1. Startseite
  2. Politik

FDP-Pleite in NRW – Wahlforscher sieht zwei Gründe: Corona-Groll und einen Lindner-„Fehler“

Erstellt:

Von: Franziska Schwarz

Kommentare

NRW-Wahl 2022: FDP-Chef Christian Lindner im Wahlkampf auf der Bühne am Schadowplatz in Düsseldorf
Endspurt im NRW-Landtagswahlkampf: Christian Lindner in Düsseldorf © Piero Nigro /aal.photo/Imago

Die FDP bleibt in NRW nur knapp im Landtag. 2017 sah es für sie noch viel rosiger aus. Warum läuft es für die Liberalen nicht rund?

München - Die vergangenen fünf Jahre haben die Liberalen in Düsseldorf mitregiert, doch bei der NRW-Wahl 2022 folgte nun die Pleite: nur 5,9 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen statt 12,6 Prozent wie im Jahr 2017. Rein rechnerisch ist im einwohnerstärksten Bundesland nun eine Ampel-Koalition wie im Bund möglich; NRW-FDP-Spitzenkandidat Joachim Stamp glaubte im WRD nach ersten Hochrechnungen lieber fest an Schwarz-Grün: „Die Frage stellt sich nicht.“

Von einem „traurigen Abend“ sprach Parteichef Christian Lindner auf Twitter und versprach: „Das werden wir analysieren“. Das machen am Morgen nach dem Wahlabend auch andere: Die FDP habe in NRW immer nur mit herausragenden Persönlichkeiten wie Jürgen Möllemann und Lindner gut abgeschnitten, sagte etwa Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Uni Duisburg der Nachrichtenagentur dpa.

Ansonsten hätten sich die Liberalen in NRW immer schwer getan. NRW galt lange als „Stammland“ der SPD. Hinzu komme, dass „das marktwirtschaftliche Element“ im Kabinett von Kanzler Olaf Scholz (SPD) derzeit nicht wirklich nicht sichtbar sei, so Korte.

NRW-Wahlpleite für FDP: Bildungspolitik als „grundlegendes Problem“?

Wahlforscher Jürgen Falter sieht indes die Corona-Politik der Liberalen als Grund für ihr schlechtes Abschneiden. „In Corona-Zeiten Freiheit den Vorzug vor Sicherheit zu geben, kommt bei älteren Menschen nicht gut an“, sagte der Mainzer Politikprofessor der Augsburger Allgemeinen vom Montag (16. Mai). „Gefährdete Bevölkerungsgruppen entscheiden sich lieber für die Sicherheit einer Maske, statt für die Freiheit sie wegzulassen.“ Die FDP hat laut ersten Wahlanalysen in NRW vor allem in der Wählergruppe der Älteren stark an Stimmen eingebüßt.

Aber nicht nur in dieser Gruppe. Zeit Online wies daraufhin, dass die Liberalen auch unter Beamten und Frauen Stimmen einbüßt haben, und sieht das Problem in deren Bildungspolitik - Zitat: „ein grundlegendes Problem der FDP insgesamt“. Kaum eine andere Partei in Deutschland rede so viel über „Chancengerechtigkeit“, und doch habe die FDP-NRW-Bildungsministerin in der vergangenen Legislaturperiode weniger Geld in die „jüngsten Köpfe“ investiert als in jedem anderen Bundesland.

Bundes-FDP schon vor NRW-Wahl laut Experte in „unglücklicher Situation“

Zurück zu den 12,6 Prozent von 2017. Für den FDP-Landesverband in NRW waren sie damals ein Rekordergebnis. Im selben Jahr kehrten die Liberalen unter Spitzenkandidat Lindner in den Bundestag zurück, aus dem sie 2013 geflogen waren. Aktuell ist die Bundes-FDP sogar Teil der Ampel-Koalition.

Dort sieht sie Falter im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen allerdings in einer „sehr unglücklichen Situation“. Angesichts des Ukraine-Kriegs sei es „vielleicht ein Fehler, diesmal das Finanzministerium zu übernehmen und nicht das Außenministerium“. Finanzminister Lindner sei durch den Krieg und die Pandemie gezwungen, in sehr großem Maße neue Schulden aufzunehmen - „was nicht mit seiner bisherigen Rhetorik zusammenpasst“, so Falter. (frs mit Material von dpa und AFP)

Auch interessant

Kommentare