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Bitte abtreten: Christian Lindner weist Philipp Rösler und Rainer Brüderle den Weg.

Führungswechsel beim Parteitag

Die Gesichter der neuen FDP

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Berlin/München - Die geschundene FDP formiert sich neu. Am Wochenende übernimmt Christian Lindner die Parteispitze. Er will die Liberalen sympathischer machen, mitfühlender. Und erfolgreicher. Trotzdem droht Streit auf offener Bühne.

Macht und Ohnmacht liegen so nah beieinander. Im ausrangierten Postbahnhof am Gleisdreieck in Berlin wird die SPD in einer Woche die Stimmen für ihren Eintritt in die Bundesregierung auszählen. Es ist die gleiche Halle, in der die FDP an diesem Wochenende ihren Rauswurf aus Regierung und Parlament betrauert, die vielen Wunden leckt und sich neu aufstellt.

Nicola Beer (43) aus Hessen soll neue Generalsekretärin werden.

Im alten Bahnhof aus der Kaiserzeit entscheidet sich für die FDP: Neustart oder Abstellgleis. Die Bundespartei setzt alles auf Christian Lindner (34) als neuen Vorsitzenden. Er möchte der FDP ein neues Gesicht geben. „Abstoßend“ und „kalt“ habe sie gewirkt und so die Wähler vergrault, beklagt er. Chancengleichheit, bessere Bildung, Schutz der Privatsphäre, das sollen die neuen FDP-Megathemen werden, weniger das alte Thema Steuern.

Katja Suding (37) aus Hamburg kandidiert für das FDP-Präsidium.

Das klingt gut, ist jedoch nicht neu. Auch der bisherige Parteichef Philipp Rösler hatte zeitweise den weicheren Kurs versucht – erfolglos. In der Partei gibt es deshalb Zweifel, ob es Lindner gelingen wird, so durch 1400 Tage außerparlamentarische Opposition zu lenken, dass die FDP 2017 wieder in den Bundestag einzieht. Und kurzfristig bei der Europawahl im Mai ein Abrutschen unter die dort gültige Drei-Prozent-Hürde zu verhindern. Mit welchem Ergebnis Lindner gewählt wird, dürfte von seiner Grundsatzrede abhängen. Und von der Stimmung auf dem Parteitag. Wie unkalkulierbar das Grollen der Basis ist, durfte die FDP ja jüngst schon in Bayern feststellen, als das einfache Mitglied Albert Duin mit einer Spontankandidatur zum Landeschef alle etablierten Parteifreunde deklassierte. Auch Lindner wird von zwei unbekannten Basis-Mitgliedern herausgefordert.

Friedlich ist die Lage keineswegs. Der smarte Lindner bemüht sich zwar, Gräben zu verdecken. Er will seinen Neuanfang mit abstrakten, nicht persönlichen Schuldzuweisungen gegen die scheidende Spitze würzen. Auch darf Rösler am Samstag 30 Minuten zum Abschied reden. Doch dieser Auftritt des Noch-Vizekanzlers ist unkalkulierbar. Jüngst hatte Rösler bei einer Rede in seiner Heimat Niedersachsen geklagt, ihm sei auf Bundesebene zu wenig Charakter begegnet. Ruppig verabschiedet sich auch Generalsekretär Patrick Döring. Er wirft der FDP Rassismus im Umgang mit Rösler vor. „Der Vietnamese“ sei Rösler an den Stammtischen von Liberalen genannt worden, Abgeordnete hätten nur „halbherzig widersprochen“.

Marie-Agnes Strack- Zimmermann (55) will Vize-Parteichefin werden.

Lindner kann zudem seine Führungsmannschaft kaum vorhersehen. Generalsekretärin soll die hessische Noch-Kultusministerin Nicola Beer werden. „Gewinnend, kompetent, durchsetzungsstark“, schmeichelt er der 43-Jährigen. Um alle anderen Posten drohen Kämpfe. Dabei warf der als Vize eingeplante Volker Zastrow schon hin. Der Sachse (nur hier regiert die FDP noch!) teilte Lindner per Interview mit, Berlin spiele „keine so große Rolle mehr“. Und auch die Bayerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verlässt die Parteispitze. Sie hofft auf einen Wechsel zum Europarat im Juni, außerhalb der Parteipolitik. Die Kandidaten für die Spitze sind nun, vom Kieler Querkopf Wolfgang Kubicki und dem Eurorebell Frank Schäffler abgesehen, wenig bekannt. Neue Gesichter sind zum Beispiel die temperamentvolle Kommunalpolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (55), die gerade Düsseldorf entschuldet. Oder Katja Suding, die in der Hamburger Bürgerschaft die FDP-Fraktion führt und in der Hansestadt viel mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Absprachen sind wackelig. Duin, der Überraschungsbayer, beteiligt sich mit seinen 81 Delegierten zum Beispiel aus Prinzip nicht an Schachereien. „Ich lass mich nicht einfangen“, verkündet er, ging manchmal einfach nicht ans Handy. „Die sollen sich alle vorstellen und einen guten Eindruck hinterlassen.“ Lindner und Schäffler („wir brauchen alle Extreme innerhalb des liberalen Gedankens“) will Duin aber unterstützen. Bayern für die enge Parteispitze kann er nicht bieten. Lediglich als Beisitzer kandidieren Horst Meierhofer, Jimmy Schulz und Nadja Hirsch.

Christian Deutschländer und Mike Schier

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