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Strahlender Sonnenschein über dem Schloss Schleißheim: Hier feiert der Landtag.

Feier im Schloss Schleißheim

Landtagsempfang: Ein Fest mit kleinem Makel

Schleißheim - Es ist ein Fest unter tiefblauem Himmel, und doch mit leichten Schatten. Der Landtag, von der Abgeordneten-Affäre schwer getroffen, lädt zum Sommerempfang. Die Präsidentin will ein Bürgerfest ohne Protz. Und ohne Wahlkampf.

Er trägt noch nicht mal eine Krawatte, aber er fühlt sich wie zuhause. Als Finanzminister, flachst Markus Söder, „bekommt man ein Gefühl für Schlösser. Ich bin hier fast Hausherr.“ Da hat er Glück, dass ihn die echte Hausherrin nicht hört. Barbara Stamm legt, das weiß man aus Vorjahren, durchaus Wert auf Krawatten – und auf ihre Rolle als Gastgeberin. Aber sie ist beschäftigt: Die Landtagspräsidentin nimmt ein paar Meter entfernt das Defilee ab, 2000 Mal „Guten Abend“, 2000 Mal gelingt ihr ein herzliches Lächeln.

Alles ganz entspannt also an diesem lauen Sommerabend in Schloss Schleißheim: Hier darf sich jeder zuhause fühlen, zumindest jene, die eine der begehrten Karten ergattert haben. Wenige Ereignisse nämlich sind so beliebt wie der Landtags-Empfang vor der barocken Schlossanlage, erbaut nach dem Vorbild von Versailles. Das wissen selbst Neulinge: „Meine Kollegen haben mir gesagt“, erklärt der neue US-Generalkonsul Bill Moeller, „das ist die schönste Veranstaltung des Jahres“.

Sommerempfang des Landtags in Schleißheim - Bilder

Sommerempfang des Landtags in Schleißheim - Bilder

Ist es auch, zumindest, wenn wie heuer die Sonne über dem Schloss strahlt, keine Wolke in Sicht, den ganzen Abend. Trotzdem hängt heuer ein Schatten über dem Fest – die unausgesprochene Frage: Dürfen die das? Haben die das verdient nach der Abgeordneten-Affäre? Das ist natürlich Tagesgespräch.

Stamm erinnert daran, dass es in erster Linie ein Fest für verdiente Bürger sein soll. Jeder der 187 Abgeordneten darf zwei Gäste aus seiner Heimat einladen. Die „normalen“ Besucher unter den vielen „Großkopferten“ geben dem Fest ja tatsächlich das besondere Flair – für sie ist es vielleicht die Einladung des Jahres, von der sie noch den Enkeln erzählen werden. „Ohne Sie“, ruft ihnen Stamm zu, „wäre unsere Heimat ein großes Stück ärmer“.

All die anderen treffen sich ja sonst auch auf dem Landtagsflur. „Wir zelebrieren uns nicht selbst“, sagt Oppositionsführer Markus Rinderspacher (SPD), „wir feiern gesellschaftliches Engagement“. Vize-Ministerpräsident Martin Zeil (FDP) merkt an, man feiere „nicht die letzten drei Monate, sondern die glänzende Legislaturperiode“. „Die haben fünf Jahre gut regiert“, erklärt Ministerin Ilse Aigner. Als Single kommt sie übrigens, das hatte sie neulich ja der „Bunten“ gestanden.

Doch auch für manche Promis im Schlossgarten sind große Emotionen dabei. Fast 50 Abgeordnete erleben den letzten Landtagsempfang, weil sie der Politik den Rücken kehren. Oft freiwillig, manche wurden auch gestürzt. Und viele weitere wissen nicht, ob sie nächstes Jahr mit oder ohne Amt wiederkommen. Allen voran das Kabinett mit Ministerpräsident Horst Seehofer. Der allerdings gibt sich recht gelassen: „Ich entspann’ mich heute Abend.“ Das tut auch sein SPD-Kontrahent Christian Ude, der das Stamm-Defilee durch eine Abkürzung betritt. „Demokratische Institutionen“, sagt er über den Landtag, „sollten nie in Sack und Asche gehen, sie dürfen auch Feste feiern. Sie sollten aber im Alltag Probleme lösen, die sich angestaut haben.“

Auf der Gästeliste stauen sich derweil auch Persönlichkeiten aus Kirche, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport und Medien. Kardinal Reinhard Marx ist da, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Herzog Max in Bayern. Sorgfältig notiert wird indes auch, wer nicht kommt: Zum ersten Mal bleibt der gestürzte CSU-Fraktionschef Georg Schmid dem Empfang fern. „Ich habe abgesagt“, erklärt er am Nachmittag mit matter Stimme.

Schwerpunkt des Abends ist diesmal das „Wertebündnis Bayern“, das Kinder und junge Erwachsene stärken und ihnen Werte wie Toleranz, Verantwortung, Achtung und Respekt vermitteln soll. 300 Vertreter sind eingeladen. „Das Wertebündnis ist die beste Investition, die wir in unsere Zukunft machen können. In der Jugend steckt so viel Gutes; man muss es nur hervorholen“, sagt Stamm. Der Erlös der Tombola – immerhin 5000 Lose zu je 10 Euro – geht übrigens an die Benefizaktion „Sternstunden“, zweckgebunden für Fluthilfen an Einrichtungen für Kinder.

Nur ein Wunsch geht nicht in Erfüllung an diesem Dienstag: Bundesminister Peter Ramsauer hofft vergeblich, sein Rückflug nach Berlin am späten Abend würde ausfallen. „Ich hab’ morgens Kabinett“, brummt er.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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