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Stammstrecken-Ausbau: Klagen gegen S-Bahn-Tunnel

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Der S-Bahn-Tunnel ist die am meisten befahrene Bahnstrecke Deutschlands. Nun soll Entlastung kommen. © Haag

München - Dem Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels droht neues Ungemach. Anlieger der Altstadt fürchten Belästigungen durch die Großbaustelle und haben Klagen eingereicht. Zudem muss wieder einmal umgeplant werden.

An diesem Montag wollen Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und OB Christian Ude (SPD) ein Geheimnis lüften, das eigentlich keines mehr ist. Es geht um die Zukunft des Münchner Nahverkehrs und um die Frage, ob parallel zur S-Bahn-Stammstrecke ein zweiter Tunnel gebaut wird. Nach Protesten von Grünen, FDP und CSU im Rathaus sollte das Bauvorhaben mit dem Ausbau des Bahn-Südrings verglichen werden. Das Ergebnis der Studie, die die Tunnelbefürworter Zeil und Ude in Auftrag gegeben hatten, wurde schon vorab bekannt: Der Südring ist durchgefallen und soll in punkto Wirtschaftlichkeit schlechtere Werte vorweisen als die Röhre.

Die Probleme für den zweiten 7,3 Kilometer langen Tunnel, der nach Angaben des Verkehrsministeriums 1,6 Milliarden Euro und laut einem Gutachten der Grünen 2,5 Milliarden kosten soll, sind damit aber nicht ausgeräumt. Die politische Diskussion wird weitergehen. Außerdem liegen für den Planfeststellungsabschnitt 2 zwischen Stachus und Isar schon 19 Klagen vor, die vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof verhandelt werden. Dies bestätigte das Eisenbahn-Bundesamt, das im August den Planfeststellungsbeschluss für diesen Abschnitt erlassen und so grünes Licht für den Bau gegeben hatte.

Offenbar aber fühlen sich gerade Anlieger von den Baumaßnahmen gestört, die Teile der Altstadt – darunter der Marienhof – über Jahre in eaustelle verwandeln werden. Das Eisenbahn-Bundesamt habe Widersprüche der Betroffenen „kategorisch abgelehnt“, sagte Wolfgang Fischer vom Einzelhändler-Verbund City-Partner. „Das war schon merkwürdig.“ Dennoch betonte Fischer: Die Betroffenen seien für den Tunnel, hätten aber Zweifel an der Bauausführung. Das Erzbischöfliche Ordinariat, das lange um die Standsicherheit der Frauenkirche fürchtete, erklärte hingegen auf Anfrage, das es keine Klage gegen den Bau des Tunnels erhoben habe.

Probleme gibt es offensichtlich auch im westlichen Planfeststellungsabschnitt 1. Hier muss im Bereich von Laim, wo die Strecke noch oberirdisch verläuft, wegen notwendig gewordener Lärmschutzmaßnahmen umgeplant werden. Wie eine Sprecherin des Verkehrsministeriums mitteilte, erwarte die Bahn den Planfeststellungsbeschluss für diesen Abschnitt in der zweiten Jahreshälfte 2010. Das zuständige Eisenbahn-Bundesamt war weniger optimistisch und erklärte, ein Beschlusserlass sei 2011 denkbar.

Am wenigsten weit sind die Planungen für den östlichen Abschnitt des Tunnels zwischen Isar und Ostbahnhof. Zweimal musste die Bahn umplanen. „Haidhausen 3“ heißt nun die aktuelle Variante mit Trassenführung unter der Kellerstraße. Die Bahn werde die Pläne Anfang 2010 einreichen, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Ob wie vorgesehen ein Planfeststellungsbeschluss bis 2011 möglich ist, bleibt fraglich. Auch deshalb, weil in Haidhausen die Bürgerinitiative „Tunnelaktion“ weiter aktiv ist. „Wir sind bereit, den Widerstand fortzusetzen“, versichert die Vorsitzende Ingeborg Michelfeit.

Dennoch: Die Bahn strebe an, den Tunnel bis zu möglichen Olympischen Spielen 2018 in Betrieb zu nehmen, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Ziel sei, „einen Baubeginn je planfestgestelltem Abschnitt zu ermöglichen“. Das heißt aber: Sollte schon gebaut werden und an anderer Stelle eine Baugenehmigung scheitern, müsste das Loch wieder zugeschüttet werden.

Der Landtagsabgeordnete Markus Blume (CSU) bleibt ob des Zeitplans skeptisch. Es wäre ja schön, eine Ertüchtigung des Bahnknotens München schnell hinzubekommen, sagt er. „Das Ziel Olympia scheint aber mehr als ambitioniert.“

Matthias Kristlbauer

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