Horst Seehofer hatte mit umstrittenen Äußerungen zum Islam in Deutschland für Furore gesorgt.
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Horst Seehofer hatte mit umstrittenen Äußerungen zum Islam in Deutschland für Furore gesorgt.

Chef der Staatskanzlei im Interview

“Keine prägende Kraft“: CSU-Mann verteidigt Seehofer in der Islam-Debatte

  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
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Florian Herrmann, 46, ist ein Freund des klaren und harten Wortes – zuletzt auch beim Stabwechsel Seehofer-Söder, für den er stritt.

München -  Nun ist der Freisinger ins Kabinett eingezogen: Als Chef der Staatskanzlei koordiniert der Minister künftig die Arbeit der Regierung und horcht in die Landtagsfraktion.

Derzeit tobt die Islam-Debatte. Seehofer sagt: Der Islam gehört nicht zu Deutschland, die Muslime schon. Hat er Recht?

Er hat Recht. Ich verstehe die völlig überzogene Kritik an seiner Aussage nicht. Die Menschen, die hier mit muslimischem Glauben leben, gehören natürlich zu Deutschland – sie sind da. Der Islam hat ideengeschichtlich für Europa aber keine prägende Kraft entfaltet. In Oberbayern finden Sie eben Wegkreuze und Herrgottswinkel. Natürlich geht es um die Frage: Wie sieht das in 50, 100 Jahren aus? Müssen wir Angst haben vor der Veränderung, die durch Zuzug auf uns zukommt? Da ist mir wichtig: Wenn wir unsere freiheitliche Lebensweise, unsere Grundordnung, erhalten wollen, tun wir gut daran, die christlichen Traditionslinien in den Fokus zu rücken.

„Bei diesem Thema werden wir nicht weichen“

Die schärfste Kritik daran kam von der Kanzlerin. Hat Sie das überrascht?

Die Logik in Seehofers Äußerung ist zwingend. Ich finde schwer nachvollziehbar, warum darauf so aggressiv reagiert wurde. Wir stehen als CSU klar für unsere Überzeugung. Bei diesem Thema werden wir nicht weichen.

Als Chef der Staatskanzlei koordiniert Florian Herrmann künftig die Arbeit der Regierung.
Zugespitzt: Bräuchte die CDU mehr Spahn und weniger Merkel?

Meine Aufgabe als Staatskanzleichef ist nicht, der CDU Personalvorschläge zu machen. Ich rede nur über uns. Und da finde ich: Die Entscheidungen, die wir in der CSU in den vergangenen Monaten getroffen haben, die haben uns gut getan.

An Sie als CSU-Politiker: Sprechen Sie das Wahlziel „absolute Mehrheit“ aus?

Das Wahlziel ist, Geschlossenheit im bürgerlichen Lager herzustellen. Vom liberalen Lager bis zur konservativen demokratischen Rechten.

Herrmann benennt Hauptaufgaben der Regierung Söder

Gilt noch als Devise: Immer ans Alleinregieren denken, nie drüber reden?

Kein schlechtes Motto. Wir kennen aber auch die Ergebnisse der Bundestagswahl und die aktuellen Umfragen. Es nutzt uns jetzt wenig, über Zahlen zu philosophieren. Das interessiert die Leute nicht. Die Hauptaufgabe der Regierung Söder in den nächsten Monaten ist: kümmern, Probleme lösen. Unsere Fragen sind innere Sicherheit, Pflege, Wohnbau – keine intellektuellen Prozentdebatten. Wir müssen „Seismograph der Lebenswirklichkeit“ sein, so hat Horst Seehofer das genannt.

Söders Plan ist offenbar: Die Staatskanzlei soll stärker Visionen und Leitvorgaben entwickeln. Wie bauen Sie die Regierungszentrale um?

Markus Söder ist mit der Neuaufstellung etwas Bemerkenswertes gelungen: Er hat die Staatsregierung konsequent auf die Themen und Sorgen der Menschen ausgerichtet. Mit der Bündelung von Innerem und Integration einerseits, einem eigenen Ressort für die drängenden Fragen Bauen, Wohnen und Verkehr andererseits. Genauso justieren wir auch in der Staatskanzlei, zum Beispiel mit einer neuen Abteilung Digitales und Medien, die Digitalisierungsminister Georg Eisenreich zuarbeitet. Meine Aufgabe dabei ist vor allem, die legendäre Aktionseinheit von Landtagsfraktion – der Herzkammer der CSU – und der Staatsregierung zu stärken.

„Ich bin gegen die dritte Startbahn“

Sitzt jetzt ein energischer Startbahn-Gegner in der Staatskanzlei, oder mussten Sie diese Haltung an der Pforte abgeben?

Meine Haltung zur dritten Startbahn ist seit Beginn der Diskussion immer die gleiche: Ich bin gegen die dritte Startbahn. Natürlich kann man über die Weiterentwicklung des Flughafens reden. Aber mein Stimmkreis ist Freising. Dort wäre eine weitere Startbahn ein extremes Sonderopfer einer ganzen Region. Deshalb bleibe ich bei meinem Nein. 

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