+
David Cameron stellte sich im TV den Fragen der Zuschauer.

TV-Auftritt vor EU-Referendum

Fragestunde zum Brexit: Cameron fehlt meist die Leidenschaft

London - Bei seinem dritten TV-Auftritt vor dem EU-Referendum gelingt es Cameron, sich beim Thema Jo Cox nicht aufs Glatteis führen zu lassen. Er konzentriert sich lieber auf die wirtschaftlichen Gefahren eines Brexit.

Update vom 20. Juni 2016: Am Donnerstag stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Alle aktuellen Infos finden Sie in unserem News-Blog zum Brexit.

Der britische Premierminister David Cameron hat sich am Sonntagabend im BBC-Fernsehen den Fragen eines Studiopublikums gestellt. Rund 45 Minuten beantwortete er die Fragen von Zuschauern und Moderator David Dimbleby. Am 23. Juni stimmen die Briten über einen Austritt ihres Landes aus der EU ab.

Nur drei Tage nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox spielte auch die Brexit-Debatte selbst eine Rolle. Ansonsten waren die Themen bekannt: drohende wirtschaftliche Konsequenzen eines Brexit und Immigration.

Hat das EU-Referendum - angesichts des Mords an Jo Cox - die Debattenkultur in Großbritannien vergiftet? Diese Frage stellte ein Mann aus dem Publikum gleich zu Beginn der Fragestunde im Fernsehen. Cameron hätte das zum Anlass nehmen können, die Gegenseite in der Debatte um das EU-Referendum anzugreifen. Doch auf dieses Glatteis ließ sich der Premier nicht führen. Zu groß die Gefahr, sich den Vorwurf einzufangen, den Tod der 41-Jährigen politisch ausnutzen zu wollen.

Stattdessen setzte Cameron zu einem Appell für Toleranz an und leitete dann rasch zu seinem Lieblingsthema über: Wirtschaft. Es ist stets die gleiche einfache Formel. Großbritanniens Wirtschaft würde durch einen Brexit schrumpfen, dadurch gäbe es weniger Arbeitsplätze und weniger Steuereinnahmen.

Brexit: Mangelnde Emotionen bei Cameron?

Immer wieder versuchte Moderator Dimbleby das Thema Migration in den Mittelpunkt zu stellen - Cameron antwortete stets mit der Wirtschaft und appellierte an den gesunden Menschenverstand. Der Internationale Währungsfonds, die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die Bank of England, alle kämen sie zu dem gleichen Schluss - ein Brexit sei schlecht für Großbritanniens Ökonomie.

Warum es ihm und anderen Gegnern eines Brexit dennoch nicht gelinge, eine Mehrheit der Wähler überzeugen, wollte eine Frau wissen - Cameron bleib die Antwort schuldig.

Möglicherweise liegt es an mangelnden Emotionen: Als ein Mann Cameron mit dem ehemaligen britischen Premier Neville Chamberlain verglich, der es durch seine Appeasement-Politk versäumt hatte, den Expansionsgelüsten Hitlers Einhalt zu gebieten, wurde Cameron sauer. Und das kam an.

Die Europäische Union sei nicht mit Diktaturen aus der Vergangenheit zu vergleichen, sagte Cameron. Er sehe sich in der Tradition Winston Churchills und wolle für eine bessere EU kämpfen, statt sich davonzuschleichen - großer Beifall. Doch am Ende verfiel er dann doch wieder in die alten Phrasen von der wirtschaftlichen Gefahr.

Gründe, Folgen, Umfragen: Das müssen Sie zum Brexit wissen

Am 23. Juni 2016 entscheiden die Briten über den Brexit. Was sind die Gründe für einen Austritt aus der EU? Was die Vor- und Nachteile? Was wären die Folgen? Wie steht es in den Umfragen? Und wann findet die Abstimmung statt? Wir machen den Brexit-Check.

Video: Pro-Brexit-Flotte schippert auf Themse

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Seehofers Rücktritt naht: Wie macht er’s?
In den nächsten drei, vier Wochen steht die offizielle Rücktrittserklärung von Horst Seehofer an. Wie ein Ministerpräsident sein Amt los wird, steht in in Bayerns …
Seehofers Rücktritt naht: Wie macht er’s?
Union diskutiert über ihr Profil
CSU-Politiker vor allem hätten es gern deutlich konservativer. CDU-Vertreter suchen den Erfolg in der Mitte. Aber bitte jünger und neuer solle die Partei werden. …
Union diskutiert über ihr Profil
Merkel: Deutsche Afrika-Politik muss sich verändern
Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält eine Weiterentwicklung der deutschen Afrika-Politik für erforderlich. Die Entwicklungspolitik müsse sich …
Merkel: Deutsche Afrika-Politik muss sich verändern
Trumps Ex-Berater soll europäische Politiker bezahlt haben
Trumps früherer Wahlkampfchef Manafort gerät immer stärker unter Druck. Sonderermittler Mueller weitete seine Anklagen gegen ihn aus - und im anstehenden Verfahren …
Trumps Ex-Berater soll europäische Politiker bezahlt haben

Kommentare