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Ein Prost auf der Leonhardi-Wallfahrt: Markus Söder war in Bad Tölz am Montag mit dabei.

Finanzminister in Bad Tölz

Söder trainiert bei Leonhardi-Wallfahrt schon den Landesvater

Während CSU-Chef Horst Seehofer zu den Jamaika-Verhandlungen in Berlin erwartet wird, reist sein Parteirivale Markus Söder zur Leonhardi-Wallfahrt nach Bad Tölz. Dabei preist er urbayerische Werte.

Bad Tölz - So tritt in Bayern ein Landesvater auf: Im schweren Lodenmantel, ein fein geputztes Ross am Zügel zeigt sich der CSU-Mann am Montag bei der traditionsreichen Leonhardi-Wallfahrt in Bad Tölz. Einziger Schönheitsfehler - es ist nicht der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer, sondern sein Konkurrent Markus Söder. Ungeniert nutzt er die Gunst der Stunde - und sägt an Seehofers Stuhl.

Ein eher ungewohntes Bild: ein Franke inszeniert sich im oberbayerischen Bad Tölz und spricht dabei von urbayerischen Werten: „Tradition, Brauchtum und Glaube - das alles gehört zu unserer bayerischen Heimat.“ Worte, die wohl jeder Bayer mit seiner Heimat verbindet. Söder inszeniert sich gekonnt und führt seine Offensive auf das Ministerpräsidentenamt fort. Spätestens seit der CSU-Pleite bei der Bundestagswahl ist das zu erkennen.

Söder nutzt das Internet

Dass der 50-Jährige seinen Besuch auch gleich über Twitter verbreitete, unterstreicht eine zweite Stärke Söders: den Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln.

Deshalb sieht die Junge Union in ihm wohl auch den zukünftigen Ministerpräsidenten. Diese forderte bei der Landesversammlung in Erlangen als erste große Parteiorganisation offen den Rückzug Seehofers. Denn Söders Inszenierung bei der JU war nicht nur eine kleine Stichelei gegen Seehofer, sondern eine Machtdemonstration seiner Position in der CSU. Wer sich vor Plakaten fotografieren lässt, die ihn als neuen Ministerpräsidenten fordern, braucht viel Selbstbewusstsein gegenüber dem Amtsinhaber.

Der am 5. Januar 1967 in Nürnberg geborene bayerische Finanzminister weiß, dass jetzt seine Stunde ist. In der für die Ministerpräsidentenkür entscheidenden Landtagsfraktion hat er seine Widersacherin Ilse Aigner schon lange ausgestochen.

Söders Vorteil ist, dass er den CSU-Betrieb in Bayern ebenso wie die Staatsregierung aus dem Effeff kennt. Der Jurist und ehemalige Redakteur des Bayerischen Fernsehens trat als Fan von Franz Josef Strauß schon mit 16 Jahren 1983 in die CSU ein. Er war acht Jahre lang bis 2003 Chef der Jungen Union, im Landtag sitzt er seit 1994. Von 2003 an war Söder CSU-Generalsekretär und profilierte sich im Schatten des früheren Regierungschefs Edmund Stoiber als Scharfmacher.

Aus dieser Zeit stammt jedoch auch sein Ruf, manchmal schneller zu sprechen als zu denken. So manches CSU-Mitglied belächelte den 50-jährigen etwa für seine Vorstöße zur Rettung des Sandmännchens oder zum Singen der Nationalhymne in Schulen. Gerade viele ältere CSU-Politiker verdrehen beim Namen Söder in Erinnerung an seine Generalsekretärsjahre die Augen. 

Der Kronprinz wird zurecht gewiesen

2007 kam Söder als Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten erstmals ins bayerische Kabinett, dem er seitdem ununterbrochen angehört. Dass es so kommen würde, war nicht zu erwarten: Söder hatte sich zu seinem eigenen Pech 2007 im Machtkampf nach dem Stoiber-Sturz auf die Seite von Erwin Huber gestellt. Das bescherte ihm viel Unmut seitens Seehofers. Dass dieser jedoch an ihm festhielt, zeigt die Qualitäten des Franken auf, die wohl auch sein Chef erkannt hat - und vielleicht unterschätzt hat.

Dennoch ist klar, dass Seehofer Söder verhindern will. Mit gezielten Äußerungen versuchte der Ministerpräsident stets, seinem Konkurrenten zu schaden. 2012 etwas hatte er Söder auf einer CSU-Weihnachtsfeier in Abwesenheit heruntergeputzt. Als „vom Ehrgeiz zerfressen“ und für „zu viele Schmutzeleien“ bezeichnete Seehofer seinen Finanzminister.

Auf einer der folgenden Weihnachtsfeiern sprach Seehofer allerdings Söder auch im kleinen Kreis das strategische Geschick zu, ihn irgendwann aus dem Amt zu drängen. Dass Söder nach ihrer gemeinsamen Vorgeschichte dabei zimperlich vorgeht, dürfte Seehofer nicht erwartet haben.

AFP

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