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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor der Kirche. Im Hintergrund ist Kanzlerin Merkel zu sehen.

Reformationsjubiläum

Festgottesdienst mit Merkel und Steinmeier in Wittenberg

Feierlicher Höhepunkt und Abschluss des Luther-Jahres: In Wittenberg haben am Dienstag Spitzenvertreter aus Kirchen, Politik und Gesellschaft den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther gefeiert.

Wittenberg - In der Schlosskirche fand am Nachmittag ein Festgottesdienst statt, an dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnahmen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, würdigte den Beginn der Reformation als "Akt der Befreiung".

Luthers Thesenanschlag sei eine Befreiung für ihn persönlich, für die Kirche und für die Welt gewesen, sagte Bedford-Strohm in seiner Predigt. "Und nun sitzen wir hier, 500 Jahre später, als Menschen in einem Land, das ebenfalls mit sich ringt."

Bedford-Strohm: Deutschland "so gesegnet wie nie zuvor"

Deutschland sei "so gesegnet wie nie zuvor", sagte Bedford-Strohm. Es sei aber auch ein Land, "in dem sich manche moralisch überfordert fühlen" und "Angst haben, ihre gewohnte Welt zu verlieren, ihre Sicherheit zu verlieren", fügte er mit Blick auf die aktuelle politische Lage hinzu.

Die reformatorische Botschaft werde daher dringend gebraucht. "Was dieses Land braucht, ist eine neue innere Freiheit, eine Kraft, die die Angst überwindet und die Liebe stärkt", sagte der EKD-Ratsvorsitzende.

Bedford-Strohm dankte dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, für Mut und Geschwisterlichkeit im Reformationsjahr. Er dankte zudem Papst Franziskus für seine "Zeichen der Versöhnung zwischen den Kirchen".

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther die Thesen an

Der Vatikan und der Lutherische Weltbund baten in einer gemeinsamen Erklärung zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags um Vergebung für die Gewalttaten der Vergangenheit. Zugleich lobten sie die Ergebnisse der Ökumene in den vergangenen 50 Jahren, es seien dadurch "Vorurteile beseitigt" und theologische Übereinstimmungen herausgearbeitet worden.

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther der Überlieferung nach 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg, mit denen er den Ablasshandel und andere Missstände in der katholischen Kirche anprangerte. Es war der Anstoß für die kirchliche Erneuerungsbewegung, die Reformation.

Der diesjährige Reformationstag stand ganz im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums und war ausnahmsweise ein bundesweiter Feiertag. Er bildete den Abschluss der einjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten.

Zu den Höhepunkten des Luther-Jahres zählten der Deutsche Evangelische Kirchentag, an dem auch Ex-US-Präsident Barack Obama teilnahm, ein europäischer Stationenweg zwischen 68 Städten in 19 Ländern sowie der Besuch des EKD-Rates gemeinsam mit Kardinal Marx bei Papst Franziskus in Rom.

afp

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