Bundestagswahl

FDP schickt neue Gesichter nach Berlin

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In der FDP hat die Neuaufstellung nach dem Desaster-Jahr 2013, als die Liberalen aus den Parlamenten in Bund und Bayern flogen, manche Narben hinterlassen. Jetzt positioniert sich ein neues Team für Bayern - und den Bund.

Bad Neustadt – Nach seiner Rede, auf dem Weg zum Platz, ballt Daniel Föst die Hand zur Faust und hält sie seinem Parteichef hin. Faust an Faust grüßen sich Föst und Albert Duin, feixend. Eine in der Politik eher seltene Geste, in Bayerns FDP aber vielleicht passend: Abstimmungen sind hier immer ein harter Kampf mit bisweilen überraschenden Siegern. Föst, der FDP-Generalsekretär, aber sichert sich mit einer guten Rede das, was er und die aktuelle Führung der Liberalen wollten: seine Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl.

Mit 84,5 Prozent wählen ihn die Delegierten des Landesparteitags in Bad Neustadt auf Platz 1 der Liste. Er sei „angespannt im Vorfeld gewesen“, sagt er hinterher. Das hat Gründe: In der FDP hat die Neuaufstellung nach dem Desaster-Jahr 2013, als die Liberalen aus den Parlamenten in Bund und Bayern flogen, manche Narben hinterlassen. Föst zählt klar zum neuen Team, das die Wichtigen aus der Legislaturperiode bis 2013 in einer Kampfabstimmung fast überfallartig abgelöst hatte. Weil die Umfragewerte wieder besser sind, ist nun das Interesse an Listenplätzen sehr hoch.

Der Münchner Föst, 40, kommt ohne Gegenkandidaten durch. „Mich hat geprägt, aus einem Unternehmer-Haushalt zu kommen“, umschmeichelt er die über 400 Liberalen im Saal. Die aktuelle Politik sehe in Unternehmern leider „nicht das Pferd, das den Karren zieht, sondern die Kuh, die man melken kann“. Er spottet über SPD und Union, über „Sankt Martin oder unsere Rautenstabilität“. Die Raute, ein Gruß an Merkel.

Plätze sind umkämpft

Föst hat jetzt, falls die FDP bundesweit über fünf Prozent kommt, sein Bundestagsmandat sicher. Für alle weiteren Listenplätze in Bayern gilt als grobe Faustformel: ein Sitz für jedes Prozent. Dementsprechend umkämpft sind alle weiteren Plätze. Schon auf Platz zwei treten die drei stellvertretenden Landesvorsitzenden, alles Franken, gegeneinander an. Der versierte Haushaltspolitiker Karsten Klein gewinnt in der Stichwahl mit 55 Prozent vor der Unternehmerin Britta Dassler. Ungewöhnlich: Der von Landeschef Duin offen unterstützte Ex-Bundestagsabgeordnete und Architekt Sebastian Körber unterliegt klar, wird in der Folge komplett nach hinten durchgereicht. Auch Dasslers Absprache, sich die Stimmen aus Oberbayern und Schwaben zu organisieren, hält nicht.

Den Dreikampf um Platz drei sichert sich nach mehreren Wahlgängen Katja Hessel. Die 44-Jährige aus Nürnberg ist zwar ein Bundestagsneuling, hat aber schon politische Erfahrung: Sie war Staatssekretärin im ersten Kabinett Seehofer. Ihr Auftritt in Bad Neustadt ist selbstkritisch. „Ich habe in der Zeit sicher Fehler gemacht“, sowas mache sie aber nur einmal. Sie habe auch viel gelernt 2008 bis 2013. Interessant an diesem Wahlgang: Die Radiojournalistin Britta Hundesrügge, obwohl von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger höchstselbst vorgeschlagen, fällt mehrfach durch. Der frühere Telekom-Topmanager Thomas Sattelberger (67) bekommt Platz 5, der als sicher gilt, wenn die FDP wieder den Sprung in den Bundestag schafft. Ex-Landtagsfraktionschef Thomas Hacker, der 2013 Landesvorsitzender werden wollte, erhält nur Rang 10.

Der Tenor der Delegierten ist klar: Neue Gesichter nach Berlin, aber bitte keine zu neuen. Und von der Spitze vorschreiben lässt man sich nichts. „Wir sind ja keine Kaderpartei wie CSU oder Linke“, spöttelt ein Ex-Abgeordneter. 

Die FDP-Liste im Überblick: 1. Daniel Föst 2. Karsten Klein 3. Katja Hessel 4. Jimmy Schulz 5. Thomas Sattelberger 6. Lukas Köhler 7. Stephan Thomae 8. Uli Lechte 9. Britta Dassler 10. Thomas Hacker

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