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Große Geste: Markus Söder posiert in Peking vor seinem Gastgeschenk. Der Finanzminister will an die Reise von Franz Josef Strauß vor 40 Jahren anknüpfen, obwohl sein Chef Horst Seehofer erst vor einem halben Jahr hier war.

Der Finanzminister in China

Mao, Strauß, Söder

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München – Lange hatte sich Markus Söder Zurückhaltung auferlegt. Mit Erfolg. Heute gilt der einst so forsche Nürnberger als Favorit auf die Nachfolge von Horst Seehofer. Doch je mehr es auf ihn als Kronprinz zuläuft, desto weiter wagt sich Söder wieder aus der Deckung.

Es ist fast wie früher. Der Fernsehredakteur Markus Söder hat schon immer einen Blick für gute Bilder gehabt. Gerade auf Reisen. Er posierte mit „New York Times“ vor der Wall Street, verteilte als „Lebensminister“ T-Shirts im Slum von Kenia und testete im Silicon Valley die Datenbrille von Google. Gestern hat Söder wieder einen dieser Auftritte gehabt, die nicht unbedingt groß, aber groß inszeniert sind.

Markus Söder befindet sich in Peking. Vom dortigen Flughafen sind es zwar 7751 Kilometer bis in die Münchner Staatskanzlei, aber der forsche Franke hat schon mehrfach bewiesen, dass ihm für dieses schöne Büro mit Blick auf den Hofgarten kein Umweg zu weit ist. Sein Gastgeschenk in Peking geht deshalb in erster Linie an ihn selbst. Es ist ein Bild von Franz Josef Strauß und Mao Zedong. So groß, dass davor noch Markus Söder dem örtlichen Flughafenchef die Hand schütteln kann. Mao, Strauß, Söder. In dieser Reihenfolge kann der Finanzminister sogar akzeptieren, dass er als letzter genannt wird.

Söder selbst versichert zwar, man solle da nicht zu viel hinein interpretieren. „Franz Josef Strauß ist für Bayern eben der Türöffner nach China – bis heute.“ Immer wenn man mit Strauß anfange, merke man „ein Lächeln auf den Lippen der chinesischen Partner“. Aber natürlich ist der 48-Jährige hier auch Handlungsreisender in eigener Sache.

Es scheint so, als habe Söder einen kleinen Strategiewechsel vorgenommen. Zugeben würde er das natürlich nie. Aber der Franke tritt wieder offensiver auf. Monatelang hatte er die fleißige Arbeitsbiene gegeben. Der einstige Luftikus, dem Horst Seehofer vor eineinhalb Jahren Schmutzeleien unterstellt hatte, wollte mit Leistung glänzen. Komplexe Verhandlungen bei der Landesbank, eine generalstabsmäßig vorbereitete Behördenverlagerung, dazu der ausgeglichene Haushalt. Selbst einstige Kritiker, allen voran Seehofer selbst, quittierten das mit einem anerkennenden Nicken.

Dann kam im Januar die BR-Umfrage, die Söder mit 41 zu 24 Prozent zum klaren Favoriten vor Ilse Aigner ausrief. Seitdem hat sich vieles verändert. Aigner beispielsweise verschärft den Ton deutlich. Vergangene Woche erklärte sie in einem Interview, Bayern sei reif für eine Frau an der Spitze. Sie pries den anderen Führungsstil von Frauen. Leiser seien sie, „nicht so sehr auf den Effekt bedacht“. Das ging klar gegen Seehofer und Söder. Sie hätte auch sagen können: „Ich posiere nicht vor Strauß und Mao.“

Natürlich führt Söder ernsthafte Gespräche in China. Mit Flughafenchef Michael Kerkloh bemüht er sich, den Luftverkehr mit Peking zu intensivieren. Am Dienstag wird eine neue Frachtlinie eröffnen, mit fünf Flügen täglich. Heute weiht der Minister in Shanghai einen neuen Standort des „German Centers“ ein, eine Tochter der Landesbank. Wichtig für bayerische Firmen. Und am Mittwoch steht ein Besuch beim Internetriesen „Alibaba“ an, vielleicht sogar inklusive Treffen mit dem legendären Jack Ma. Das gäbe nochmal schöne Bilder.

Doch Söders Strategie verläuft zweigleisig. Die Öffentlichkeit ist das eine, die Partei das andere. In der CSU gibt es keinen besseren Netzwerker. Söder vergisst keinen Geburtstag, sucht sich überall strategisch Vertraute. Dass nach der Behördenverlagerung kaum einer beleidigt war, darf er als kleines Meisterwerk feiern.

Manchmal wird diese Strategie aber auch durchschaubar. Kurz vor seiner Abreise nach Peking verschickt Söder am Freitagmittag noch einen Brief an die Abgeordneten. Betreff: „Leuchtturmprojekte in Südbayern“. Nach der Nordbayern-Initiative will der Franke zeigen, dass der Süden nicht zu kurz kommt. 44 Projekte werden aufgelistet, quer durch alle Ressorts. Einiges (die Fassadenrestaurierung der Befreiungshalle in Kelheim oder der Zuschuss für die Frauenakademie München) fällt eher in die Rubrik Leuchttürmchen. Ein „Service für die Abgeordneten“ sei das gewesen, wiegelt Söder ab. Eine „statistische Mitteilung“, nachdem er von CSUlern um eine Auflistung gebeten worden sei. Untypisch: Seine „Südbayern Offensive“ machte Söder nicht öffentlich.

In der Fraktion gehen die Meinungen über das Schreiben auseinander. Einige sehen es tatsächlich als Service. Andere sagen: Alles kalter Kaffee. Alles längst beschlossen. „Das ist eine reine Propaganda-Offensive von Söder“, schimpft einer. „Da geht es nur darum, der Ilse Aigner die Luft abzuschnüren.“ Auch die Wirtschaftsministerin selbst soll, so berichten es mehrere Quellen, wenig begeistert gewesen sein. Und: Die Ministerin plant, bald auf Reisen zu gehen.

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