragen dümpelt sie bei nur zwei Prozent. „Ich kenne die Situation eigentlich gar nicht anders“, sagt sie kämpferisch. „Vor vier Jahren lagen wir in den Umfragen auch unter fünf Prozent. Am Wahltag waren es dann knapp sieben.“

Solche Aussagen kennt man von Liberalen. In Bayern klangen sie im Herbst 2013 noch ganz ähnlich. Das Ende ist bekannt. Seitdem versucht die Partei wieder Fuß zu fassen. In unzähligen Sitzungen bastelte man am neuen Leitbild. Man dachte laut über einen neuen Namen nach. Parteichef Christian Lindner kündigte eine neue Farbe für das Parteilogo an. Auch das Dreikönigstreffen am Dienstag soll neu gestaltet werden. Nicht mehr fünf programmatische Reden in Folge.

"FDP macht derzeit einen höchst unprofessionellen Eindruck"

Ob’s was hilft? Nicht alle sind überzeugt. „Die FDP macht derzeit einen höchst unprofessionellen Eindruck“, sagt beispielsweise der Passauer Politikprofessor Heinrich Oberreuter. „Sie verschafft sich weder mit besonders originellen Aussagen Gehör, noch präsentiert sie attraktives Personal.“ Parteichef Lindner sei ja eigentlich ein guter Mann, findet der Politologe. „Aber es gelingt ihm nicht, Aufbruchstimmung zu erzeugen.“ Tatsächlich ist der erhoffte Jo-Jo-Effekt ausgeblieben: 2009 hatte die Partei unter dem inzwischen an Krebs erkrankten Guido Westerwelle noch 14,6 Prozent geschafft, 2013 stürzte sie auf 4,8. Doch statt sich wieder zu erholen, ging es bis auf zwei Prozent nach unten – so auch in der jüngsten Forsa-Umfrage vom 1. Januar. In den Grafiken der großen Fernsehsender verschwinden die Liberalen inzwischen unter dem Balken für die „übrigen Parteien“.

Trotzdem glauben sie in der Partei fest daran, dass sich die Stimmung dreht. „Der Prozess der Aufarbeitung ist jetzt abgeschlossen“, sagt der bayerische Parteivize Sebastian Körber. „Die Häme, die nach der Wahl über uns ausgeschüttet wurde, ist inzwischen weg“, beobachtet auch Katja Suding. Man werde jetzt Inhalte in den Vordergrund stellen, heißt es allerorten. „Es gäbe ja durchaus ein Klientel für diese Positionen“, diagnostiziert auch Politologe Oberreuter. „Es wird derzeit nur nicht angesprochen.“

Lindner selbst hat unlängst zugegeben, seine Partei sei aus dem „Wahrnehmungsfeld der Menschen“ verschwunden. „Wir stecken in einer Art Schweigespirale.“ Dabei wird er selbst durchaus noch in Talkshows eingeladen, der streitlustige Wolfgang Kubicki sowieso. „Für eine momentane APO-Partei sind wir in den Medien immer noch recht gut präsent“, findet Sebastian Körber. Es gehe jetzt darum, das „Lebensgefühl Freiheit“ (jeder soll nach seiner Façon glücklich werden) mit Inhalten zu füllen. „Wir müssen uns natürlich auf unsere liberalen Kernanliegen wie Selbstbestimmung und Marktwirtschaft konzentrieren. Aber es muss trotzdem auch um liberale Lösungen für alle Themen gehen, die die Menschen bewegen – nicht um Klientelpolitik.“

Vielleicht braucht die Partei auch nur ein Erfolgserlebnis. In Hamburg zum Beispiel. „Die Schwäche der CDU ist eine große Chance für uns“, glaubt dort Katja Suding. Die Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft umwirbt vor der Wahl offen die SPD. „Es zeichne sich ab, dass Bürgermeister Olaf Scholz künftig einen Koalitionspartner brauche. „Die Wähler müssen sich fragen, ob sie noch einmal ein rot-grünes Elend wagen wollen“, sagt Suding. Sie sehe „Schnittmengen“ mit der SPD. „Wir sollten da ganz offen sein. Den schwarz-gelben Automatismus habe ich immer abgelehnt.“

Das wäre natürlich der Glücksfall für Lindner, der schon lange eine Öffnung in Richtung SPD betreibt: Weg von Angela Merkel. Weg vom Verliererimage. Und vor allem: Raus aus der Schweigespirale.

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