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Experten erwarten neuen Flucht-Rekord - und warnen EU vor Kurzschlussreaktion

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Von: Stephanie Munk

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Menschen in einem in Not geratenen Boot auf dem Mittelmeer.
Krisen und Armut treibt Menschen in die Flucht nach Europa. Hier ein in Seenot geratenes Boot mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. © Max Brugger/Sea-Watch/dpa

Internationale Krisen, Armut, Corona: Die Zuwanderung nach Europa wird 2022 massiv steigen, erwarten Experten - und sprechen eine Befürchtung aus.

Wien - Der bereits 2021 beobachtete Trend eines Anstiegs der Zuwanderung in die EU wird sich nach Einschätzung der Wiener Migrations-Denkfabrik ICMPD (International Centre for Migration Policy Development) in diesem Jahr fortsetzen. Es gebe Anzeichen dafür, dass das Jahr 2022 besonders entscheidend für die Entwicklung in den kommenden Jahren sein wird, sagte ICPDM-Direktor Michael Spindelegger.

Das Institut gehe davon aus, dass unter anderem die Lage in Afghanistan* und Syrien sowie das zu geringe Wirtschaftswachstum in Afrika die Menschen vermehrt zur Migration treibe. Eine Rolle spielt auch die Corona-Pandemie*. „Die gute Gesundheitsversorgung in Europa ist ein Anziehungspunkt für illegale Immigranten. In der EU wird man gratis geimpft. Das ist sehr attraktiv für Flüchtlinge aus Afrika, Lateinamerika und Asien. Deshalb erwarten wir eine Zunahme der illegalen Immigration“, sagte ICMPD-Leiter Michael Spindelegger gegenüber dem Handelsblatt. 2021 hätten fast 200.000 Migranten illegal die Grenzen zur EU überquert - das sei eine Steigerung von rund 57 Prozent im Vergleich zu 2020 und 38 Prozent mehr als 2019, teilte die Denkfabrik am Montag in Wien mit.

Viele EU-Länder wollen sich als Hardliner bei Migration profilieren

Die wichtigen Wahlen, die 2022 stattfinden werden, würden zeigen, wie Europa auf die zunehmende Migration reagiert, hieß es weiter. Bei den anstehenden Wahlen spiele unter anderem in Frankreich, Italien, Ungarn und Serbien das Thema Migration eine bedeutende Rolle. Gerade die Haltung Frankreichs werde wegweisend sein. Im Gegensatz zur Ampel-Koalition in Deutschland, die für mehr Solidarität werbe*, versuchen sich laut ICMPD viele Kandidaten in anderen EU-Ländern mit einem härteren Migrationskurs zu profilieren. Dabei müssten die EU-Staaten bedenken, dass bis 2050 die Zahl der arbeitsfähigen Bürger um 13 Prozent sinken werde. Schon die Corona-Krise habe gezeigt, dass die EU auch von außerhalb ihrer Grenzen Arbeitskräfte benötige.

Michael Spindelegger, Leiter der Migrationsagentur, fordert gegenüber dem Handelsblatt, dass die EU sich endlich auf eine gemeinsame Migrationsstrategie einigt. „Ich bedauere, dass es noch immer keine Einigung auf eine gemeinsame Migrationspolitik in der EU gibt, obwohl die deutsche EU-Präsidentschaft alles versucht hat“, sagte er.

Die 1993 gegründete Denkfabrik ICMPD mit rund 460 Mitarbeitern unterstützt Regierungen bei der Suche nach tragfähigen Lösungen für die mit Migration verbundenen Herausforderungen. Das Zentrum hat 19 Mitgliedsstaaten. afp/smu *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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