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Der unglückliche Foto-Post der SPD Berlin

Steinmeier als neuer Bundespräsident

Sozialdemokratischer Schlossherr? Böse Kritik an SPD-Post

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Berlin - Frank-Walter Steinmeier wird am Sonntag wohl zum Bundespräsidenten gewählt. Die Berlin-SPD freute sich aber zu früh - und mit den falschen Worten. Es folgte ein Shitstorm.

Die Bundespräsidentenwahl am Sonntag wird wohl nicht zu den spannendsten politischen Momenten im Jahr 2017 zählen - es müsste schließlich schon mit dem Teufel zugehen, damit Frank-Walter Steinmeier (SPD) nicht mit den Stimmen der Großen Koalition zum Nachfolger Joachim Gaucks gewählt wird. 

Das vor dem Wahltag zu konstatieren, ist an sich nicht besonders gewagt. Der Berliner SPD ist trotzdem das kleine Kunststück gelungen, mit einem vorfreudigen Facebook-Post zur Bundespräsidentenwahl deutlich zu weit zu gehen. Steinmeiers Genossen aus der Hauptstadt sorgten so tatsächlich doch noch für einen Aufreger.

CDU und Twitter-Nutzer spielen „finde den Fehler“

„Wir freuen uns auf den neuen sozialdemokratischen Schlossherrn“ hatte die Berlin-SPD in ein Foto des Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, geschrieben. Ein simples Posting, das Vertreter der anderen Parteien und viele Twitter-Nutzer als ergiebige Quelle für Kritik nutzten. Ganz nach dem alten Rätsel-Motto „Finde die Fehler“.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber twitterte etwa, er hoffe, Steinmeier werde „ab morgen der Präsident für alle Deutschen und nicht für die SPD Berlin“ sein. Sein Parteifreund Peter Altmaier ergänzte: Wer den Bundespräsidentschaftskandidaten Steinmeier „für eine Partei vereinnahmt, schadet ihm und uns!“.

Damit spielten Tauber und Altmaier - bewusst oder unbewusst - auf ein ungeschriebenes Gesetz an: Üblicherweise lässt der Bundespräsident aufgrund des überparteilichen Charakters seines Amtes seine jeweilige Parteimitgliedschaft ruhen. Einen „sozialdemokratischen Schlossherrn“ im engeren Sinne wird es also wohl nicht geben.

„Aufrichtige Entschuldigung“

Natürlich stieß auch eine weitere Offensichtlichkeit einigen Kommentatoren übel auf: Denn selbst wenn Steinmeiers Wahl als sicher gilt - offiziell ist sie natürlich erst, wenn die Stimmen ausgezählt sind. Immerhin gibt es mit Christoph Butterwegge, Albrecht Glaser, Alexander Hold und Engelbert Sonnenborn noch vier Gegenkandidaten.

Zuguterletzt amüsierten sich einige Twitter-User auch noch über einen weiteren vermeintlichen Widerspruch: Ausgerechnet ein Kandidat aus der SPD, mit ihren Wurzeln in der Arbeiterbewegung, als „Schlossherr“? „Wer erinnert sich nicht an die Gründungsvision von Lassalle, Liebknecht & Bebel vor ~150J.: Endlich selbst Schlossherr sein!“, ätzte ein Nutzer.

Dem Berliner SPD-Landesverband blieb da nur noch der geordnete Rückzug: Auf Facebook und Twitter löschten die Genossen das so hart gerügte Foto. „Für unseren Tweet entschuldigen wir uns aufrichtig. Es war ungeschickt und unangebracht, unsere Unterstützung für #Steinmeier so auszudrücken“, lautete die zerknirschte Erklärung auf Twitter.

Das immerhin kam dann wieder gut an: „Danke!“ schrieb der Berliner SPD-Politiker Christopher Lauer. „Gut, dass Sie so schnell reagiert haben“, lobte Kanzleramts-Chef Altmaier. Die Große Koalition ist also wieder versöhnt und ganz auf Linie. Und so wird Frank-Walter Steinmeier am Sonntag eben doch zum Bundespräsidenten gewählt werden - wenn nichts dazwischenkommt.

Wie Sie die Bundespräsidentenwahl live im TV und im Stream verfolgen können, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Florian Naumann

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