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Lindners Ampel-Männer: Diese FDP-Kandidaten könnten Minister werden

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Von: Andreas Schmid

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Christian Lindner zusammen mit Volker Wissing und Marco Buschmann
Christian Lindner (r) ist das Gesicht der FDP. Die möglichen künftigen Minister in einer sich anbahnenden Ampel-Koalition sind derweil weniger präsent. Ein Überblick. © Paul Zinken/AFP

Deutschland wird wohl bald von einer Ampel-Koalition regiert. Dann kommen auch der FDP wichtige Posten zu. Welche Namen werden gehandelt?

Berlin - Für einige Beobachter gilt die FDP als Gewinnerin der bisherigen Ampel-Verhandlungen. Die Freien Demokraten haben im jüngst veröffentlichten Sondierungspapier nicht wenige ihrer Forderungen durchgebracht: Keine Steuererhöhungen, kein Tempolimit - dafür weiter die Schuldenbremse.

Um die Politik im Land gestalten zu können, braucht es aber auch entsprechende Ministerien. Ein Schlüsselressort ist das Finanzministerium, aber auch andere Posten werden diskutiert. Bleibt die Frage: Mit welchem Personal geht die FDP in eine mögliche neue Regierung? Und werden auch Frauen im Liberalen-Paket enthalten sein, wie es die Grünen fordern? Ein Überblick.

Christian Lindner: Kann er Habeck im Finanzministerium ausstechen?

Dass Parteichef Christian Lindner ein Ministerium bekommt, ist eigentlich sicher - dass es das Finanzministerium werden soll, gleichzeitig kein großes Geheimnis. Der prominenteste Kopf seiner Partei hatte sich im Wahlkampf sogar selbst für den Posten vorgeschlagen. Konkurrenz erhält er von Grünen-Co-Chef Robert Habeck, der ebenfalls als möglicher Finanzminister gehandelt wird. Er soll sich aber bereits anderweitig umschauen und auf das Amt des Innenministers schielen. Dann wäre der Weg für Lindner als Finanzminister frei.

Volker Wissing: Generalsekretär auch in Bundes-Ampel gefragt

Volker Wissing tritt in diesen Tag an vorderster Front auf. Der FDP-Generalsekretär steht bei den vieln Ampel-Presseterminen zusammen mit Lars Klingbeil und Michael Kellner, seinen Amtskollegen von SPD und Grünen, Rede und Antwort. Ein Ministeramt in einer neuen Regierung ist dem studierten Juristen zuzutrauen. Der Landesvorsitzende der FDP Rheinland-Pfalz war in seinem Heimatbundesland Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie stellvertretender Ministerpräsident. Er bekleidete dieses Amt übrigens in einer Ampel-Koalition unter SPD-Regierungschefin Malu Dreyer.

Wolfgang Kubicki: „Ich wollte noch nie in meinem Leben in ein Kabinett“

Wolfgang Kubicki ist nach Lindner der wohl präsenteste FDP-Politiker in Deutschland. Ihn mit einem Ministeramt in Verbindung zu bringen, überrascht daher nicht. Doch der 69-Jährige hatte zuletzt überraschend deutlich einem Ministeramt eine Absage erteilt. „Ich wollte noch nie in meinem Leben in ein Kabinett und verstehe auch nicht, warum immer alle glauben, das sei das Nonplusultra“, sagte er vor der Bundestagswahl der Augsburger Allgemeinen. Bei den Koalitionsgesprächen ist der Parteivize in der Arbeitsgruppe Innere Sicherheit, Bürgerrechte, Justiz, Verbraucherschutz, Sport mit dabei. (Der Koalitionspoker läuft - wie es weitergeht, erfahren Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Alexander Graf Lambsdorff: Ex-Diplomat als neuer Außenminister?

Was es bedeutet, ein Ministeramt in einer Bundesregierung zu bekleiden, ist im Hause Lambsdorff bekannt. Alexander Sebastian Léonce von der Wenge Graf Lambsdorff, so der ganze Name des FDP-Politikers, ist der Neffe des ehemaligen Finanzministers Otto Graf Lambsdorff (FDP). Der 54-Jährige könnte schon bald in dessen Fußstapfen treten - wenn auch nicht als Finanzminister. Lambsdorff hat eine Diplomatenvergangenheit und gilt in den FDP-Reihen daher als der perfekte Kandidat für das Außenministerium. In den Koalitionsverhandlungen leitet er die Arbeitsgruppe Außen, Sicherheit, Verteidigung, Entwicklung, Menschenrechte. Problem: Auch die Grünen beanspruchen das Amt. Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wird gehandelt.

FDP-Politiker Alexander Lambsdorff im Bundestag
FDP-Politiker Alexander Lambsdorff war von 2004 bis 2017 war er Mitglied des Europäischen Parlaments und dort Vorsitzender der FDP-Gruppe © Kay Nietfeld/dpa

Marco Buschmann: Aussichtsreicher Kandidat für Ministeramt

Marco Buschmann ist Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion. Er gehört dem vierköpfigen Team an, dass die Koalitionsgespräche federführend leitet. Buschmann ist gelernter Jurist und arbeitet als Anwalt. Der Gelsenkirchener gilt als Kandidat für das traditionell gerne von der FDP besetzte Justizministerium. Auch im Wirtschaftsministerium ist Buschmann vorstellbar.

Johannes Vogel: Neues Gesicht in neuem Ministerium?

Johannes Vogel kümmert sich in den Koalitionsverhandlungen um zwei Bereiche. Sozialstaat, Grundsicherung, Rente sowie die Gruppe Arbeit. Der 39-Jährige zählt zu den neuen Gesichtern der Partei, die für eine junge, moderne FDP stehen. Vogel war jahrelang Vorsitzender der Jungen Liberalen, sitzt im Bundesvorstand und ist Generealsekretär in Nordrhein-Westfalen. Dort, in Lindners Heimat, regiert die FDP. Ein Umstand, der Vogels Chancen nicht schmälern sollte. Er gilt dennoch nur als Außenseiterkandidat.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann: Verteidigungsministerium im Fokus?

Marie-Agnes Strack-Zimmermann gilt als die Frau in der FDP mit den größten Chancen auf ein Ministeramt. Die gebürtige Düsseldorferin ist Mitglied im FDP-Bundesvorstand und gilt als über Parteigrenzen hinweg geschätzte Verteidigungsexpertin. Das derzeit von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) geleitete Verteidigungsministerium könnte zu Strack-Zimmermann passen. Vorausgesetzt, die FDP bekommt es zugesprochen. Die SPD gilt als Anwärter mit den besten Chancen auf das Amt. Strack-Zimmermann wurde darüber hinaus auch als Bundespräsidentin gehandelt. Problem: Auch hier steht die SPD in Person von Frank-Walter Steinmeier im Weg.

FDP-Verteidigungsexpertin Strack-Zimmermann bei einer Rede im Bundestag
Ist FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann in einer neuen Regierung als Ministerin vertreten? © Fabian Sommer / dpa

Bettina Stark-Watzinger: Überraschungskandidatin ins Bildungsministerium?

Etwas unter dem Radar fliegt bisher Bettina Stark-Watzinger. Die Vorsitzende der FDP Hessen sitzt ebenfalls im Parteipräsidium sowie im Bundestag und war an den Sondierungsgesprächen beteiligt. Bei den Koalitionsgesprächen tritt sie als eine von vier Verhandlungsführern auf. Ein Zeichen auf spätere Ministerienposten? Focus Online bringt die gebürtige Frankfurterin nun mit den Posten der Bildungs- oder Entwicklungshilfeministerin in Verbindung. Stark-Watzinger gilt demnach als aussichtsreiche Kandidatin. Regierungserfahrung bringt die 53-Jährige keine mit. Auf Anfrage von Merkur.de will sich Stark-Watzinger nicht an Personaldiskussionen beteiligen und verweist auf die anstehenden Gespräche. Ihre Devise: „Erst die Inhalte klären und dann über Ämter reden.“

Nicola Beer: Von Brüssel nach Berlin?

Als mögliche Kandidatin, die bisher kaum in der Öffentlichkeit genannt wurde, kommt Nicola Beer infrage. Die Hessin ist Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Die langjährige FDP-Generealsekretärin zog es 2019 ins Europäische Parlament. Nun könnte sie womöglich in die Bundespolitik wechseln. Bei den Koalitionsgesprächen ist sie mit der Arbeitsgruppe Europa schon einmal vertreten.

Nicola Beer (l) war 2018 bei den Jamaika-Verhandlungen beteiligt.
Nicola Beer (l) war 2018 bei den Jamaika-Verhandlungen beteiligt. © AFP / TOBIAS SCHWARZ

Ampel-Koalition: Neue Regierung schon am Nikolaustag?

Darüber hinaus gibt es weitere Kandidaten, die gegebenenfalls für ein Ministeramt infrage kommen könnten: Der aktuelle stellvertretende NRW-Ministerpräsident Joachim Stamp, die frühere Generalsekretärin Linda Teuteberg sowie die Vorstandsmitglieder Lydia Hüskens, Harald Christ und Michael Theurer.

In der FDP wird derzeit, wie auch bei SPD und Grünen, betont, dass man sich nicht mit Ministerposten beschäftigen möchte. Bis die Frage nach der Besetzung geklärt ist, dauert es aber wohl nicht mehr lange. Denn die Ampel-Koalierer wollen bis Ende November erste Ergebnisse präsentieren, sodass schon in der Nikolauswoche eine neue Regierung stehen könnte. Dann wird auch klar sein, wem welches Ministeramt zugesprochen wird. Bislang wird darüber angeblich nicht geredet, wie Habeck im ARD-Talk „Anne Will“ versicherte - „Schattenboxen“, lautete sein knappes Verdikt zu den Spekulationen. (as)

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