Volker Wissing, Generalsekretär der Bundes-FDP (Archivbild)
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Volker Wissing, Generalsekretär der Bundes-FDP (Archivbild)

„Trial and Error. Trial and ...“

Ausgerechnet die „Digitalpartei“: Landes-FDP bricht digitalen Parteitag ab - Applaus-Symbol muss herhalten

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Für die FDP Rheinland-Pfalz war es kein schöner Tag. Sie mussten am Samstag ihren digitalen Parteitag abbrechen, ausgerechnet wegen technischer Probleme.

Mainz - Einen Parteitag abbrechen zu müssen ist für eine Partei aus vielerlei Gründen unangenehm. Gerade jetzt, während der Corona-Pandemie, müssen die Parteien jedes mal technische Probleme fürchten, da die Veranstaltungen digital ablaufen. Bei den „Anfängern“, also etwa dem Parteitag der Grünen 2020 und beim CDU-Parteitag Anfang 2021 schauten alle gespannt hin: Klappt alles reibungslos?

Die FDP in Rheinland-Pfalz dürfte sich jetzt besonders ärgern. Sie musste am Samstag ihren Parteitag abbrechen - der Grund: technische Probleme mit dem Abstimmungssystem. Auf Twitter sind vereinzelt Bemerkungen zu lesen wie: „War die FDP nicht die Digitalpartei?“

FDP Rheinland-Pfalz bricht digitalen Parteitag ab - ausgerechnet die „Digitalpartei“

Rasch kommen Erinnerungen an gern zitierte Wahlkampfsprüche hoch: „Digital first, Bedenken second“. Oder die Plakate der Bundestagswahl 2017 mit FDP-Chef Christian Lindner und dem Spruch: „Digitalisierung ändert alles. Wann ändert sich die Politik?“

Für die FDP in Rheinland-Pfalz ändert sich im Landesvorstand jedenfalls erst einmal nichts. Bei dem Treffen sollte das Gremium neu besetzt werden, nun ist der Parteitag verschoben worden. Formell wurde er „für unbestimmte Zeit“ unterbrochen. Die Delegierten werden zu einem neuen Termin eingeladen.

Abbruch des digitalen Parteitags der rheinland-pfälzischen FDP: Mehrmalige Versuche und Unterbrechungen halfen nichts

Doch dafür muss die Technik erst einmal wieder funktionieren. Bereits kurz nach Beginn des Treffens um 10 Uhr kam es zu ersten Problemen bei einzelnen Abstimmungen. Auch nach mehrmaligen Versuchen und Unterbrechungen konnten diese nicht behoben werden. Gegen 13.30 Uhr folgte dann die Entscheidung des Parteitagspräsidiums, das Treffen erst einmal zu beenden. Die FDP habe auf das „sichere und zertifizierte System“ Polyas gesetzt. „Wir haben darauf vertraut, dass das funktioniert“, sagte der Landesvorsitzende und FDP-Generalsekretär Volker Wissing. Doch augenscheinlich war einfach nichts zu machen. „Der Dienstleister, der uns sein Online-Abstimmungssystem zur Verfügung stellt, kann auf die Schnelle die technischen Probleme an seinem zertifizierten Tool nicht lösen, sodass wir dazu gezwungen sind, neu einzuladen“, schreibt die Partei auf Twitter.

Am Ende war es natürlich für die Delegierten auch nicht möglich, über den Abbruch abzustimmen. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, konnten sie aber per Applaus-Symbol im Chat ihre Zustimmung ausdrücken. Von der Möglichkeit, Bedenken gegen den Abbruch in einem Wortbeitrag anzumelden, machte demnach niemand Gebrauch.

FDP-Landesvorsitzender Volker Wissing regiert auf den Abbruch noch einmal via Twitter - in Slogan-Form

Dabei hatte die Technik am Donnerstagabend noch funktioniert. Bei diesem außerordentlichen Parteitag stimmten die Delegierten dem Koalitionsvertrag mit SPD und Grünen für eine weitere Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz zu. Inhaltlich kritisierte Wissing in seiner Rede zu Beginn des Parteitags - als das abrupte Ende noch niemand absehen konnte - erneut die Corona-Politik der Bundesregierung. Sie habe in der Pandemie „planlos“ gehandelt. Die Corona-Krise habe viele vorhandene Probleme in Deutschland aufgedeckt.

Am Nachmittag positionierte sich Wissing noch einmal über seinen Twitter-Account zu dem Abbruch und schrieb: „FDP auch so“ - Daumen hoch und Zwinker-Smiley. Dazu ein Bild mit einem Slogan im typischen FDP-Schriftzug in magenta-pink auf gelbem und blauem Untergrund: „Trial and Error. Trial and Error. Trial and Erfolg.“ Er bleibt also zuversichtlich. (cibo)

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